Johannes Manhart, Facharzt für Rechtsmedizin, steht hinter einer Tür im Sektionssaal der Universitätsmedizin, an der ein Zettel mit der Aufschrift "COVID-19 Sektion!" befestigt ist. Hier werden an Covid-19 Verstorbene obduziert, um die konkrete Todesursache festzustellen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck (Archivbild))

Um Long-Covid-Betroffenen zu helfen

Baden-Württemberg fördert Obduktionen von Corona- und Impftoten

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Long Covid und Impfkomplikationen sollen besser erforscht werden. Dafür investiert das Land in die Obduktionsforschung. Außerdem soll so das Vertrauen in die Corona-Impfung wachsen.

Das Land Baden-Württemberg zahlt für die Forschung über Langzeitfolgen einer Corona-Infektion und Obduktionen von Impf- und Corona-Toten 12,7 Millionen Euro. Das teilte das Wissenschaftsministerium in Stuttgart mit. Es gehe um "Hilfe für Menschen, die unter Long Covid leiden, wirksamere Therapien und ein besseres Verständnis davon, warum Therapien nicht anschlagen oder Komplikationen bei Impfungen auftreten", so Ministerin Theresia Bauer (Grüne).

"Wir brauchen akut und dringend die Erkenntnisse der Wissenschaft inklusive neuer Technologien, um die Pandemie und ihre Auswirkungen zu bekämpfen."

Jeder vierte Covid-Kranke hat laut Ministerium Langzeitfolgen

Etwa jede vierte Patientin und jeder vierte Patient leidet nach Angaben des Ministeriums sechs bis zwölf Monate nach einer Corona-Infektion unter erheblichen Symptomen, die Gesundheit wie Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. "Nur durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu Verlauf und Ausprägung der Beschwerden werden wir den vielen Betroffenen mit neuen Therapieangeboten helfen können", so Bauer. Obduktionsbasierte Forschung helfe zudem zu klären, warum Therapien bei neu auftretenden Varianten oder auch möglichen Impfkomplikationen versagt hätten.

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BW fördert Obduktionen von Corona-Toten seit 2020

An den Unikliniken in Baden-Württemberg werden bereits seit längerem Corona-Tote obduziert, um die Erkrankung besser zu verstehen. Geleitet wird das Projekt von der Uniklinik Heidelberg. Das Land unterstützte die Covid-Obduktionsforschung der fünf Universitätspathologien im Land bereits von August 2020 bis Ende 2021 mit rund 1,8 Millionen Euro. Der Forschungsbereich werde nun erweitert, teilte das Ministerium mit. Obduktionen sollen etwa auch bei Menschen durchgeführt werden, die nach Impfkomplikationen gestorben sind. "Mehr Forschung und Transparenz tragen auch dazu bei, das Vertrauen der Menschen in die Impfung weiter zu stärken", sagte Bauer.

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Früherkennung von SARS-CoV-2 und Long Covid über Atemluft

Auch die Universität Ulm forscht zu Long Covid. Sie hat laut Wissenschaftsministerium gemeinsam mit Instituten in Ulm und Tübingen eine Schnellteststrategie zur Früherkennung von Sars-CoV-2 Infektionen über die Atemluft entwickelt. Ziel sei es, mit der "eNose-Technologie" auch Long-Covid so feststellen zu können, betonte Bauer.

Rund 70.000 Menschen in Baden-Württemberg haben Long Covid

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder haben länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion Beschwerden. Insgesamt geht die Landesregierung derzeit von 70.000 Betroffenen aus. Einheitliche Behandlungsansätze fehlen bislang laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV). Viele Betroffene kämpfen zudem darum, von ihrer Umgebung und den Ärzten ernst genommen zu werden, Rentenanträge scheitern.

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SWR