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Grüne und CDU wollen weiter gemeinsam in Baden-Württemberg regieren. Kontroverse und Reibungspunkte könnte aber die Bildungspolitik auslösen. Und wer folgt eigentlich auf Kultusministerin Eisenmann?

Bei den Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU stand am Dienstag erstmals das zentrale landespolitische Thema Bildung auf der Tagesordnung. Bei ihren Sondierungen hatten sich die beiden Partner schon darauf verständigt, die Schullandschaft nicht groß verändern zu wollen. Gleichwohl stehen große Aufgaben vor der Nachfolgerin oder dem Nachfolger von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die nach ihrem Scheitern als Spitzenkandidatin aus der Politik aussteigen will.

Kultusministerin Susanne Eisenmann im Landtag von Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Roger Buerke)
Wer folgt auf Susanne Eisenmann (CDU) im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg? picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Baden-Württemberg ist in Schul-Leistungsvergleichen mit anderen Bundesländern abgerutscht. Zudem leistet sich das Land deutlich mehr Schularten als andere Länder, was wesentlich mehr Geld kostet. Lehrerverbände fordern zugleich deutlich mehr Lehrkräfte, auch um die Lernlücken durch den Corona-Lockdown abzufedern. Grüne und CDU wollen demnächst einen Kinder- und Jugendgipfel veranstalten, um danach einen genauen Plan für die Aufarbeitung der Defizite zu erarbeiten.

GEW: Grüne sollen Ministerium übernehmen

In den beiden Wahlperioden unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatten die Grünen das Kultusministerium jeweils dem kleinen Koalitionspartner zugestanden, der SPD und der CDU. Das Ressort gilt als äußerst schwierig, ist aber mit einem Etat von zwölf Milliarden Euro gemessen an der finanziellen Bedeutung das größte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dringt darauf, dass nach fünf Jahren konservativer Bildungspolitik nun die Grünen das Ressort übernehmen.

Als denkbare Kandidaten für das Kultusressort werden in CDU-Kreisen der bisherige Kultus-Staatssekretär Volker Schebesta, aber auch die CDU-Fraktionsvize Nicole Razavi genannt. Razavi, die eigentlich als Verkehrsexpertin gilt, hatte in der Sondierung den Bildungsteil mitverfasst.

Über die Inhalte ihrer Koalitionsverhandlungen haben die Partner Stillschweigen vereinbart. Dem Vernehmen nach sprachen sie am Dienstag unter anderem über die Realschulen und die Frage, wie viele Schülerinnen und Schüler dort aufgenommen werden, die voraussichtlich den Hauptschulabschluss machen. Die CDU will den bisherigen Anteil von rund 25 Prozent beibehalten, die Grünen möchten das ausweiten.  

Drei weitere Arbeitsgruppen nehmen Arbeit auf

Außerdem trafen sich am Dienstag Vormittag in der L-Bank in Stuttgart noch die Arbeitsgruppen "Gesellschaft und Integration", unter anderem mit Integrationsminister Manfred Lucha (Grüne), und die Gruppe "Bauen und Wohnen", bei der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dabei war. Am Nachmittag traf sich auch die AG "Inneres und Justiz".

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