Ältere Menschen haben nach der Impfung oft eine schwächere Immunantwort. Das bedeutet in der Regel auch, dass bei Ihnen früher als bei anderen Personengruppen eine Auffrischungsimpfung sinnvoll sein könnte.  (Foto: IMAGO, imago images/7aktuell)

Weg aus der Pandemie

Bekommen die Richtigen die Booster-Impfung in Baden-Württemberg?

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Christina Erdkönig und Johannes Schmid-Johannsen

Bei der Eindämmung der Pandemie gilt die Booster-Impfung als zentrales Mittel. Eine entscheidende Rolle spielt die Auffrischungsimpfung bei älteren Bevölkerungsgruppen.

87 Jahre und geboostert: Margarete Wagner aus Magstadt (Kreis Böblingen) hat Mitte November ihre Auffrischungsimpfung mit dem Impfstoff von BioNTech erhalten. Ihr Hausarzt verabreichte ihr die dritte Impfung. Ihre beiden Söhne hatten sie an die Corona-Impfung erinnert.

"Es hat mich nicht gedrängt, mir die dritte Impfung geben zu lassen, weil ich gedacht habe, das reicht noch. Und ich bin ja sowieso fast die ganze Zeit daheim."

Die 87-Jährige gehört jetzt zu den 694.173 Menschen in Baden-Württemberg über 60, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Um die Pandemie einzudämmen und die Situation in den Krankenhäusern in den Griff zu bekommen, bleibt die Booster-Impfung bei den älteren Bevölkerungsgruppen entscheidend, doch der Anteil der erteilten Auffrischungsimpfungen bei Über-60-Jährigen (Ü60) nimmt derzeit täglich in Baden-Württemberg ab.

In Baden-Württemberg erhält die Gruppe der Ü60-Jährigen derzeit weniger als 50 Prozent der Booster-Impfkapazität. Ein möglicher Grund dafür könnte die neue Empfehlung der Ständigen Impfkomission (STIKO) sein. Vor zehn Tagen sprach sie sich für eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für alle Erwachsenen ab 18 Jahren aus.

Und zwar für alle, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt - in Einzelfällen und bei ausreichender Kapazität reichen auch fünf Monate.

Ziel: 65 Prozent der Älteren bis Weihnachten boostern

In Baden-Württemberg haben 1.145.141 Millionen Bürgerinnen und Bürger eine Drittimpfungen gegen das Coronavirus erhalten. Das sind 10,3 Prozent der Bevölkerung. Bei den Ü60-Jährigen liegt der Anteil der Geboosterten zwar etwas höher mit 22,8 Prozent, aber um bis Weihnachten eine wirkliche Veränderung der angespannten Corona-Lage in den Kliniken in Baden-Württemberg zu erreichen, müsste die Impfquote deutlich höher liegen. Das legen Daten aus England nahe.

Dazu müssten vorrangig Ältere die Auffrischungsimpfung erhalten. SWR-Datenanalysen haben ergeben, dass im Schnitt statt der täglich 32.000 Impfungen um die 50.000 nötig wären. Das sind durchschnittlich 16.000 Impfungen pro Tag mehr als in der vergangenen Woche.

Hinzu kommt, dass viele Hausarztpraxen zurzeit nur einen Bruchteil der bestellten Corona-Impfstoffe geliefert bekommen - und deshalb fürchten, bereits vereinbarte Impftermine wieder absagen zu müssen.

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So berichtete SWR Aktuell BW am 29. November über die große Nachfrage nach Auffrischungsimpfungen:

Daten aus England: Booster-Impfung von Älteren zeigt deutlichen Effekt

Um die vierte Welle zu brechen, kommt die Booster-Kampagne fast zu spät. Dennoch kann ein hohes Tempo bei den Auffrischimpfungen auch kurzfristig einen deutlichen Effekt erzielen. Das zeigen Daten aus England.

Dort sind mittlerweile die Krankenhauseinweisungen älterer Menschen Woche für Woche deutlich gesunken, nachdem die Impfquote für Auffrischungen im November unter den Über-60-Jährigen auf rund 60 Prozent, bei den Über-80-Jährigen auf rund 80 Prozent gesteigert worden war.

Wirksamkeit lässt besonders bei Älteren nach

Mittlerweile ist bekannt, dass die Wirkung der Covid-19-Impfung mit der Zeit nachlässt. Besonders stark ist dieser Effekt bei älteren Menschen, zeigt eine Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Schweden.

Bereits nach ein bis zwei Monaten geht demnach der Impfschutz bei den 65- bis 79-Jährigen auf 71 Prozent zurück. Dagegen liegt der Schutz bei den Unter-50-Jährigen zur gleichen Zeit noch zwanzig Prozent höher, nämlich bei 91 Prozent.

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