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Ein Jahr nach dem Bluttest-Skandal an der Uniklinik Heidelberg fordert der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske mehr Transparenz in der Forschung. Es gebe häufig Interessenskonflikte.

Steht die Forschung zu sehr unter Druck?

Der Wissenschaftler Gerd Glaeske von der Universität Bremen hat im SWR betont, dass die Forschung unter Druck stehe, früh an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gehe immer um Innovationen in Therapie und Diagnostik. "Man will vorne weg sein", so Glaeske. Das habe auch mit Forschungsgeldern und Drittmitteln zu tun. "Das heißt natürlich auch, dass man im Grunde genommen immer für Neues, für Schlagzeilen sorgen muss und deutlich machen muss, dass man an der Spitze der Forschung steht." Im Fall von Heidelberg haben man Hoffnungen enttäuscht. Die Veröffentlichung sei übereilt und letztlich nicht seriös gewesen.

Große Hoffnungen in der Krebsmedizin

Die Krebsmedizin sei besonders anfällig für voreilige Veröffentlichungen. Der Grund dafür: Es gebe die Hoffnung, in der Diagnostik irgendwann den Schlüssel zu finden, um vorhersagen zu können, welche Krebsarten aggressiver verlaufen und welche langsamer.

"Wer macht warum was und wer stellt was warum vor"

Ein wichtiger Punkt sind für Glaeske auch die Interessenskonflikte in der medizinischen Forschung: Sie bestehen laut Glaeske immer wieder - wenn etwa bei Vorträgen bestimmte Arzneimittel genannt würden, weil der Forscher mit der Firma in einer Verbindung stehe, das aber nicht deklariere. Es müsse klar sein: "Wer macht warum was und wer stellt was warum vor." Im Heidelberger Fall habe er nicht das Gefühl, dass es von Anfang an transparent zugegangen sei.

"Immer, wenn Finanzielles im Spiel ist, dann ist man vielleicht besonders geneigt, die eigene Forschung zu überhöhen und möglicherweise mehr hineinzuspekulieren als die Realität tatsächlich wiedergeben kann."

Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler der Uni Bremen
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