Michael Blume (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Internationale Liste prangert deutsche Offizielle an

Antisemitismus-Vorwürfe: Viel Rückhalt für BW-Beauftragten Blume

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Nach den Antisemitismus-Vorwürfen des "Simon Wiesental Centers" gegen den BW-Antisemitismusbeauftragten Blume erfährt dieser viel Rückendeckung - von Politik und Religion.

Jährlich veröffentlicht das "Simon Wiesenthal Center" (SWC) seine Liste der nach seiner Einschätzung schlimmsten Antisemitismus-Vorfälle weltweit. Nun findet sich ausgerechnet der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume auf dieser Liste wieder. Sowohl die Landesregierung als auch die jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg weisen die Kritik des Zentrums mit Sitz in Los Angeles entschieden zurück.

Jüdische Gemeinden im Land empört

Klare Unterstützung bekommt Blume von den jüdischen Gemeinden im Land. "Einen Brückenbauer zwischen Baden-Württemberg und Israel auf eine gemeinsame Liste mit Feinden Israels zu setzen ist ungeheuerlich", heißt es in einer Stellungnahme der Israelitischen Religionsgemeinschaften (IRG) in Baden-Württemberg. "Michael Blume und sein kleines Team leisten hervorragende, unverzichtbare Arbeit", sagte Rami Suliman, der Vorsitzende der IRG Baden. Auch die IRG Württemberg zeigt blankes Unverständnis über die Vorwürfe des "Simon Wiesenthal Centers" gegen Blume. Barbara Traub, Vorstandssprecherin der IRG Württemberg, erklärte: "Wir kennen Dr. Michael Blume bereits seit fast zwei Jahrzehnten als einen außergewöhnlich engagierten und ausgesprochen kompetenten Kämpfer gegen Antisemitismus jeder Form, als einen Freund der jüdischen Gemeinschaft."

Blume bedankt sich für Rückendeckung

Blume bedankte sich für den breiten Zuspruch nach den Vorwürfen des SWC. "Die jüdischen Landesgemeinden waren wunderbar klar", schrieb Blume nach deren Reaktion auf seinem offiziellen Twitteraccount und sprach gleichzeitig seinen Dank für "ganz viel Solidarität" aus.

Auf die Vorwürfe selbst reagierte Blume gelassen. "Es gehört heute leider dazu, wenn man in der Öffentlichkeit steht, dass man mit Hass überschüttet wird", so Blume im SWR-Interview. Er sei seit seinem Amtsantritt 2018 "rechtsextremem Trolling" ausgesetzt. Als Beispiel nannte Blume einen in Deutschland und Israel für die "Jerusalem Post" arbeitenden Journalisten. Dessen Kritik habe das SWC einfach übernommen. Die Vorwürfe hielten aber "nicht einmal einer oberflächlichen Überprüfung stand", so Blume. Er verwies dabei auf seinen bereits 2019 geschlossenen Facebookaccount.

"Simon Wiesenthal Center" prangert Blume als Antisemiten an

In den am Dienstagabend vorgestellten Top Ten der nach Einschätzung des "Simon Wiesenthal Centers" weltweit schlimmsten antisemitischen Vorfälle ist Blume auf Platz 7 gelistet. Der Vorwurf: Seit 2019 habe Blume antijüdische, anti-israelische und konspirative Twitter-Accounts gelikt und Beiträge weiterverbreitet.

In dem Bericht heißt es weiter, Blume habe "offenbar vergessen, dass seine Aufgabe ist, Antisemitismus zu bekämpfen, nicht ihn zu 'mögen'". So habe Blume einen Facebook-Post gelikt, der Zionisten mit Nazis verglichen habe. Um welche Posts und welche Accounts es sich genau handelte, schreibt die Organisation nicht. Außerdem wirft sie Blume vor, er habe es zudem versäumt, Freiburg dazu aufzurufen, seine Städtepartnerschaft mit dem iranischen Isfahan zu beenden. Israel und der Iran gelten als Erzfeinde.

Kritik auch an Kretschmann und Strobl

Kritik übt das Zentrum in seinem Bericht auch an Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU). Sie hätten Blume "unerklärlicherweise (...) erlaubt (...), sich weiter an diesen antisemitischen und anti-israelischen Aktivitäten in den sozialen Medien zu beteiligen". Außerdem kritisiert das Zentrum in seinem Bericht auch die "Deutsche Welle" und mehrere Mitarbeitende der arabischen Redaktion dort.

Auch Landesregierung weist Vorwürfe gegen Blume zurück

Mit großem Unverständnis hat auch die Landesregierung auf die Kritik am Antisemitismus-Beauftragten Blume reagiert. Es gebe keinen Grund, an dessen Integrität zu zweifeln, erklärte Ministerpräsident Kretschmann am Mittwoch auf SWR-Anfrage. Die Vorwürfe des "Simon Wiesenthal Centers" seien nicht nachvollziehbar und höchst befremdlich, so der Grünen-Regierungschef. Und Innenminister Strobl ergänzte, Blume sei ein top-engagierter, herausragender Antisemitismusbeauftragter. "Ich kann mir für diese Aufgabe keine bessere Person vorstellen", sagte Strobl der Deutschen Presse-Agentur.

Antisemiten-Liste immer wieder in der Kritik

Das "Simon Wiesenthal Center" in Los Angeles war bereits mehrfach mit seinem "Top Ten Antisemiten-Ranking" in die Kritik geraten. Dabei ging es meistens um aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Unter anderem hatte es 2019 den deutschen Vertreter bei den Vereinten Nationen, Christoph Heusgen, getroffen. Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter Blume wirft dem Zentrum zudem vor, den guten Ruf des Namensgebers zu missbrauchen. "Es geht ja schon seit Jahren so, dass Leute angegriffen werden - Deutsche, Briten und so fort – um einfach diese Aufmerksamkeit zu generieren", sagte Blume im SWR-Interview. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der echte Simon Wiesenthal solche Aktionen gut gefunden hätte."

Kritiker nennen die Liste mittlerweile eine Aktion "zwischen Klamauk und Agitprop". Die Plätze eins bis drei belegen dieses Jahr der Iran, die Hamas sowie "BBC und das Vereinigte Königreich".

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SWR