ausgebrannter Bus in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Großbrand im Busdepot in Stuttgart

Wenn E-Fahrzeuge in Flammen stehen

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Mehrere Busse mit Hybrid- und Elektroantrieb sind in einem Stuttgarter Busdepot in Flammen aufgegangen. Brände von E-Fahrzeugen sind für Feuerwehren eine besondere Herausforderung.

Die Ursache für den Großbrand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), bei dem mindestens 20 Busse vollständig zerstört wurden, ist weiter unklar. In dem Busdepot waren mehrere Hybridbusse untergebracht und mindestens ein Elektrobus. Die Feuerwehr ist auch am Morgen danach im Einsatz. Mehrere Einsatzfahrzeuge waren unterwegs, um einen ausgebrannten E-Bus zu überwachen, der sich jederzeit wieder entzünden könnte.

Grundsätzlich sagen Feuerwehren allerdings, dass von E-Fahrzeugen kein höheres Brandrisiko ausgeht als von "Verbrennern". Die Selbstentzündung eines Fahrzeuges ohne externe Einwirkung sei extrem selten. Experimente der Feuerwehren haben daneben gezeigt, dass die Intensität des Brandes nicht von der Antriebsart abhängt, sondern von der Art der verbauten Kunststoffe.

Ist ein E-Auto allerdings mal in Brand geraten, stellt das die Feuerwehren regelmäßig vor große Herausforderungen. Denn eine Lithium-Ionen-Batterie brennt anders als ein Verbrennungsmotor.

DOMINO-EFFEKT

Die Batterien von E-Autos sind aus verschiedenen Zellen zusammengesetzt. Wenn eine davon in Brand gerät, können die Flammen schnell auf die anderen Zellen übergreifen. Einen solchen Domino-Effekt nennt man "Thermal Runaway". Er macht E-Auto-Brände so gefährlich, sagt Brandschutz-Experte Matthias Bohnert. Deshalb werde bei E-Auto-Bränden dreimal so viel Wasser gebraucht wie bei einem herkömmlichen Fahrzeugbrand.

"Der wesentliche Unterschied ist, dass man bei einem Pkw mit Verbrennungsmotor eine moderate Flammen-Ausbreitung hat. Das heißt, es dauert fünf bis zehn Minuten, bis es dort zu einem Vollbrand kommen kann. Bei einem E-Fahrzeug, gerade wenn es zu einem thermischen Durchgehen kommt, hat man eine explosionsartige Ausbreitung des Brandes. Und das kann innerhalb weniger Sekunden passieren."

Ausgebrannte Busse stehen nach den Löscharbeiten in einem Depot für Busse im Löschschaum. Am späten Donnerstag Abend kam zu einem Brand im Busdepot der Stuttgarter Verkehrsbetriebe. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
E-Busse laufen Gefahr, sich nach dem Löschen wieder zu entzünden. Picture Alliance

NEUENTFACHUNG

Auch wenn der Brand erstmal gelöscht scheint: Elektrofahrzeuge, deren Batterie gebrannt hat, laufen Gefahr, sich erneut zu entzünden. Sie müssen daher überwacht werden oder an einen Ort gebracht werden, an dem bei einem erneuten Aufflammen des Autos keine Gefahr für die Umwelt ausgeht.

Bisweilen werden die Fahrzeuge dann auch in sogenannte Löschcontainer gesteckt. Diese sind mit Wasser gefüllt, was die Kontrolle nachgelagerter Brände erleichtert. Elektrobusse sind für die Container allerdings zu groß. Und auch bei Autos ist deren Einsatz nicht immer möglich. Das liegt daran, dass bislang nur ein Teil der Feuerwehren mit Löschcontainern ausgestattet ist.

PROBLEMZONE TIEFGARAGE

Mit dem Anstieg an Elektro- und Hybridfahrzeugen auf den Straßen wachsen auch die Anforderungen an den Brandschutz in Tiefgaragen und Parkhäusern, sagen Experten. Welche Folgen ein Tiefgaragen-Brand haben kann, zeigte sich Anfang des Jahres in Göppingen: Mitten in der Nacht geriet ein Auto mit Verbrennungsmotor in Brand. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr waren die Flammen bereits auf weitere Fahrzeuge übergesprungen. Die Tiefgarage liegt direkt unter einem Wohnkomplex. Wäre ein E-Auto in Brand geraten, wäre die Gefahr für die Bewohnerinnen und Bewohner womöglich noch größer gewesen.

Der Eingang der Marienplatzgarage in Ravensburg (Foto: SWR, Dirk Polzin)
E-Fahrzeuge stellen neue Anforderungen an den Brandschutz von Tiefgaragen. Dirk Polzin

Hinzu kommt: Die Tiefgarage wäre mit einem Löschcontainer nicht anfahrbar gewesen. Und das ist nicht nur in Göppingen der Fall. In der städtischen Tiefgarage im fränkischen Kulmbach durften nach dem Brand eines Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor Hybrid- oder Elektro-Fahrzeuge zwischenzeitlich nicht mehr parken.

Auch im baden-württembergischen Leonberg sperrten die Verantwortlichen die Altstadt-Tiefgarage auf der untersten Ebene für Fahrzeuge dieser Art. Eine routinemäßige Brandschutzbegehung hatte erhebliche Mängel zutage gebracht. Auch Brandschutzexperte Matthias Bohnert sieht bei vielen Parkhaus- und Tiefgaragenbetreibern Handlungsbedarf. Verbesserungen entstehen beispielsweise durch zusätzliche Sprinkleranlagen: In Leonberg wurde die Sprinkleranlage direkt komplett erneuert. Nun sind alle Stellplätze der Altstadt-Tiefgarage wieder frei nutzbar. Auch für E-Fahrzeuge.

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