Wolfgang Schäuble, Cem Özdemir und Saskia Esken zur Bundestagswahl 2021. (Foto: IMAGO, SWR, Jürgen Heinrich)

Nach der Bundestagswahl in Baden-Württemberg

Wer aus BW in den Bundestag einzieht und wer seinen Posten verlieren könnte

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Wie fallen die Ergebnisse der Bundestagswahl für die bekannten Gesichter aus Baden-Württemberg aus, etwa Saskia Esken oder Wolfgang Schäuble? Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse.

Bei der Bundestagswahl hat die CDU auch in Baden-Württemberg deutlich verloren. Die Partei fällt auf ein Rekordtief von 24,8 Prozent der Stimmen im Land. Das entspricht einem Minus von 9,6 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Bundestagswahl im Jahr 2017. Der Verlust zeigt sich auch bei den Direktmandaten in Baden-Württemberg. 2017 hatte die CDU noch alle 38 Direktmandate im Land gewonnen. Bei dieser Wahl sind es noch 33. Vier Direktmandate verlor die BW-CDU an die Grünen, eines an die SPD.

Ergebnisse der Wahlkreise in Baden-Württemberg nach der Erststimme bei der Bundestagswahl 2021. (Foto: SWR, infratest dimap)
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Ein Direktkandidat überzeugte besonders

Strahlender Sieger bei den Grünen in Baden-Württemberg ist Cem Özdemir mit fulminanten 40 Prozent im Wahlkreis Stuttgart I. Kein Direktkandidat im Land hat bei der Bundestagswahl so viele Erststimmen geholt wie der Ex-Parteichef. Auf Platz zwei folgt Roderich Kiesewetter, der als CDU-Direktkandidat im Wahlkreis Aalen-Heidenheim 37 Prozent der Stimmen bekam.

Cem Özdemir gibt Antje Kapec die Faust als am Abend der Bundestagswahl 2021 die erste Prognose für die Grünen verkündet wird. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
Özdemir gilt als Wahl-Sieger bei den Grünen in Baden-Württemberg picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Erstmals Direktmandate für Grüne in Karlsruhe und Freiburg

Wie Özdemir jagte Franziska Brantner der CDU ein Direktmandat ab. Die Spitzenkandidatin der BW-Grünen gewinnt in Heidelberg. Auch in Freiburg und Karlsruhe liegen zwei junge grüne Frauen vorne. Ein historisches Ereignis in Karlsruhe: Ganze 13 Mal ist der Wahlkreis Karlsruhe (Stadt) in der Geschichte der Bundesrepublik an die CDU gegangen, sechs Mal an die SPD und noch nie an die Grünen. Auch im Wahlkreis Freiburg holte Chantal Kopf erstmals bei einer Bundestagswahl das Direktmandat für die Grünen. Nach dem vorläufigen Ergebnis bekam sie 28,8 Prozent der Stimmen. Überraschend dicht auf den Fersen war ihr die SPD-Kandidatin Julia Söhne: Sie kam auf 26,3 Prozent. Das einzige SPD-Direktmandat im Land errang Isabel Cademartori in Mannheim.

Kann Schäuble Bundestagspräsident bleiben?

Der CDU-Altvordere Wolfgang Schäuble muss um seinen Posten als Bundestagspräsident bangen. Denn üblicherweise stellt die stärkste Fraktion im Bundestag den Präsidenten: Das ist nun die SPD. Wahrscheinlich ist, dass Schäuble Vize-Präsident des Bundestages werden wird. Auch in seinem Wahlkreis muss er Federn lassen. Nach 48,1 Prozent vor vier Jahren gewinnt Schäuble seinen Heimatkreis Offenburg nur noch mit 34,9 Prozent. Der promovierte Jurist ist seit fast 50 Jahren im Bundestag. 

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble kandidiert für den ersten Listenplatz der CDU Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa /Kay Nietfeld)
Wolfgang Schäuble ist seit 2017 Bundestagspräsident. picture alliance/dpa /Kay Nietfeld

CDU setzt sich mit Verlusten durch

Trotz landesweit schwerer Verluste setzte sich die CDU wie seit Jahren in den Wahlkreisen in Heilbronn-Franken durch. Und auch in der Region Bodensee-Oberschwaben gewann die CDU in allen Wahlkreisen die Direktmandate - im Vergleich zur letzten Bundestagswahl jedoch mit erheblichen Verlusten. Andreas Jung, CDU-Landesgruppenchef und Klimaexperte in Laschets Team, gewann zwar, büßte aber zehn Punkte in Konstanz ein. Auf der CDU-Wahlparty in Konstanz zeigte er sich nach ersten Prognosen enttäuscht von dem Ergebnis für seine Partei.

Kein Direktmandat für Alice Weidel

Auch im Wahlkreis Bodensee ging das Direktmandat an die CDU, und zwar mit 30,4 Prozent an Volker Mayer-Lay. Die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, unterlag ihm deutlich - mit 9,2 Prozent der Erststimmen landet sie nach SPD, Grüne und FDP auf Platz 5. Als Erstplatzierte der AfD-Landesliste kann Weidel allerdings erneut in den Bundestag einziehen.

