Geraubte Kinder in einem Kinderheim der Nationalsozialisten in Polen (Foto: SWR, Gabi Krings (Originalfoto von Hermann Lüdeking))

Im Zweiten Welkrieg verschleppt

Baden-Württemberg will vom NS-Staat geraubte Kinder entschädigen

STAND

Die baden-württembergische Landesregierung legt ein Entschädigungsprogramm für "Geraubte Kinder im Südwesten" auf. Betroffene sollen eine Zahlung in Höhe von 5.000 Euro erhalten.

Tausende Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten aus besetzten Gebieten verschleppt und zwangsweise "germanisiert" - unter anderem nach Baden-Württemberg. Die Landesregierung legt nun als Wiedergutmachung das Programm "Geraubte Kinder im Südwesten" auf. Das teilten Landtag und Staatsministerium am Mittwoch mit.

Menschen, die als Kind von den Nazis aus Polen und anderen besetzten Gebieten verschleppt worden sind, sollen nun aus einem Sondertopf eine Entschädigung erhalten. Zuvor hatte der Freiburger Verein "Geraubte Kinder - vergessene Opfer" eine entsprechende Petition in den Stuttgarter Landtag eingebracht.

Freiburg

77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Endlich Entschädigung für geraubte Kinder

Eine Petition des Freiburger Vereins "Geraubte Kinder - vergessene Opfer" hatte nun endlich Erfolg: Von den Nazis verschleppte Kinder aus Osteuropa sollen entschädigt werden.

Land will Schicksale anerkennen

"Das Land sieht das oft jahrelange Leid der Betroffenen und möchte diese Schicksale mit dieser Geste sichtbar machen und würdigen", sagte der Staatssekretär für politische Koordinierung und Europa im Staatsministerium, Florian Hassler, laut Pressemitteilung. Betroffene sollten möglichst unbürokratisch ein Zeichen der Anteilnahme und Wiedergutmachung erhalten, so Hassler.

Als Auszahlungssumme werde eine Einmalzahlung von 5.000 Euro pro Person vorgeschlagen, sagte der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Petitionsausschusses, Thomas Marwein (Grüne), der die Geste mit angestoßen hat. Petitionsausschuss und Landesregierung seien sich aber einig, dass das durch die Gräueltaten des NS-Regimes erlittene Unrecht nicht mit finanziellen Mitteln aufgewogen werden könne.

Wolfgang Schäuble (CDU) hatte als Bundesfinanzminister zuvor jahrelang eine Entschädigung abgelehnt. Den Kindern sei es doch gut gegangen, so das Argument, auf das sich später auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) berief. Nun soll 77 Jahre nach Kriegsende - zumindest vom Land - doch etwas Geld fließen.

Betroffene müssen Anspruch nachweisen

Um einen Anspruch auf die Entschädigung geltend zu machen, müssen Betroffene nachweisen, dass sie zum Kreis jener Kinder gehören, die "durch das NS-Regime in das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs verschleppt wurden, in eine Familie in diesem Gebiet gegeben wurden oder deren Wohnort sich in Baden-Württemberg befindet". Eine ehrenamtliche Prüfkommission soll über die Anträge entscheiden.

Betroffene Personen können sich direkt beim Staatsministerium unter der E-Mail-Adresse geraubtekinder@stm.bwl.de oder unter der Telefonnummer 0711 2153 343 melden.

Mehr zum Schicksal der geraubten Kinder

Freiburg

77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Endlich Entschädigung für geraubte Kinder

Eine Petition des Freiburger Vereins "Geraubte Kinder - vergessene Opfer" hatte nun endlich Erfolg: Von den Nazis verschleppte Kinder aus Osteuropa sollen entschädigt werden.

STAND
AUTOR/IN
SWR