Reaktionen aus Baden-Württemberg Das sagen Politiker zu Bluttests auf Trisomie 21

Ein Bluttest kann klären, ob ein ungeborenes Kind Trisomie 21 hat. Im Bundestag wurde am Donnerstag darüber beraten, ob das Kassenleistung werden soll. Auch Politiker aus Baden-Württemberg haben Stellung bezogen.

Ein Arzt führt eine pränatale Ultraschall-Untersuchung an einer schwangeren Frau durch.  (Foto: SWR)
Durch Pränataldiagnostik können Eltern immer früher erfahren, ob ihr Kind gesund ist.

Einen Bluttest, der feststellt, ob ein ungeborenes Baby Trisomie 21 - also das Downsyndrom - hat oder nicht, gibt es seit 2012. Bisher müssen Frauen, die ihn machen wollen, aber selbst dafür bezahlen. Ob das künftig die Krankenkasse übernehmen soll - darüber wurde am Donnerstag im Bundestag debattiert. Die Mehrheit der Abgeordneten sprach sich für die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen aus.

Karin Maag (CDU): "Eine gesellschaftspolitische Frage"

Für eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen ist auch Karin Maag, Bundestagsabgeordnete der CDU aus Stuttgart. Hinter der Entscheidung stehe jedoch eine gesellschaftspolitische Frage. Noch immer hätten Familien Sorge, dass ein Kind, das behindert zur Welt kommt, für sie zur Belastung werde. "Da ist so eine Debatte natürlich richtig und wichtig, auch darauf hinzuweisen, dass wir die Antworten dazu finden müssen."

Aus rein gesundheitspolitischer Sicht ist die Sache für sie klar. Der Test werde schon jetzt jährlich hunderttausendmal durchgeführt, ohne Kassenleistung zu sein. In Fällen von Risikoschwangerschaften müsse er erstattet werden. Allerdings müsse dazu besser definiert werden, was eine Risikoschwangerschaft sei.

Hilde Mattheis (SPD): "Frauen bekommen mehr Sicherheit"

Hilde Mattheis, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ulm, sieht in einer Erstattung der Kosten viele Vorteile. Ihr ist es wichtig, dass Frauen gut informiert sind über die Gesundheit des ungeborenen Kindes. Der pränatale Bluttest gebe Frauen mehr Sicherheit, betonte sie gegenüber dem SWR. "Er gibt den Frauen die Chance, sich in ihrem sozialen Umfeld auf ein Leben mit einem Kind mit Trisomie 21 besser vorzubereiten."

Die SPD-Politikerin stört sich jedoch daran, dass die Debatte um die Bluttests so stark ethisch aufgeladen sei. Denn zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führten die neuen Tests nicht. "Wir überstülpen diese Debatte mit einem ethischen Anstrich, der aber, wenn man es genau anguckt, überhaupt nicht dieses Ergebnis bringt", sagte sie.  

Pascal Kober, FDP: Noch schwierigere Entscheidungen werden kommen

Pascal Kober aus Sindelfingen, der für die FDP im Bundestag sitzt, sagte, er sei angesichts der Frage, ob die Kassen den Test erstatten sollen, "hin- und her gerissen". Die grundlegende Entscheidung, dass pränatale Untersuchungen auf Trisomie 21 zugelassen seien, sei schon von vorherigen politischen Generationen getroffen worden. Jetzt sei es "schwer zu begründen, warum jetzt etwas nur denjenigen zur Verfügung stehen sollte, die es sich leisten können".

Kober treibt die Frage um, welche weiteren Schritte der medizinische Fortschritt in Zukunft möglich machen wird. Dem SWR sagte er: "Wie wird es sein, wenn wir morgen die Möglichkeiten haben, in das Erbgut von Menschen einzugreifen? Das bedeutet, dass unserer politischen Generation die Verantwortung obliegt, Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise die Menschheit insgesamt nachhaltig und für immer verändern könnten."

Pro Familia: "Jeder hat Recht auf medizinischen Fortschritt"

Pro Familia Baden-Württemberg hat eine klare Position zur Bezahlung der Bluttests zur Feststellung von Trisomie 21. "Aus Gründen der Gleichbehandlung darf es nicht vom Geldbeutel abhängen, ob man eine schonendere oder eine gefährlichere Methode verwendet", sagte Geschäftsführerin Gudrun Christ dem SWR. Bei der Fruchtwasseruntersuchung, die bisher von den Krankenkassen finanziert wurde, bestünde die Gefahr einer Fehlgeburt. Daher sollten die Tests nicht mehr nur für eine "begrenzte Gruppe, sondern gleichberechtigt" angeboten werden: "Jeder hat ein Recht auf die Teilhabe am medizinischen Fortschritt. Aber die Frau muss sich auch entscheiden dürfen, ob sie den Bluttest überhaupt machen möchte."

Und das sagt ein Elternpaar aus dem Kreis Karlsruhe, das ihren Sohn vor 44 Jahren mit Downsyndrom bekam:

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW
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