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Die Landesregierung plant, ihrem Ziel der steigenden Nachfrage nach Bio-Produkten aus heimischer Erzeugung, näher zu kommen. Dabei soll eine Weiterentwicklung des Bio-Aktionsplans helfen.

Durch die Corona-Krise ist das Bewusstsein der Verbraucher für ökologische Lebensmittel weiter gestiegen. Es werde vermehrt Wert auf die Herkunft der Lebensmittel gelegt und laut Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) falle durch die Pandemie erst auf, wie wichtig es sei, die Bevölkerung aus der heimischen Landwirtschaft zu versorgen.

Verdreifachung der ökologisch bewirtschafteten Agrarflächen geplant

Mit der Weiterentwicklung des Bio-Aktionsplans soll eine Verdreifachung der ökologisch bewirtschafteten Agrarflächen innerhalb von zehn Jahren in Baden-Württemberg erreicht werden. Während in den vergangen vier Jahren die Zahl der Ökobetriebe im Land bereits um ein Drittel zugenommen habe, derzeit aber nur rund 13 Prozent der Flächen ökologisch genutzt würden, sollen es bis 2030 mindestens 30 bis 40 Prozent sein, kündigte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) am Dienstag in Stuttgart an.

Für den Öko-Aktionsplan sind im aktuellen Doppelhaushalt eigene Haushaltsmittel in Höhe von neun Millionen Euro bereitgestellt.

Bioprodukte sollen aus der Region kommen

Grundsätzlich sieht der Plan vor, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und für eine Ergänzung ökologischer und traditioneller Betriebe zu sorgen. Außerdem seien kurze Transportwege angestrebt. Es sei nicht das Ziel des Landes, Gemüse und Obst in Bioqualität aus dem Ausland zu beziehen und somit den Bioanteil in Baden-Württemberg zu erhöhen, sondern Bio-Produkte direkt aus der Region zu bekommen, so Hauk.

"Ein solch ambitioniertes Ziel lässt sich nur gemeinsam mit allen Akteuren erreichen. Dabei werden wir niemanden zwingen, Bio zu produzieren oder zu konsumieren. Vielmehr werden wir die Rahmenbedingungen für diejenigen weiter verbessern, die umsteigen möchten", betonte Hauk. Dazu gehöre es auch, die Verarbeiter, den Handel und die Verbraucher näher zusammen zu bringen und entsprechende regionale Wertschöpfungsketten und Kooperationen zu stärken. Dies sei eine Hauptaufgabe der zwischenzeitlich neun Bio-Musterregionen.

Analysen sollen Marktpotenzial für Bioprodukte aufdecken

"Wir haben in einem ersten Schritt bereits eine Produktions- und Marktpotenzialerhebung und -analyse für die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung ökologischer Agrarerzeugnisse und Lebensmittel aus Baden-Württemberg in Auftrag gegeben", erklärte Minister Hauk. Damit sollen belastbare Informationen darüber erhoben werden, wo weitere Marktpotenziale liegen. So sei auch die Frage nach Bio in der Außer-Haus-Verpflegung ein zentrales Thema. "In diesem wachsenden Marktsegment sehen wir noch große Potenziale für regionale Bio-Erzeugnisse", so der Ministerpräsident.

Nur zehn Prozent des Einkommens werden für Lebensmittel ausgegeben

Eine höhere Nachfrage bedeutet dem Minister zufolge allerdings auch ein anderes Wirtschaften. Verarbeitungs- und Produktionskapazitäten seien bisher in Baden-Württemberg noch nicht in dem benötigten Maße vorhanden. Es müsse dann in großen Bio-Betrieben "die Produktion massenhafter Güter" geben, um etwa große Kantinen zu beliefern.

Ein Preisproblem sahen weder Hauk noch Kretschmann, da derzeit nur etwa zehn Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werde. Laut Kretschmann waren es "zu Goethes Zeiten noch 75 Prozent und 1950 noch 50 Prozent". Außerdem sei ein geringerer Fleischkonsum gesünder, so Hauk.

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