Der Schriftzug "Lesen" ist auf einem Buchstabenspiel zu sehen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Jens Büttner)

VHS Schwäbisch Gmünd für Arbeit mit Analphabeten ausgezeichnet

Schlecht lesen, schlecht schreiben: So will BW jetzt Erwachsenen helfen

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Nicht lesen können, was in einem Brief steht, Probleme beim Ausfüllen eines Formulars. Für Hunderttausende Menschen im Land ist das Realität. Vom Land soll es weitere Unterstützung geben.

Das Land Baden-Württemberg will die Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener im Land stärker vorantreiben. Dazu gibt es das neue Alpha-Siegel. Damit sollen Einrichtungen ausgezeichnet werden, die sich besonders gut auf Personen einstellen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, so das Kultusministerium. Am Mittwochnachmittag wurde die Volkshochschule Schwäbisch Gmünd mit dem ersten Alpha-Siegel in Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Idee dazu stammt vom Grundbildungszentrum Berlin.

Alpha-Siegel sichtbar an Gebäuden und auf Webseiten

Als sichtbares Zeichen am Gebäude oder auf der Website soll das Siegel signalisieren, dass Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben in der Einrichtung freundlich und kompetent beraten und unterstützt werden. So würden Zugangshürden etwa bei Ämtern und Behörden oder Beratungseinrichtungen beseitigt, indem Symbole die Gebäude ausschildern und eine einfache Sprache auf der Website verwendet wird, heißt es aus dem Kultusministerium.

 Das Wort "Analphabet" steht in einem Duden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Jens Wolf)
Analphabetismus: kulturelle, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben, bis hin zu völligem Unvermögen in diesen Disziplinen. picture alliance / dpa | Jens Wolf

Analphabetismus: Millionen Menschen in Deutschland betroffen

In der Regel schämen sich die Betroffenen dafür, dass sie nicht lesen und schreiben können und reden ungern darüber. Deshalb ist es schwer zu ermitteln, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Die Universität Hamburg kommt in einer Studie auf die Zahl 6,2 Millionen Menschen. Das heißt etwa zwölf Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben diese Probleme. Auf Baden-Württemberg umgerechnet bedeutet das, dass knapp eine Million Erwachsene im Land Lese- und Schreibprobleme haben.

Verschiedene Förderprogramm in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es bereits Programme, die den betroffenen Frauen und Männern helfen sollen. Zum einen ein Programm für Berufstätige mit Fördermitteln von mehr als einer Million Euro. Kurse werden teilweise direkt in den Unternehmen abgehalten. Ein weiteres Landesprogramm in Baden-Württemberg richtet sich speziell an Menschen mit geringer Grundbildung, beispielsweise Langzeitarbeitslose, Rentner oder Migranten. Dafür sind neun sogenannte Grundbildungszentren in allen Teilen des Landes aufgebaut worden, angedockt an verschiedene Träger, etwa die Volkshochschulen. Diese Grundbildungszentren arbeiten eng mit Jobcentern, der Caritas oder Tafelläden zusammen und versuchen die Betroffenen zum Beispiel mit Lerncafes zu erreichen.

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