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Blumenläden, Gärtnereien und Gartenmärkte können möglicherweise in knapp einer Woche wieder öffnen. Ministerpräsident Kretschmann habe dazu eine Vorlage für die heutige Kabinettsitzung beauftragt, so ein Regierungssprecher.

Nach wochenlanger Schließung wegen der Corona-Pandemie deutet sich an, dass Blumenläden, Gärtnereien und Gartenmärkte in Baden-Württemberg im März möglicherweise wieder öffnen dürfen - und damit zum selben Zeitpunkt wie Friseure. Ein Regierungssprecher teilte auf Anfrage des SWR mit, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) habe dazu eine Vorlage für die heutige Kabinettsitzung in Auftrag gegeben. Man wäge noch ab, aber vieles spreche dafür, Gartencenter und Blumenläden zum 1. März wieder zu öffnen. Die Kabinettsvorlage sei aber noch nicht fertig. Aktuell arbeite man an einem Hygienekonzept - etwa daran, wie viele Kunden sich auf welcher Fläche aufhalten könnten oder ob vor der Tür verkauft werden soll, so der Regierungssprecher.

Bayern machte den Anfang

Noch vor zehn Tagen stand eine Öffnung des Einzelhandels bei einer Inzidenz von unter 35 im Raum, doch jetzt sinken die Zahlen nicht mehr. Deshalb sei die Landesregierung auch mit den Nachbarländern im Gespräch. In Bayern werden Gärtnereibetriebe zum 1. März geöffnet, Hessen verkauft schon und Rheinland-Pfalz hat noch nicht entschieden. Es gelte, Gärtnereitourismus zu verhindern, so der Regierungssprecher weiter. Nach Angaben des Floristenverbands gibt es allein in Baden-Württemberg 1.200 Blumenläden.

Sorge vor Infektionen mit Coronavirus

Was weitere Lockerungen des Lockdowns angeht, zeigte sich der Regierungssprecher zurückhaltend. Zwar seien die Infektionszahlen landesweit mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von um die 40 bundesweit weiter am niedrigsten. Allerdings stagnierten die Zahlen im Moment. Man müsse angesichts der Auswirkungen der Corona-Mutationen Vorsicht walten lassen. Über weitere Öffnungen soll am 3. März die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheiden.

Kunden kaufen in einem Gartencenter ein. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sven Hoppe (Symbolbild))
Gartencenter und Blumenläden in Baden-Württemberg dürfen möglicherweise bald wieder öffnen. picture alliance/dpa | Sven Hoppe (Symbolbild)

Parteien uneinig über weiteres Vorgehen

"Es wäre nicht verhältnismäßig, wenn in baden-württembergischen Gärtnereien Hunderttausende seit Monaten gehegte Blumen und Pflanzen vernichtet werden müssten und dagegen Gärtnereien in anderen Ländern geöffnet sind", sagte Justizminister Guido Wolf (CDU). Der CDU-Politiker ergänzte: "Natürlich dürfen wir den hart erkämpften Erfolg der letzten Wochen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen." Es sei aber der Zeitpunkt gekommen, mit behutsamen Lockerungsschritten ganz gezielt dort anzusetzen, wo besondere Härten auftreten. Wolf begrüßte die Entscheidung des Ministerpräsidenten, eine Vorlage in die Ministerrunde einzubringen

Der SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch monierte dagegen: "Jetzt geht der Wettlauf zwischen den Bundesländern und ihren Einzelfallentscheidungen los." Das Vorgehen der Landesregierung sei nicht "von einem nachvollziehbaren Plan gebunden an das Infektionsgeschehen geprägt, sondern von dem Prinzip Zufall".

Schrittweise Öffnungen in Überlegung

Kretschmann hatte jüngst dem Handel Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung gemacht. "Sollten wir stabil die 35 erreichen, das heißt, sollten wir diese Inzidenz im Land über mehrere Tage - zwischen drei und fünf Tagen am Stück - unterschreiten, dann werde ich weitere Öffnungsschritte veranlassen", hatte er vergangene Woche der "Stuttgarter Zeitung" gesagt.

Corona-Schnelltests ein weiteres Thema

Es wird erwartet, dass das Landeskabinett sich heute auch mit der weiteren Corona-Strategie befasst. Vor allem die CDU dringt vor der nächsten Konferenz von Bund und Ländern am 3. März auf weitere Ausnahmen vom Lockdown. Außerdem will die Landesregierung eine erweiterte Teststrategie beschließen. Dafür sollen vier Millionen Schnelltests aus der Landesreserve zur Verfügung gestellt werden.

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