Medizinisches Personal arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg in einem Zimmer mit Covid-19-Patienten, die im Koma liegen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

2G-Regel soll greifen

Neue Corona-Verordnung: Diese Grenzwerte lösen "Alarmstufe" aus

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Ab Montag sollen für ungeimpfte Erwachsene neue Corona-Einschränkungen in Baden-Württemberg gelten. Das Land hat sich auf Grenzwerte festgelegt.

Wie das Sozialministerium dem SWR am Donnerstag bestätigte, soll es künftig zwei Stufen geben, die für Ungeimpfte Folgen haben werden. Sie müssen bei der ersten Warnstufe einen negativen PCR-Test vorweisen, um zum Beispiel ins Restaurant zu dürfen. Bei der zweiten Stufe, der Alarmstufe, treten die 2G-Regeln in Kraft. Dann dürften Ungeimpfte nicht mehr alle öffentlichen Einrichtungen besuchen.

Markus Pfalzgraf aus der SWR Redaktion Landespolitik erklärt, welche Stufen es bei der 2G-Regel gibt und ab wann sie greifen:

Lahl: Geimpfte und Genesene sollten nicht eingeschränkt werden

Der Amtschef des Sozialministeriums, Uwe Lahl, sagte dem SWR, dass es nicht im Sinne des Sozialministeriums sei, die Freiheitsrechte von Geimpften und Genesen weiterhin einzuschränken. "Es ist doch logisch, dass wir jetzt nicht die Menschen, die geimpft sind, mit Beschwernissen versehen können, weil das infektiologisch gar nichts bringt. Die haben mit den Infektionen so gut wie nichts mehr zu tun", sagte er am Donnerstag dem SWR. "Es sind die Nicht-Geimpften, die uns diese steigende Infektionsinzidenz bescheren. Deswegen kann ich auch nur dort etwas machen - oder ich lasse es laufen, dann sterben die Nicht-Geimpften vor der Intensivstation. Das ist die Wahl, die die Politik momentan hat." Die Kritik an einer Zwei-Klassen-Gesellschaft für Nicht-Geimpfte wies Lahl zurück: Es gehe schließlich darum, dass alle Erkrankten auf den Intensivstationen gut versorgt werden können.

"Warnstufe" bei 250 Corona-Intensivfällen

Die erste "Warnstufe" soll gelten, sobald 250 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind oder die Hospitalierungsinzidenz bei acht liegt. Das bedeutet, dass von 100.000 Einwohnern innerhalb von einer Woche acht Menschen mit Corona-Symptomen in eine Klinik eingeliefert worden sind. Zuerst hatte die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Werden diese Werte überschritten, sollen Ungeimpfte nur noch mit einem PCR-Test Zugang zu bestimmten öffentlichen Bereichen haben. Außerdem dürfen sich dann - ebenfalls im Falle von Ungeimpften - nur noch zwei Familien treffen.

Laut jüngsten Angaben des Landesgesundheitsamtes liegen derzeit 174 Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg (Stand: Mittwoch, 16 Uhr). Die Hospitalisierungsinzidenz liegt demnach bei etwas über zwei.

Zum Vergleich: Ende des vergangenen Jahres lagen in der sogenannten zweiten Welle in den Kliniken in Baden-Württemberg täglich etwas mehr als 600 Covid-Patienten auf den Intensivstationen.

Nach Angaben des Divi-Intensivregisters der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin gibt es in Baden-Württemberg aktuell 2.324 betreibbare Intensivbetten (Stand: Donnerstag, 9:19 Uhr). Demnach sind 2.019 davon belegt.

Wie viele Intensivbetten ein Krankenhaus betreiben kann, orientiert sich immer an der Anzahl der Pflegekräfte, die zur Verfügung stehen. Deshalb schwankt diese Zahl und kann sich ständig ändern. Laut den Vorgaben kann sich eine Pflegekraft tagsüber um zwei Patienten und Patientinnen kümmern, in der Nacht um drei.

"Alarmstufe" bei 390 Corona-Intensivfällen

Neben der "Warnstufe" plant das Land einen weiteren Grenzwert. So soll eine "Alarmstufe" ausgelöst werden, wenn 390 Covid-Patientinnen oder -Patienten auf Intensivstationen behandelt werden oder die Hospitalisierungsinzidenz bei zwölf liegt. Dann soll in Baden-Württemberg die 2G-Regel gelten. Das würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte oder Genesene etwa Restaurants besuchen dürften.

Zunächst hatte die Landesregierung vorgesehen, dass der Grenzwert für die Einführung der 2G-Regel bei einer Belegung von 300 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten liegen soll.

Im Moment gilt in Baden-Württemberg die 3G-Regel. Danach stehen bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens neben den Geimpften und Genesenen auch den negativ Getesteten offen.

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Die geplante neue Corona-Verordnung werde derzeit noch zwischen den Ministerien abgestimmt, hieß es. Die Verordnung soll voraussichtlich Ende der Woche verkündet werden und am 13. September in Kraft treten. Vor allem wegen der Reiserückkehrer aus dem Ausland rechnet das Land mit steigenden Inzidenzen und deutlich mehr Intensivpatientinnen und -patienten, wenn die Schulferien an diesem Wochenende enden.

Nach einer Prognose des Landesgesundheitsamts könnte in gut einer Woche der Grenzwert von 250 belegten Intensivbetten überschritten werden. Die Marke 300 könnte am 20. September erreicht sein.

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SWR