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Wohnraum wird auch in Baden-Württemberg besonders in Ballungsgebieten immer teurer. Vor fast zweieinhalb Jahren hatte die Bundesregierung eine "Wohnraumoffensive" gestartet, am Dienstag ist die erste Bilanz gezogen worden. Andere finden kreative Lösungen.

Der erste Gedanke, wie man mehr Wohnungen schaffen kann, ist, meist neue zu bauen. Dabei könnte es Alternativen geben. Nicht erst seit Ausbruch des Coronavirus stehen in den Städten einige Bürogebäude leer. Die Eigentümer sind längst weiter gezogen und lassen das Gebäude verkommen. In offiziellen Statistiken erscheinen diese Immobilien nicht.

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Erst in diesen Tagen haben Experten errechnet, dass hier ein Potenzial von 235.000 Wohnungen schlummert - in vorhandenem Bestand. Vier Stuttgarter Architektinnen und Architekten haben dieses erkannt und den Verein Adapter gegründet. "In der Stadt hat man eine wahnsinnige Raumressource, die wir nutzen können," sagt Richard Königsdörfer vom Verein. Das Ziel könne nicht sein, immer neu zu bauen.

Der Verein will Eigentümer, mögliche Mieter und die Stadt zusammenbringen, damit aus leer stehenden Büros Wohnungen werden. Für den Immobilienfachmann Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft ist das kein einfacher Weg. Bei Büros passe der Zuschnitt oft nicht. "Oftmals fehlen Wasserleitungen, und das gestaltet sich dann beim Umbau oftmals sehr teuer," so Voigtländer. Für diese Problematik hat die Architektengruppe Bausätze entwickelt: Wandelemente mit viel Holz und doppeltem Boden für Wasserleitungen, die sich schnell aufstellen lassen.

Zwischenbilanz der "Wohnraumoffensive"

In Berlin ist man geteilter Meinung, was die Zwischenbilanz rund um die "Wohnraumoffensive" angeht: Der verantwortliche Bauminister Horst Seehofer (CSU) ist zufrieden. Der CSU-Politiker spricht vom größten Wohnungsbauprogramm seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Ziel der Bundesregierung, in dieser Legislaturperiode 1,5 Millionen Wohnungen zu bauen, könne noch erreicht werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es müssten aber noch mehr Wohnungen gebaut werden.

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Opposition und Verbände sehen das anders. Die FDP nennt Seehofer einen Teilzeit-Bauminister. Er habe alle Ziele verfehlt. Nötig seien schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie etwa beim Ausbau von Dachgeschossen. Grüne und Linke kritisieren, es würden mehr geförderte Wohnungen aus der Sozialbindung fallen als neue gebaut werden, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. 

Wohnsituation in Stuttgart ist angespannt

Der Vorstand des Mietervereins Stuttgart, Rolf Gaßmann, kritisiert in Sachen angespannster Wohnungsmarkt auch die Kommunen. In Stuttgart seien unter einem grünen Bürgermeister nur 200 Sozialwohnungen pro Jahr gebaut worden. "Das ist viel zu wenig," so Gaßmann. Unter anderem fordert er, "in die Höhe zu gehen" sowie dichter zu bauen. Die Stadt müsse sich darum kümmern, dass geförderter Wohnraum entstehe. Die Situation in der Landeshauptstadt habe sich nicht entspannt, sie "hat sich verschärft".

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"Flaschenhals" zu wenig Bauland

Für Ottmar Wernicke, den Geschäftsführer von Haus und Grund Württemberg, ist eines der Hauptprobleme für den Mangel an Wohnraum der Mangel an Bauland. Das sei ein "Flaschenhals", sagte er im Interview mit dem SWR. Es sei nicht nur Innen- und Nachverdichtung in den Städten nötig, "wir müssen auch Außenentwicklung haben, das heißt Bauen auf der grünen Wiese." Die Bürokratie sieht Wernicke nicht als große Hürde, es gebe in Baden-Württemberg die entsprechenden Flächennutzungspläne: "Das Problem ist, in dem Moment, wo ein Gemeinderat, ein Oberbürgermeister damit rausgeht, wird er zwei Bürgerinitiativen gegen sich haben.

Berlin

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