Ein Kinder- und Jugendarzt impft ein junges Mädchen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von BiontechPfizer. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Impfungen in BW starten diese Woche

Corona-Impfungen bei Kindern: Was Eltern jetzt wissen sollten

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Gerade bei Kindern ist die Zahl der Corona-Ansteckungen derzeit hoch. Baden-Württemberg erwartet ab Montag die ersten Lieferungen des Impfstoffes für Fünf- bis Elfjährige.

Die ersten Corona-Impfstoffe für Kinder zwischen fünf und elf Jahren werden ab Montag bundesweit verteilt. Das niedrigerdosierte Präparat von BioNTech ist Ende November von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen worden.

Hier die wichtigsten Antworten:

Ab wann sind Impfungen möglich?
Gibt es genügend Kinder-Impfstoff?
Wo sind Kinder-Impfungen möglich?
Welchen Impfstoff bekommen Kinder?
Was sind die Erfahrungen aus dem Ausland?
Impfungen nur für Kinder mit erhöhtem Risiko?
Was gilt für bereits genesene Kinder?
Was ist mit Kindern unter fünf Jahren?
Sollte die Omikron-Variante meine Impfentscheidung beeinflussen?

Ab wann sind Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen möglich?

Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministers Manfred Lucha (Grüne) erhält das Land ab dieser Woche bis Jahresende rund 300.000 Dosen des Impfstoffs für Kinder. Eine weitere Lieferung soll im Januar folgen. Den Beginn der Impfungen erwartet das Ministerium ab Mittwoch. Es könne durchaus zwei Tage dauern, bis der Impfstoff in den Praxen angekommen sei, teilte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage mit.

Gibt es genügend Impfstoff?

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen für Kinder ist für das Gesundheitsministerium schwer abzuschätzen. Laut Statistischem Landesamt gibt es in Baden-Württemberg rund 612.000 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. "Inwieweit sich der Bedarf an Impfstoff mit dieser Zahl deckt, wird abzuwarten sein", teilte das Ministerium mit. Im Land gibt es zudem rund 1.120 Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte. Nach aktuellen Untersuchungen des Robert Koch-Instituts wollen etwa 40 Prozent aller Eltern ihre Kinder zwischen fünf und elf Jahren impfen lassen.

Wo kann ich mein Kind gegen Corona impfen lassen?

Das baden-württembergische Landesgesundheitsministerium sieht für die Impfungen zunächst vor allem die Kinderarztpraxen am Zug. Diese kennen ihre Patientinnen und Patienten am besten und wüssten, welche Kinder prioritär geimpft werden sollten, hieß es. Neben den Praxen soll es auch Impfaktionen der Stadt- und Landkreise sowie in Kliniken geben. Konzepte für spezielle Angebote für Kinder und deren Eltern gibt es den Angaben zufolge etwa im Rems-Murr-Kreis und in Tübingen. In der Impfambulanz in der Stuttgarter Schleyer-Halle werden Kinder von fünf bis elf Jahren voraussichtlich ab kommendem Mittwoch geimpft werden können.

Die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, hält auf längere Sicht Kinderimpfungen gegen das Coronavirus an Schulen und Kitas für richtig. "Um dies jetzt aber durchzuführen, hätte es früher und intensiver geplant werden müssen", sagte die Amtsärztechefin der "Rheinischen Post". Insofern sei der Weg über die Kinderarztpraxen und die separaten Impfstraßen in den Impfzentren derzeit der richtige. Mit Blick auf weitere Auffrischungsimpfungen sagte Teichert: "Wenn die Politik dann die Voraussetzungen schafft, hielte ich es für durchaus machbar und auch sinnvoll, den öffentlichen Gesundheitsdienst direkt an den Schulen und Kitas impfen zu lassen analog zu Betriebsimpfungen.

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Welchen Corona-Impfstoff bekommen Kinder?

"Comirnaty" von BioNTech/Pfizer ist der am häufigsten bisher in Deutschland verwendete Corona-Impfstoff in der Altersgruppe ab zwölf Jahren: Mehr als 100 Millionen Dosen kamen bereits zum Einsatz. Fünf- bis Elfjährige erhalten im Vergleich zu Älteren eine um zwei Drittel verringerte Dosis. Ab dem 13. Dezember sollen laut BioNTech spezielle Fläschchen mit oranger Kappe ausgeliefert werden.

Auch nur auf diesen Kinder-Impfstoff bezieht sich die Empfehlung der Ständigen Impfkommision (STIKO) - nicht auf das teils bereits von Ärzten praktizierte eigenständige Verringern der Erwachsenen-Dosis für den Einsatz bei Kindern unter zwölf Jahren. Von dem mRNA-Vakzin sollen laut STIKO zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen verimpft werden.

Wie sind die Erfahrungen mit dem Kinder-Impfstoff im Ausland?