Esken zieht über Landesliste in den Bundestag ein

SPD-Bundeschefin Saskia Esken könnte bei einer Regierungsübernahme in ein Kabinett von Olaf Scholz eintreten. In ihrem Wahlkreis Calw-Freudenstadt unterlag sie aber mit 17,2 Prozent dem CDU-Kandidaten Klaus Mack (33,8 Prozent) deutlich. Die Parteilinke zieht über die Landesliste in den Bundestag ein.

Bundestagswahl 2021 Wer über die Landeslisten für BW in den Bundestag einzieht

Bei der Wahl am 26. September 2021 wurden Kandidierende aus Baden-Württemberg in den Bundestag gewählt. Eine Übersicht der Direktmandate und Landeslisten der Parteien.

Annette Widmann-Mauz gewinnt in Tübingen

Annette Widmann-Mauz (CDU), derzeitig Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, hat sich in ihrem Wahlkreis in Tübingen mit 27 Prozent der Erststimmen gegen Chris Kühn (Grüne) mit 25,7 Prozent durchgesetzt. Damit gewann Widmann-Mauz erneut gegen den Grünen-Politiker, diesmal jedoch mit deutlich weniger Abstand als noch 2017. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte sich die CDU-Politikerin noch mit 35,7 Prozent gegen Kühn (19,1 Prozent) durchgesetzt.

Ich freue mich riesig, dass ich meinen Wahlkreis Tübingen-Hechingen zum 6. Mal in Filge direkt im Dt. Bundestag vertreten darf! Vielen Dank an alle Wählerinnen und Wähler und mein fantastisches Team für die große Unterstützung!😊 @CDU @frauenunion #wegenmorgen

Johannes Kretschmann verliert gegen Bareiß

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß holte sich im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen erneut das Direktmandat - nach dem vorläufigen Endergebnis mit 30,1 Prozent der Stimmen. Bei vorherigen Wahlen erzielte der Wirtschafts-Staatssekretär deutlich höhere Wahlergebnisse.

CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß im Bundestag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)
Thomas Bareiß ist seit 2005 Bundestagsabgeordneter. picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Einer von Bareiß' Konkurrenten war der Grünen-Kandidat Johannes Kretschmann. Er landete nach Robin Mesarosch von der SPD (18,3 Prozent) mit 16,9 Prozent der Stimmen auf Platz 3. Er habe sich mehr erhofft und sei sehr enttäuscht über das Ergebnis, so der Sohn von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im SWR.

Johannes Kretschmann (Grüne) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle)
Johannes Kretschmann, Grüne picture alliance/dpa | Felix Kästle

Einziger diverser Direktkandidat bundesweit

Der nach eigenen Angaben wohl bundesweit einzige diverse Direktkandidat bei der Bundestagswahl, Heinrich Alexandra Hermann (Linke), errang in seinem Wahlkreis Schwarzwald-Baar nur 2,3 Prozent der Erststimmen. Hermann hatte vor der Wahl angekündigt, gegen Diskriminierung kämpfen zu wollen. Das Direktmandat im Wahlkreis holte Thorsten Frei für die CDU mit 36,5 Prozent.

Das vorläufige Ergebnis der Zweitstimmen in BW

Das vorläufige Ergebnis vom frühen Montagmorgen zeigt die CDU Baden-Württemberg in einem Rekordtief von 24,8 Prozent - in Wählerstimmen betrachtet bedeutet das einen Verlust von 580.000 Stimmen. Die SPD in Baden-Württemberg wird im Sog von Olaf Scholz nach oben gezogen und landet bei 21,6 Prozent. Sie schafft mit 5,2 Punkten den größten Zugewinn. Fast 300.000 Stimmen mehr als 2017 greifen die Sozialdemokraten ab. Die Grünen könnten eigentlich glücklich sein mit ihren 17,2 Prozent. Das sind 3,7 Punkte mehr als vor vier Jahren und das beste Resultat überhaupt. Die Grünen holen 210.000 Stimmen mehr als vor vier Jahren. Aber Platz drei war nicht das Ziel, sondern Rang eins. Die FDP kämpft sich in ihrem Stammland auf 15,3 Prozent hoch, nach 12,7 Prozent vor vier Jahren. Die AfD ist künftig nur noch fünftstärkste Kraft im Bundestag, da ändert auch das Ergebnis in Baden-Württemberg nichts. Die AfD im Land büßt 2,6 Punkte ein und landet bei 9,6 Prozent - das ist noch schwächer als im Bund. Die Linke rutscht erheblich ab und liegt nur noch bei 3,3 Prozent.

Partei "Die Basis" mit nur 1,9 Prozent

Die neue Partei "Die Basis" wollte die Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen zu sich ziehen, was aber selbst in Baden-Württemberg - dem Ausgangspunkt der "Querdenker" - nur begrenzt gelang. Die Partei kommt im Land auf 1,9 Prozent, das sind knapp 115.000 Stimmen. Die Freien Wähler mit ihrem Bundesvorsitzenden Hubert Aiwanger schaffen in Baden-Württemberg nur 1,7 Prozent. Aiwanger, der in Bayern mit der CSU regiert, hatte sich zuletzt auch als Impfgegner profiliert.

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