Mehrere Autos rasen auf einer Autobahn. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

BW-Minister Hermann befürwortet Verschärfungen

Neuer Bußgeldkatalog: Viele Temposünder zahlen künftig das Doppelte

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Der neue Bußgeldkatalog im Straßenverkehr gilt ab Dienstag. Für Raser und Falschparker wird es künftig deutlich teurer. Oft müssen sie doppelt so viel zahlen wie bisher.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Bußgeldkatalogs im Straßenverkehr am Dienstag wird es vor allem für Raser und Raserinnen und Falschparkende bundesweit künftig deutlich teurer wie zuvor. Auch diejenigen, die keine Rettungsgasse bilden, werden nun zur Kasse gebeten.

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Wer zu schnell unterwegs ist, zahlt doppelt

Autofahrer und -fahrerinnen, die zu schnell unterwegs sind, müssen zum Teil doppelt so viel zahlen wie bisher. Wer innerorts 16 bis 20 Kilometer pro Stunde zu viel fährt und geblitzt wird, muss künftig mit 70 statt 35 Euro Bußgeld rechnen. Auch außerorts verdoppelt sich der Betrag von 30 auf 60 Euro. Punkte in Flensburg kostet es nach wie vor erst ab 21 Kilometern pro Stunde.

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Teuer wird es vor allem für Raser und Raserinnen: Wer innerorts 31 bis 40 Stundenkilometer zu viel fährt, zahlt hundert Euro drauf: 260 Euro statt wie bisher 160 Euro. Noch tiefer in den Geldbeutel müssen diejenigen greifen, die innerorts 41 bis 50 Stundenkilometer zu viel fahren. Sie zahlen künftig 400 statt 200 Euro.

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Bußgelder für Temposünder (innerorts), Quelle: ADAC
TempoüberschreitungNeuer BußgeldkatalogAlter Bußgeldkatalog
bis zu 10 km/h30 Euro15 Euro
11 bis 15 km/h50 Euro25 Euro
16 bis 20 km/h70 Euro30 Euro
21 bis 25 km/h115 Euro80 Euro
26 bis 30 km/h180 Euro100 Euro
31 bis 40 km/h260 Euro160 Euro
41 bis 50 km/h400 Euro200 Euro
51 bis 60 km/h560 Euro280 Euro
61 bis 70 km/h700 Euro480 Euro
über 70 km/h800 Euro680 Euro

Bußgelder für Parkverstöße steigen ebenfalls

Auch für Fahrer und Fahrerinnen, die falsch parken, wird es in Zukunft teurer. Wer sein Auto auf einem Halte- oder Parkverbot abstellt, zahlt mindestens 25 statt 15 Euro. Je nach Situation, wie lange man dort parkt, ob man andere Verkehrsteilnehmer behindert oder etwa in zweiter Reihe parkt, kann das Bußgeld sogar auf bis zu 110 Euro ansteigen.

Mehr müssen auch diejenigen zahlen, die ihr Fahrzeug unberechtigt auf einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung abstellen - sie zahlen 55 statt 35 Euro. Wer seinen Wagen vor Feuerwehrzufahrten abstellt oder Rettungsfahrzeuge behindert, muss mit bis zu 100 Euro Bußgeld rechnen.

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Das kosten Parkverstöße, Quelle: ADAC
VergehenBußgeldPunkte
Parkverbot missachtet25 Euro/
... mit Behinderung Dritter40 Euro/
... länger als eine Stunde40 Euro/
... länger als eine Stunde und Behinderung50 Euro/
Parken in zweiter Reihe55 Euro/
... länger als 15 Minuten85 Euro1
... mit Behinderung Dritter80 Euro1
... mit Behinderung und länger als 15 Minuten90 Euro1
... mit Gefährdung90 Euro1
... mit Sachbeschädigung110 Euro1
Parken auf Geh- oder Radweg55 Euro/
... länger als eine Stunde70 Euro1
... mit Behinderung Dritter70 Euro1
... länger als eine Stunde und mit Behinderung80 Euro1
... mit Gefährdung80 Euro1
... mit Sachbeschädigung100 Euro1
Höchstparkdauer überschritten
... bis 30 Minuten20 Euro/
... bis eine Stunde25 Euro/
... bis zwei Stunden30 Euro/
... bis drei Stunden35 Euro/
... länger als drei Stunden40 Euro/

Bußgeld für Unberechtigtes Parken auf E-Auto-Platz

Deutlich mehr müssen auch diejeningen zahlen, die unberechtigt auf Geh- oder Radwegen parken. Früher kostete dies 20 Euro, mit dem neuen Katalog steigt das Bußgeld auf 55 Euro. Je nachdem, ob eine Behinderung oder Gefährdung vorliegt, kann der Betrag sich auf 70 beziehungsweise 80 Euro erhöhen.

Ganz neu ist das Bußgeld für unberechtigtes Parken auf einem Parkplatz für elektrisch betriebene Fahrzeuge und Carsharing-Fahrzeuge, was ein Verwarnungsgeld von 55 Euro zur Folge hat.

Wer keine Rettungsgasse bildet, zahlt bis zu 320 Euro

Zudem gibt es nun Bußgelder für die Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen, die keine Rettungsgasse bilden oder unerlaubt durchfahren. In diesem Fall drohen nicht nur Bußgelder zwischen 200 und 320 Euro, sondern auch immer ein Monat Fahrverbot sowie zwei Punkte. Das Fahrverbot wird immer verhängt - unabhängig von einer konkreten Gefahr oder Behinderung. 

Mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger

Mit dem neuen Bußgeldkatalog will das Bundesverkehrsministerium die Verkehrssicherheit erhöhen. Vor allem Radfahrende und Passanten und Passantinnen sollen besser geschützt werden. Vorausgegangen waren lange Verhandlungen zwischen Bund und Ländern. Eigentlich waren auch härtere Fahrverbotsregeln bei zu schnellem Fahren geplant - die nun aber nicht kommen. Stattdessen einigten sich Bund und Länder darauf, Bußgelder zu erhöhen. Regelungen zu Punkten in Flensburg bei zu schnellem Fahren bleiben unverändert.

ADAC in BW: Bußgeldkatalog ist ein guter Kompromiss

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte nach dem Beschluss im Bundesrat Anfang Oktober gesagt, dass diejenigen, die sich nicht an die Regeln hielten, dies in ihrem Geldbeutel spüren müssten. Hermann sprach sich zudem für eine grundlegende Reform der Straßenverkehrsordnung aus. Verkehrssicherheit und Umweltfragen müssten ins Zentrum, bisher sei dies ein möglichst fließender Autoverkehr.

Auch der ADAC in Baden-Württemberg befürwortete den neuen Bußgeldkatalog. Der Vorstandsvorsitzende des Landes-ADAC, Dieter Rosskopf aus Heilbronn, hatte den Katalog als guten Kompromiss bezeichnet.

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