Mundschutzmaske hängt an Schülertisch, Präsenzunterricht (Foto: Imago, Michael Weber)

Scharfe Kritik von Lehrer-Gewerkschaft

Doch keine früheren Weihnachtsferien in Baden-Württemberg

STAND

Vergangene Woche schien es schon sicher, dass die Weihnachtsferien im Land wegen Corona verpflichtend verlängert werden. Doch die Regierung kippte die angekündigte Regelung wieder.

Die Weihnachtsferien werden in Baden-Württemberg in diesem Jahr doch nicht verlängert. Das hat ein Regierungssprecher dem SWR am Dienstagvormittag bestätigt. Offenbar ist es der Landesregierung nicht gelungen, sich auf eine entsprechende Regelung zu einigen. Stattdessen sollen die Ferien wie ursprünglich geplant am 23. Dezember beginnen.

Kretschmann: "Die Kultusministerin wollte das nicht"

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte an den zusätzlichen Ferientagen eine alternative Betreuungsmöglichkeit sicherstellen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte sich jedoch dagegen gewehrt, für eine Betreuung Lehrpersonal einzubeziehen. Dann könne man die Schulen auch gleich öffnen, so Eisenmanns Argument. Deswegen wollte sie keine längeren Weihnachtsferien landesweit anordnen.

Auf die Einwände der Kultusministerin verwies Kretschmann nun bei der Erklärung der aktuellen Entscheidung: "Die Kultusministerin wollte das nicht und hat es nicht für sinnvoll gehalten, das jetzt mit einer Betreuung durch Lehrerinnen und Lehrer zu machen. Deswegen haben wir uns nun auch auf einen anderen Weg geeinigt". Eine Verlängerung der Ferien sei ihm ohne Betreuungsmöglichkeit nicht tragbar erschienen.

Keine Präsenzpflicht für Schüler

Statt verlängerter Ferien gilt jetzt: Schüler der Klassenstufen 1 bis 7 sollen am 21. und 22. Dezember in die Schule kommen können. An diesen Tagen bestehen aber - wie bisher schon - keine Präsenzpflicht. Für Schüler ab der Klassenstufe 8 soll es an den beiden Tagen Fernunterricht geben. Schulen, die die beweglichen Ferientage nutzen wollen, um die Weihnachtsferien früher beginnen zu lassen, steht dies selbstverständlich frei, so die Landesregierung in einer Mitteilung.

Als Begründung für diese Entscheidung wird das niedrige Infektionsrisiko bei Kindern genannt. Bei älteren Jugendlichen sei dieses jedoch deutlich stärker und deshalb auch der Fernunterricht vorgesehen. Ältere Schüler könnten im Zweifel auch ohne elterliche Aufsicht zu Hause bleiben, erklärte die Landesregierung.

Kommentar zum Corona-Management der Landesregierung Doch keine früheren Weihnachtsferien: "Die schlechteste aller Lösungen"

Nun soll es in Baden-Württemberg also doch keine früheren Weihnachtsferien geben. Die Entscheidungen der Landesregierung offenbaren derzeit vor allem Chaos, findet SWR-Politikredakteur Knut Bauer.  mehr...

Entscheidung gegen Verlängerung "guter Kompromiss"

"Ich bin froh, dass wir uns gemeinsam auf eine pragmatische und an den Bedarfen von Eltern orientierte Lösung verständigt haben", betonte Kultusministerin Eisenmann. Ihr Kompromissvorschlag trage der Kontaktreduktion Rechnung und unterstütze die Familien bei der Frage der Kinderbetreuung.

Auch Kretschmann bezeichnete die Pläne am Dienstag als "guten Kompromiss". Denn bei vorgezogenen Ferien habe man auch die Frage bedenken müssen, wer sich um die Kinder und Jugendlichen kümmere, die nicht von ihren Eltern betreut werden könnten, so der Grünen-Politiker. Außerdem sei es wichtig, dass Menschen in wichtigen Berufen weiter arbeiten könnten.

