Ein Labormitarbeiter mit blauen Gummihandschuhen zieht eine Spritze auf (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

So sinnvoll und sicher ist eine Auffrischungsimpfung

Fragen und Antworten zur Booster-Impfung gegen das Coronavirus in BW

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Die Infektionszahlen steigen und die Intensivstationen füllen sich. Ist eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus sinnvoll? Das sind die Chancen und Risiken.

Was genau ist eine Booster-Impfung?

Mit dem Begriff Booster-Impfung ist eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 gemeint. Dabei handelt es sich laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) um eine erneute Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, also mit einem Vakzin von BioNTech/Pfizer oder Moderna. Je nachdem, welchen Impfstoff eine Person vorher erhalten hat, handelt es sich dabei um eine dritte Impfung oder eine Zweitimpfung (nach einer Grundimmunisierung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson).

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Wieso ist eine Auffrischungsimpfung gegen Corona sinnvoll?

Eine Auffrischungsimpfung soll laut BZgA dazu führen, dass die geimpften Personen mehr Antikörper bilden. Zwar schützen die in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffe aus Sicht der Ständigen Impfkommission (STIKO) effektiv und anhaltend vor einer schweren Erkrankung oder dem Tod durch Covid-19. Jedoch lasse der Schutz mit der Zeit nach, so dass sich Geimpfte wieder asymptomatisch infizieren und auch einen milden Krankheitsverlauf haben können.

Bei hochbetagten Menschen könnten Impfdurchbrüche häufiger zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Aus Sicht der STIKO deuten zudem überdurchschnittlich häufige Impfdurchbrüche bei Menschen, die mit dem Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden, auf eine mangelhafte Grundimmunisierung durch diesen Impfstoff hin.

Chef des Stuttgarter Klinikums Jan Steffen Jürgensen: Darum ist die dritte Corona-Impfung sinnvoll:

Für wen ist eine Booster-Impfung sinnvoll?

Die STIKO empfiehlt in ihrem "Epidemiologischen Bulletin 43/2021" eine Covid-19-Auffrischungsimpfung für Menschen ab 70 Jahren, für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Betreute in Pflegeeinrichtungen, Beschäftigte in der Pflege oder für andere Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe. Zudem gibt es eine Empfehlung für Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt und Menschen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden. Personen, die sich nach einer Covid-19-Impfung mit dem Coronavirus infiziert haben, wird aktuell keine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Die Gesundheitsminister der Länder empfiehlt die Booster-Impfung dagegen allen Menschen ab 60 Jahren - nach Abwägung und ärztlicher Beratung. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatte wiederum alle Menschen im Land dazu aufgerufen, sich ein drittes Mal impfen zu lassen. Auch der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte für Auffrischungsimpfungen geworben und damit Ärztevertreter verärgert. Die STIKO kündigte an, ihre Empfehlung zu überarbeiten.

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Wie groß muss der Abstand zur Zweitimpfung sein?

Die STIKO empfiehlt, dass sich die genannten Personengruppen frühestens sechs Monate nach ihrer vollständigen Impfung mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen. Erfolgten die ersten beiden Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech oder Moderna), soll bei der Auffrischungsimpfung möglichst derselbe Impfstoff verwendet werden.

Aus Sicht der STIKO ist es außerdem sinnvoll, wenn Menschen, die mit Johnson & Johnsen geimpft wurden, eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Das sei ab vier Wochen nach der Erstimpfung möglich. Bisher gebe es keine gesicherten Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit zweier Dosen Johnson & Johnson, so die STIKO in ihrem "Epidemiologischen Bulletin 43/2021".

Von Covid-19 genesene Menschen können sich laut einer Studie aus den USA im Schnitt alle 16 Monate erneut mit dem Coronavirus infizieren. Durch solche Reinfektionen und durch Auffrischungsimpfungen wird das Virus allerdings ungefährlicher:

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Wie wirksam ist eine Booster-Impfung?

Forschende haben die Wirksamkeit im Rahmen der Booster-Impfkampagne in Israel untersucht. Dort erhielten Personen ab 60 Jahren, die seit mindestens fünf Monaten vollständig geimpft waren, eine dritte BioNTech-Impfung. Dabei stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass sich Menschen mit einer Auffrischungsimpfung seltener mit dem Coronavirus infizierten und seltener einen schweren Krankheitsverlauf hatten als eine Kontrollgruppe mit Menschen ohne Booster-Impfung. Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Auffrischungsimpfung auch bei Menschen ab 30 Jahren den Schutz vor einer Infektion mit der Delta-Variante verbessert.

In Israel werden bereits großflächig Drittimpfungen durchgeführt - mit diesem Ergebnis:

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Wo bekomme ich eine Drittimpfung in Baden-Württemberg?

Eine Auffrischungsimpfung bekommen Interessierte bei ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt. Auch manche mobilen Impfteams bieten eine Booster-Impfung an. In Baden-Württemberg werden die Impfzentrum nicht erneut öffnen. Die Auffrischungsimpfung ist laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kostenlos.

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Booster-Impfung: Gibt es Nebenwirkung oder Schäden?

Den Angaben der STIKO zufolge sind die Impfreaktionen mit denen nach der zweiten Corona-Impfung vergleichbar. Folgende Reaktionen auf eine Auffrischungsimpfung mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer listet die STIKO im "Epidemiologischen Bulletin 43/2021" auf:

Lokale Impfreaktionen:

  • Schmerzen an der Einstichstelle (83 Prozent)
  • Schwellung (8 Prozent)
  • Rötung (5,9 Prozent)

Diese Impfreaktionen traten laut STIKO ein bis zwei Tage nach der Impfung auf und waren im Durchschnitt nach ein bis zwei Tagen verschwunden.

Systemische Impfreaktionen:

  • Abgeschlagenheit (63,7 Prozent)
  • Kopfschmerz (48,4 Prozent)
  • Myalgien (Muskelschmerzen) (39,1 Prozent)
  • Schüttelfrost (29,1 Prozent)
  • Gelenkschmerzen (25,3 Prozent)
  • Fieber (8,73 Prozent)
  • Durchfall (8,7 Prozent)
  • schwere Abgeschlagenheit (4,5 Prozent)
  • Erbrechen (1,7 Prozent)
  • schwere Muskelschmerzen (1,4 Prozent)
  • schwere Kopfschmerzen oder Schüttelfrost (1,0 Prozent)
  • schwere Gelenkschmerzen (0,3 Prozent)

Die Reaktionen waren größtenteils mild bis moderat ausgeprägt, traten zwei bis vier Tage nach der Impfung auf und hielten ein bis zwei Tage an.

Bis zu 30 Tage nach der Booster-Impfung beobachteten Forschende in den USA bei 7,8 Prozent der Drittgeimpften unerwünschte Ereignisse, die als impfbezogen gewertet wurden. Zu den häufigsten impfstoffbezogenen Nebenwirkungen gehören Schwellung der Lymphknoten (5,2 Prozent) sowie Zeichen für ein allgemeines Unwohlsein und andere Nebenwirkungen (2,3 Prozent). Ob es - wie nach einer Zweitimpfung mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer - in seltenen Fällen nach einer Auffrischungsimpfung zu einer Herzmuskelentzündungen kommen kann, ist unklar.

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