Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Eröffnung des 102. Deutschen Katholikentags in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Rede zur Eröffnung

Katholikentag in Stuttgart: Bundespräsident Steinmeier unterstützt Reform der Kirche

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Zum Auftakt des Katholikentags haben die Reformkräfte in der Kirche prominente Unterstützung bekommen - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der sprach auch den Krieg in der Ukraine an.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich beim Katholikentag in Stuttgart für Kirchenreformen ausgesprochen. Sexueller Missbrauch, Vertuschung und schleppende Aufklärung hätten viel Vertrauen beschädigt und zerstört, sagte Steinmeier am Mittwochabend zum Auftakt des Kirchenfestes. "Umso mehr möchte ich jene ermutigen, die sich tatkräftig für die Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland einsetzen. Ich darf Ihnen sagen, dass nicht nur ich, sondern viele Menschen mit Neugier, mit Erwartung auf die Arbeit des Synodalen Wegs schauen."

Der Synodale Weg ist ein seit 2019 laufender Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland. Dabei geht es um vier Themenbereiche: die katholische Sexualmoral, den Umgang mit Macht, die Stellung der Frau und die priesterliche Pflicht zur Ehelosigkeit (Zölibat). Steinmeier sagte, von den Ergebnissen des Synodalen Wegs werde wesentlich mit abhängen, welche Rolle die Kirche künftig in der Gesellschaft spielen werde.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) und Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nehmen an der Eröffnung des 102. Deutschen Katholikentags teil. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, bei der Eröffnung des 102. Deutschen Katholikentags picture alliance/dpa | Marijan Murat

Steinmeier fordert russischen Rückzug aus Ukraine

Bundespräsident Steinmeier thematisierte auch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und forderte den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum sofortigen Rückzug aus der Ukraine auf. Putin müsse die Souveränität der Ukraine respektieren.

"Herr Putin, beenden Sie das Leid und die Zerstörung in der Ukraine! Ziehen Sie Ihre Truppen zurück!

Steinmeier sagte, Putin solle das direkte und ernsthafte Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht verweigern.

Steinmeier warnt vor Hunger als Folge des Kriegs

Putins Angriffskrieg treffe nicht allein die Menschen in der Ukraine, so der Bundespräsident. Weil Millionen Tonnen von Getreide in den ukrainischen Seehäfen blockiert würden, seien die weltweiten Getreidepreise dramatisch gestiegen. "Viele Gegenden der Welt sind in den kommenden Monaten von Hunger und Tod bedroht, vor allem im Osten und Süden Afrikas", warnte Steinmeier. "Denn die Folgen von Putins Krieg treffen auf Staaten, die sich noch immer nicht von Corona erholt haben, und sie treffen auf Regionen, in denen wegen der Klimakrise die Böden austrocknen und unfruchtbar werden."

Bundespräsident verteidigt Rolle der Kirche während Corona-Pandemie

Der Bundespräsident verteidigte außerdem die Kirche gegen den Vorwurf, in der Corona-Pandemie zu zurückhaltend aufgetreten zu sein. Diese Kritik sei meist von denen gekommen, die mit der Kirche sowieso nicht viel am Hut hätten und die nicht sehen können oder wollen, wie viel Gutes und Tröstendes im Stillen tatsächlich geschehen sei, so Steinmeier.

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