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Der Bundestag will am Abend das Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht verbieten. Der Zapf-Hof in Gengenbach (Ortenaukreis) verzichtet schon seit vielen Jahren darauf.

Geschäftsführer Martin Zapf engagiert sich seit vielen Jahren gegen das Töten männlicher Küken. Er ist im Vorstand der Eier-Höfe und Mitbegründer der Huhn-Hahn-Initiative. Auf dem Zapf-Hof leben mehrere zehntausend Legehennen. Die männlichen Küken werden nicht getötet, sondern als Hähnchen aufgezogen und vermarktet. "SWR Aktuell"-Moderator Arne Wiechern hat mit Martin Zapf gesprochen.

"SWR Aktuell": Wie groß ist das Interesse an diesem Modell bei den Geflügelhaltern im Land?

Martin Zapf: Das Interesse in Baden-Württemberg ist sehr groß. Wir haben in unserem Verein 50 Betriebe vereint und uns des Themas "Küken-Töten" schon vor fünf Jahren angenommen. Das heißt, bei uns wird kein Küken oder kein Hahn in Verbindung mit der Legehenne getötet.

Ihre Hühner legen weniger Eier. Für viele Halter stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Wie kann das trotzdem funktionieren?

Funktionieren kann der Kompromiss nur, indem das Ei etwas teurer wird. Die Legehenne subventioniert im Prinzip den Hahn und macht die Aufzucht der Hähne möglich. Hintergrund ist, dass die Hähne länger leben als ein Masthähnchen und weniger Fleisch ansetzen. Dadurch brauchen sie mehr Raum, mehr Betreuung und verbrauchen auch etwas mehr Futter.

Die Hähne werden von Lebensmittelherstellern für Babynahrung gekauft. Warum werden sie nicht im Supermarkt angeboten?

Die Hähne sehen nicht so aus, wie wir es gewohnt sind. Sie haben weniger Brustfleisch, eignen sich aber sehr gut zum Braten oder Kochen. Aber wenn ich im Supermarkt vor einem Regal stehe, werde ich nicht zu so einem Hähnchen greifen. Daneben liegt das Masthähnchen, das im Regal einfach ansprechender aussieht als ein schlanker Hahn, der nachhaltiger aufgezogen wurde und wertvolleres Fleisch hat. Die Optik entscheidet letztendlich.

Ich will auf die Eier zurückkommen. Wie groß ist die Bereitschaft der Verbraucher, höhere Preise zu bezahlen?

In Baden-Württemberg ist die Bereitschaft sehr groß. Wir haben bei den Verbrauchern offene Türen eingerannt. 95 Prozent können es nicht nachvollziehen, warum man mit einem Lebewesen so umgeht. Nur ist eine Entscheidung im Supermarkt oft schwierig, wenn es nicht transparent genug auf der Packung steht.

Unsere Initiative mit dem roten Huhn- und Hahn-Logo und dem roten Streifen wird vom Verbraucher wahrgenommen und auch honoriert. Wir haben durch den Preisaufschlag keine Umsatzeinbußen verzeichnen müssen und sind darüber sehr froh. Wir denken, dass es der richtige Weg ist, weil wir einfach mit der Natur und in der Natur arbeiten möchten.

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