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Das neue Schuljahr startet in Baden-Württemberg mit einer Maskenpflicht für Schüler. Sie gilt ab der fünften Klasse und an den weiterführenden Schulen auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. Aber schon am ersten Schultag gibt es Diskussionen.

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Eigentlich gilt die Maskenpflicht an den baden-württembergischen Schulen nicht im Unterricht. Jetzt hat sich das Landesgesundheitsamt dafür ausgesprochen, dass Masken auch im Unterricht getragen werden sollten. Grundlage dafür sei eine Studie zu Infektionen in Schulen und Kindergärten.

Studie: Zusätzliche Lüftung der Klassenräume sinnvoll

Aus wissenschaftlicher Sicht seien Masken auch im Unterricht sinnvoll, das hat Stefan Brockmann, Referatsleiter des Landesgesundheitsamts, gegenüber dem SWR gesagt. Die Entscheidung darüber sei aber letztendlich eine politische. Die Behörde ist außerdem der Ansicht, dass Unterrichtsräume nicht nur zwischen den Stunden, sondern auch zur Hälfte der Stunden gelüftet werden sollten. Bislang gilt: Räume sollen nur mindestens alle 45 Minuten gelüftet werden.

Ziel: Ansteckungsrate auch ohne Abstand gering halten

Vor den Sommerferien ist es laut der Studie kaum zu Ansteckungen gekommen - damals mit Abstand zwischen den Schülern. 137 infektiöse Schüler und Kindergartenkinder hätten in ihren Einrichtungen nur elf Mal jemanden angesteckt. Zu Infektionen sei es in insgesamt sechs Einrichtungen gekommen, untersucht worden sind gemeldete Fälle von Mai bis August in ganz Baden-Württemberg. Die Behörde schließt daraus, dass die Infektionsschutzmaßnahmen, also beispielsweise die Abstandsregelung, gewirkt haben. Weil nach den Ferien wieder ohne Abstand unterrichtet werde, sei eine Mund-Nasen-Bedeckung wichtig, um die Ansteckungsrate weiterhin niedrig zu halten.

Vorschlag: Plexiglasscheiben am Lehrerpult

Der Philologenverband Baden-Württemberg sieht sich bestätigt. "Niemand weiß die Lage wirklich exakt einzuschätzen und ein Unterricht in vollen Klassen ohne Abstandsgebot und ohne Maske ist natürlich einfach auch ein zusätzliches Risiko", sagte der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Ralf Scholl. Im Gegensatz zu der Zeit vor den Ferien habe man jetzt keinen Abstand mehr und deutlich höhere Infektionszahlen.

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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) dagegen reagiert zurückhaltend: Eine Mehrheit der Mitglieder habe sich gegen Masken im Unterricht ausgesprochen. Der VBE fordert stattdessen Plexiglasscheiben am Pult der Lehrkräfte. Aus Sicht der baden-württembergischen SPD-Fraktion sollte jede Schule selbst die Möglichkeit haben, über den Umfang der Maskenpflicht zu entscheiden.

CDU-Kultusministerium fordert Stellungnahme des grünen Sozialministeriums

"Dass das Landesgesundheitsamt nun ausgerechnet am ersten Schultag über die Medien bereits lange vereinbarte Regeln in Frage stellt, ist hochgradig unseriös", sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Das entspreche nicht einer vertrauenerweckenden Corona-Politik. "Dieses Vorgehen verunsichert die Eltern, Schulen und Lehrerinnen und Lehrer im Land massiv. Wir fordern das Sozialministerium auf, Stellung zu beziehen und mäßigend auf das Landesgesundheitsamt einzuwirken", so die Sprecherin.

@DagmarHuf @SWRAktuellBW @RegierungBW Die Regeln zur Maskenpflicht an Schulen waren mit dem Landesgesundheitsamt abgestimmt. Dass das LGA nun ausgerechnet am ersten Schultag über die Medien bereits lange vereinbarte Regeln in Frage stellt, ist sehr bedauerlich.

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