Die meisten Covid-19-Impfungen in der Altersgruppe gab es in den vergangenen Wochen in den USA: Dort haben nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bisher rund fünf Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren mindestens eine Impfung erhalten. Auch Kanada und Israel haben Zehntausende Kinder zumindest erstgeimpft. Über ernsthafte Nebenwirkungen ist bisher nichts bekannt geworden. Die Daten aus den USA sind STIKO-Chef Thomas Mertens zufolge noch nicht sicher. Den meisten Kindern fehle noch die zweite Impfung.

"In den USA gibt es wie bei uns ein Spontanmeldeverfahren von Nebenwirkungen und man muss von einem längeren Meldeverzug ausgehen. Wir haben von Kollegen aus den USA mündlich berichtet bekommen, dass es dort sehr wenige, gut verlaufene Fälle von Herzmuskelentzündungen nach Impfungen auch bei Fünf- bis Elfjährige gegeben hat." Aber über die Häufigkeit und Bedeutung könne man im Moment nichts sagen.

Von der Impfung der Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren und der jungen Erwachsenen ist bereits bekannt, dass es im Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen in seltenen Fällen zu Herzmuskelentzündungen kommen kann.

Corona-Impfungen nur für Kinder mit erhöhtem Risiko?

Die STIKO hatte Anfang Dezember eine eingeschränkte Empfehlung für die Impfung von vorerkrankten Kindern von fünf bis elf Jahren ausgesprochen. Hierbei handelt es sich noch nicht um eine finale Entscheidung, es läuft wie üblich nun noch ein Abstimmungsverfahren mit Fachgesellschaften und Ländern. Demnach sollen vor allem Kinder geimpft werden, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben.

Im Beschlussentwurf werden rund ein Dutzend Vorerkrankungen genannt, bei denen die Impfung empfohlen wird. Darunter zum Beispiel starkes Übergewicht, bestimmte chronische Lungenerkrankungen und schweres Asthma bronchiale, Tumorerkrankungen und das Down-Syndrom.

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Außerdem können Eltern nach individueller Aufklärung auch ihre gesunden Kinder auf Wunsch impfen lassen. Bei Kindern ohne Vorerkrankung gebe es diesbezüglich nur ein geringes Risiko, während die Gefahr seltener Nebenwirkungen der Impfung aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden könne, hieß es zur Begründung von der STIKO. "Es gibt zwar keinen direkten Hinweis auf ein Risiko der Impfung in dieser Altersgruppe, aber es gibt eben auch keine ausreichend sichere Datenbasis, um die Sicherheit abschließend zu bewerten."

Bei Kindern gilt die Sicherheit der Impfung als besonders wichtig, da sie im Unterschied zu Erwachsenen viel weniger schwer erkranken. Die Nutzen-Risiko-Abwägung ist also eine andere als bei Erwachsenen.

Was gilt für Kinder, die bereits Corona hatten?

Von Covid-19 genesene Kinder mit einer der von der STIKO genannten Vorerkrankungen sollen gemäß Beschlussentwurf eine Impfstoffdosis etwa sechs Monate nach ihrer Infektion erhalten. Liegen bei Kindern keine Vorerkrankungen vor, sei vorerst nach Genesung von Covid-19 keine Impfung angezeigt, hieß es.

Was ist mit Kindern unter fünf Jahren?

Noch gibt es für sie keinen zugelassenen Impfstoff. Zu den Altersgruppen zwei bis unter fünf Jahren und sechs Monate bis unter zwei Jahren erwarten die Unternehmen BioNTech/Pfizer nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr oder Anfang des ersten Quartals 2022 erste Ergebnisse der laufenden klinischen Studien. In den USA werden Impfungen für Kinder unter fünf Jahren für 2022 erwartet.

Sollte die Omikron-Variante meine Impfentscheidung beeinflussen?

Angesichts der sich zunehmend ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus warnten Intensivmediziner zugleich vor deutlich mehr Covid-19-Erkrankungen bei Kindern. "Die Zahl der infizierten Personen und damit auch der Kinder wird dramatisch ansteigen", sagte der Generalsekretär und Kinder-Intensivmediziner Florian Hoffmann von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) am Wochenende den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Derzeit lasse sich zwar noch nicht sagen, ob Omikron häufiger zu schwereren Krankheitsverläufen führe als frühere Varianten, erklärte Hoffmann. Doch selbst bei milderen Verläufen könne allein die hohe Anzahl an Infizierten dazu führen, dass in absoluten Zahlen mehr Kinder ins Krankenhaus müssten als jetzt.

"Für die Impfempfehlung für Kinder spielt die Variante im Moment keine Rolle, es gibt ja im Augenblick keinen alternativen Impfstoff. Letztendlich sollte Omikron für Eltern kein Kriterium in der Impfentscheidung sein, da noch zu viele Ungewissheiten damit verbunden sind", so STIKO-Chef Mertens. Auch erste Meldungen aus Südafrika über schwere Verläufe bei Kindern seien noch nicht so belastbar. Es brauche mehr Zeit und gut angelegte Studien für die Bewertung.

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