Mähdrescher auf einem Feld (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Vorwurf der Instrumentalisierung

Ukraine-Krieg: Scharfe Kritik an Minister Hauks Vorschlag zur Lebensmittelproduktion

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Für den Vorstoß, mehr Flächen zur Lebensmittelproduktion statt zur Ökostromerzeugung zu nutzen, erntet BW-Agrarminister Hauk viel Kritik. Es sei "unsäglich", meinen Naturschützer.

Naturschützer in Baden-Württemberg kritisieren Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) für seinen Vorschlag, künftig weniger Flächen zur Ökostromerzeugung zu nutzen, um im Gegenzug mehr Lebensmittel anbauen zu können. "Ich finde es unsäglich, wie von Teilen der Landwirtschaft der Krieg in der Ukraine instrumentalisiert wird, um in der Landwirtschaftspolitik die Rolle rückwärts zu vollziehen", sagte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Johannes Enssle, am Montag.

Naturschützer sehen Fleischproduktion als Problem

Vielmehr müsse an einem anderen Hebel angesetzt werden: der Fleischproduktion. Auf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland würden Futtermittel für die Fleischproduktion angebaut, sagte Enssle. Das sei extrem ineffizient. In die gleiche Richtung argumentierte auch Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Wenn wir endlich dazu kommen, weniger Fleisch produzieren zu wollen und mehr direkte Lebensmittel, gibt es den von Bauernverbänden und Minister Hauk aufgemachten Konflikt nicht", sagte sie.

Kritik aus dem eigenen Kabinett

Unterstützung erhalten die Naturschützer von der baden-württembergischen Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur warnte sie vor Schnellschüssen und "kurzfristigem Aktionismus" und führte aus: "Warum Landwirtschaftsminister Peter Hauk Freiflächen-Photovoltaik eindämmen und damit Abstriche bei Energieversorgung und Klimaschutz machen will, erschließt sich mir nicht." Beides müsse sein, beides sei möglich.

Walker betonte zudem, die Flächen für die Photovoltaik stünden in keinem Verhältnis zu den Lebensmittelverlusten. Nach Schätzungen entspreche etwa die Menge an verschwendetem Weizen allein in der Europäischen Union in etwa der Hälfte der Weizenexporte der Ukraine. Auch eine gesündere Ernährung mit weniger tierischen Erzeugnissen helfe, die für Tierfutter benötigte Getreidemenge zu verringern.

Ihr Kabinetts-Kollege Hauk hatte in einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten" erklärt, dass die Ernährungssicherheit durch den Krieg in der Ukraine eine ganz neue Bedeutung erlangt habe. Er forderte, dass das Land die Nutzung von Agrarflächen für die Erzeugung von Ökostrom verringern und diese stattdessen verstärkt zur Produktion von Nahrungsmitteln verwenden solle.

Hauk: "Gefüllte Lebensmittelregale sind keine Selbstverständlichkeit"

Gut gefüllte Lebensmittelregale seien keine Selbstverständlichkeit, führte Hauk aus. Das zeige sich in der jetzigen Situation. "Um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten und den Anstieg der Lebensmittelpreise zu mildern, sollten wir den Einsatz von Ackerflächen für die Energieerzeugung deutlich reduzieren", sagte er.

Dabei nahm der Minister auch die Bundesregierung und seine Amtskollegen in den Bundesländern in die Pflicht. Die europäische gemeinsame Agrarpolitik müsse in Deutschland so umgesetzt werden, "dass einerseits die Ernährungs- und Umweltziele erreicht und gleichzeitig die landwirtschaftlichen Betriebe unterstützt werden", sagte er.

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SWR