Bio-Lebensmittel

Trend scheint erst einmal gestoppt

Verkaufszahlen für Bio-Produkte wachsen nicht weiter

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AUTOR/IN
Susanne Henn
ONLINEFASSUNG
Patrick Seibert
Bild von SWR Aktuell-Redakteur Patrick Seibert

"Bio" ist in. Gesunde Ernährung, nachhaltige Lebensmittel - dahin geht der Trend, die Menschen achten auf ihren Körper. Die zuletzt stetig steigenden Verkaufszahlen allerdings stagnieren. Das sind die Gründe.

Nach satten Zuwächsen während der Corona-Krise steigen in Deutschland die Umsätze für Bio-Lebensmittel seit einiger Zeit nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurden mit ihnen rund 15,3 Milliarden Euro umgesetzt. Das sind 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch 25 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Zum Vergleich: Der gesamte Lebensmittelbereich erwirtschaftete 2022 knapp 184 Milliarden Euro.

Der Trend, dass die Verbraucher stetig mehr Geld für Bio-Produkte ausgeben, scheint somit erst einmal gebrochen.

Das zeigte sich auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres. Höhere Energiepreise, Inflation und dadurch auch steigende Lebensmittelpreise sorgen seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine dafür, dass die Verbraucher und Verbraucherinnen beim Einkauf deutlich preissensibler sind als in den Jahren zuvor. Immer stärker wird zu günstigen Produkten gegriffen und das merken auch die Erzeuger von Bio-Produkten. Eine Entwicklung, die auch in Baden-Württemberg spürbar ist, auch wenn hier immer noch 20 Prozent mehr Bio-Lebensmittel gekauft werden als im Bundesdurchschnitt.

 In einigen Bereichen wächst der Bio-Umsatz noch deutlich

Aber es läuft nicht mehr überall. Besonders hart traf der Rückgang des vergangenen Jahres in Deutschland den Naturkosthandel, die Wochenmärkte oder auch die Reformhäuser. Hier gingen die Umsätze 2022 um bis zu 18 Prozent zurück. Nach Angaben der Konsumforschungsgesellschaft GfK hat sich dieser Trend in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fortgesetzt, wohingegen der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) einen leichten Trend zur Besserung sieht. Ob sich die Zahlen aber wieder stabilisieren, bleibt abzuwarten. Doch während seltener zu Produkten der Marken-Bio-Verbände wie Bioland oder demeter gegriffen wurde, legten die Bio-Eigenmarken von Supermärkten und Discountern, deutlich zu - um über drei Prozent. Und auch diese Entwicklung - so die GfK - setzt sich fort.

 Immer mehr Marken-Bio im Supermarkt

Ein Trend, auf den Marken-Bio reagiert hat. Die großen Verbände gehen immer häufigere Kooperationen mit Lebensmittelketten ein, so dass Produkte mit Labels von Naturland, demeter oder Bioland auch immer häufiger bei Lidl, Rewe, Edeka und Co zu finden sind.

Insgesamt aber - so betont Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des BÖLW - wirken Bio-Produkte wie eine Inflationsbremse. So seien die Preise für viele ökologisch erzeugte Produkte deutlich weniger stark gestiegen als für konventionelle Ware. Die Gründe: häufig kürzere, nur regionale Transportwege und keine Abhängigkeiten von Pestiziden und synthetischen Düngern. Preistreiber, die die konventionelle Landwirtschaft deutlich stärker zu spüren bekam.

Auf einem unscharfen Hintergrund sind viele Bio-Siegel zu sehen. Unterandem die deutschen Öko-Siegel von Naturland, Bioland und Demeter, sowie das EU-Bio-Siegel, das deutsche Bio-Siegel und das Logo von Biokreis.
Im Supermarkt gibt es immer mehr Bio-Markenprodukte zu kaufen.

 Mehr Anstrengungen von der Politik gefordert

Das Ziel, ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland bereits in sieben Jahren ökologisch zu bewirtschaften, ist angesichts dieser Zahlen ambitioniert, vor allem da der Bio-Anteil in Kantinen, Restaurants und Mensen bei nur etwas mehr als zwei Prozent liegt. Es sei nun endlich an der Zeit, so Peter Röhrig vom BÖLW, dass Bund, Länder und Kommunen zumindest in der Gemeinschaftsverpflegung wie in öffentlichen Kantinen, Schulen, Kitas oder auch Krankenhäusern für einen deutlich höheren Bio-Anteil sorgen.

Schließlich machten Bio-Produkte in Privat-Haushalten mehr als sieben Prozent aus. "Das zeigt, dass den Menschen Nachhaltigkeit, Tierwohl und vor allem Klima- und Umweltschutz am Herzen liegen", so Röhrig. Darauf müsse auch die öffentliche Hand reagieren und den Bio-Anteil am Essen in ihren Einrichtungen deutlich steigern. Und Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) betonte vor wenigen Wochen bei der Vorstellung des Öko-Monitorings, der Überprüfung ökologischen Obst und Gemüses, dass die Qualität sehr gut sei: "Bio-Lebensmittel verdienen zu Recht das Verbrauchervertrauen."

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