 "Dem Geist des MPK-Beschlusses ist Genüge getan. Deswegen denke ich, war das ein guter Kompromiss."

Damit widerspricht Baden-Württemberg einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die die Regierungschefs vergangene Woche getroffen haben. Sie hatten sich eigentlich darauf geeinigt, dass die Weihnachtsferien bereits am 19. Dezember beginnen.

Lehrer-Gewerkschaft kritisiert Entscheidung als "schlechte Lösung"

Die neuen Vorgaben zum Schulunterricht stoßen bei der Lehrer-Gewerkschaft VBE auf wenig Gegenliebe. "Für Schulleiter ist das die schlechteste aller Lösungen", sagte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand.

"Es wäre gescheit gewesen, die beiden Tage auch als Anerkennung für die Lehrer frei zu geben."

Die unterschiedlichen Planungen für die unteren und höheren Klassenstufen seien ein Zeichen des Konfliktes in der Landesregierung und ein "grün-schwarzer Kompromiss in Wahlkampfzeiten". Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen hätten nach seiner Ansicht die Kommunen organisieren können. "Und am besten wäre es gewesen, man hätte gleich von vorneherein alles gelassen wie es war."

Auch die neue GEW-Landeschefin Monika Stein warf der Regierung vor, Zuständigkeiten seit Monaten nur weiterzureichen an Schulleitungen und Kommunen, nun an die Eltern. "Das hat in diesem Fall das Ergebnis, dass diejenigen, die es sich leisten können, ihre Kinder nach Hause holen, die anderen nicht. Und Lehrer werden so zu Betreuern mit Infektionsrisiko."

Der Philologenverband kritisierte das Konzept schlicht als weltfremd. Die meisten Schulen hätten überhaupt keine ausreichende Internetverbindung, um mehr als die Hälfte aller Klassen aus der Schule heraus online zu beschulen.

SPD-Abgeordneter Binder: "Reißt euch mal zusammen"

Auch seitens der Opposition hagelt es Kritik. Baden-Württembergs SPD-Generalsekretär Sascha Binder zeigte sich auf dem Nachrichtendienst Twitter fassungslos. "Was für ein Chaos Grüne und CDU hinterlassen... heute hier morgen dort... reißt euch mal zusammen!", schrieb Binder. "Es geht nicht um euer Ego, sondern um die Menschen , die sich an euren Entscheidungen orientieren müssen."

Was für ein Chaos ⁦@GrueneBW⁩ und ⁦@CDU_BW⁩ hinterlassen... heute hier morgen dort... reißt euch mal zusammen ! ⁦es geht nicht um euer Ego, sondern um die Menschen , die sich an euren Entscheidungen orientieren müssen. ⁦@SWRAktuellBW⁩ https://t.co/oIRncUBRhq

Die SPD-Fraktion brachte ihre Kritik mithilfe eines Weihnachtslieds zum Ausdruck: "Ihr Kinderlein kommet. Oder gehet. Oder bleibet daheim. Oder doch nicht...", teilte die Fraktion mit - und wirft Grün-Schwarz damit eine chaotische Pandemiepolitik vor.

Neue Corona-Verordnung ab Dezember Neue Corona-Regeln für Baden-Württemberg: Silvester nur zu fünft

Mit nur einem Tag Vorlauf hat die Landesregierung die neue Corona-Verordnung veröffentlicht. Sie beinhaltet unter anderem die Regelungen für Weihnachten und Silvester.  mehr...

Bescheinigung nicht aussagekräftig Stuttgarter Gericht entscheidet: Schülerinnen müssen trotz Attests Maske tragen

Mit ärztlichen Attesten wollten sich drei Schülerinnen von der Maskenpflicht befreien lassen. Doch das Verwaltungsgericht Stuttgart lässt das nicht gelten.  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: 353 Intensivbetten in Baden-Württemberg frei

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN