Schulbus in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schuljahr im Zeichen des Coronavirus

Pleiten, Pech und Pannen? So ist der Start ins Schuljahr in BW gelaufen

STAND
AUTOR/IN

Das Coronavirus und die Auswirkungen der Pandemie waren vor dem Start ins neue Schuljahr das bestimmende Thema. Kann der Infektionsschutz mit dem Bildungsanspruch unter einen Hut gebracht werden? Ein erstes Fazit eine Woche nach dem Schulstart.

Für die einen begann in dieser Woche der Ernst des Lebens, für die anderen ging es unter völlig anderen Voraussetzungen als sonst weiter: Der Start ins Schuljahr 2020/21 war ein Start der Extreme. Schüler, Eltern, Lehrer, Schulleiter - für alle Beteiligten war der Schulbeginn unter den Vorzeichen der Coronavirus-Pandemie ein ganz besonderer.

"Es herrschte eine gute Atmosphäre, SchülerInnen und Lehrkräfte haben sich fast ausnahmslos über den Regelbetrieb für alle gefreut", bilanzierte beispielsweise die Schulleiterin der Mörike Gemeinschaftsschule in Backnang (Rems-Murr-Kreis), Karin Moll, die erste Schulwoche, die an ihrer Schule ganz im Zeichen des "Ankommens" stand.

Von einem eher unspektakulären Start sprach Markus Kuhn, Schulleiter des Margarete-Steiff-Gymnasiums in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) auf eine SWR-Anfrage. Wiedersehensfreude unter Pandemie-Bedingungen mit all den Begleitumständen wie einer Maskenpflicht auf dem Schulgelände - davon wussten unter anderem auch die Verantwortlichen am Leibniz-Gymnasium in Östringen (Kreis Karlsruhe) zu berichten. Es sei sehr erfreulich, dass nach aktuellem Stand die Schulen alle gut in das neue Schuljahr gestartet seien, heißt es auf Nachfrage beim baden-württembergischen Kultusministerium.

Vereinzelte Coronavirus-Fälle nach Ferienende

Chaotische Zustände rund um das Infektionsgeschehen nach den Sommerferien blieben in Baden-Württemberg bislang aus. Vereinzelte Infektionsfälle mit dem Coronavirus traten unter anderem an einer Gemeinschaftsschule und an der St. Elisabeth Realschule in Friedrichshafen (Bodenseekreis), einem Gymnasium in Mannheim, sowie einem Gymnasium in Pforzheim (Enzkreis) auf. Weitere Schüler und Lehrer mussten unter anderem auch in einer Grundschule in Emmendingen in Quarantäne, nachdem in einer Familie einer Grundschülerin zwei Covid-19-Fälle bestätigt wurden. Eine ganze Schulklasse sowie zwei Lehrerinnen der Schule St. Klara in Rottenburg (Kreis Tübingen) mussten in Quarantäne, nachdem eine Schülerin positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Ein Verdachtsfall in einer Grundschule in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) bestätigte sich darüber hinaus nicht.

Grundsätzlich rechnet die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nicht mehr mit landesweiten Schulschließungen. Diese seien "nicht mehr vorgesehen", betonte die CDU-Politikerin. Dass Klassen aufgrund des Verdachts einer Corona-Infektion vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen werden müssten, werde die Schulen aber auch noch in den kommenden Wochen oder Monaten begleiten, da es das Virus weiterhin gebe, heißt es es dazu aus dem Ministerium. Bis Donnerstag seien landesweit 17 von über 67.000 Klassen betroffen gewesen.

Vorwurf: Chaos auf dem Weg zur Schule

Doch selbst wenn die Schule unter Corona-Bedingungen funktioniert - auf dem Weg dorthin kann es heikel sein. "Chaotisch gelaufen ist die Beförderung der Kinder", sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats Michael Mittelstaedt. In den Schulbussen sei es weiter eng: "Die Kinder werden immer noch wie Ölsardinen transportiert. Da fühlt sich keiner richtig wohl." Auch viele Eltern hätten ein mulmiges Gefühl gehabt, ihre Kinder in überfüllte Schulbusse zu zwängen, teilte die Initiative "Familien in der Krise" (FidK) mit. Auch von Ausfällen von Bahnen zu Stoßzeiten sei die Rede gewesen.

Zum Vokabular auf den Schulhöfen und -gebäuden gehören spätestens seit dieser Woche Begriffe wie "Maskenpflicht" oder "Gesundheitserklärung" dazu. Der Aufwand vieler Schulen sei vorab enorm gewesen, so die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz. Für erheblichen Ärger hätte insbesondere die Handhabung rund um die Gesundheitserklärung gesorgt, sagte sie dem SWR.

Irritationen über Gesundheitserklärung

Die vom Kultusministerium verfasste Verordnung über den Schulbetrieb sah eigentlich vor, eine Gesundheitserklärung am ersten Schultag nach den Ferien verpflichtend vorlegen zu müssen. Ansonsten, so Moritz weiter, hätte ein Ausschluss von der Schule erfolgen müssen, wenn die von den Eltern unterzeichnete Erklärung nicht vorgelegt worden wäre. Um dies sicherzustellen, haben viele Schulen großen Aufwand betrieben. Trotz der geringen Vorlaufzeit - das Kultusministerium habe die Erklärung erst wenige Tage vor Ferienende an die Schulen versandt - hätten die meisten Schüler diese am ersten Schultag in ihrer Schule in Backnang dabei gehabt, so Karin Moll.

Die offensichtlich kurzfristige Entscheidung des Ministeriums, die Erklärungen nicht zwangsläufig am ersten Schultag, sondern erst im Laufe der ersten Schulwoche vorlegen zu müssen, hätten allerdings nicht nur viele Schulen irritiert, sondern auch den eigentlichen Sinn des Formulars infrage gestellt, so die GEW-Vorsitzende Moritz weiter. In den sozialen Netzwerken kritisierten Eltern, Lehrer und Schulleiter das Vorgehen. Dass Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sein können, musste man auch am Leibniz-Gymnasium in Östringen feststellen, wo fehlende Erklärungen kurzerhand per Foto aufs Smartphone der Schüler nachgereicht wurden.

Vorwurf der Ausgrenzung und Demütigung

Es habe mehrere Erfahrungsberichte gegeben, wonach das Chaos rund um die Gesundheitserklärungen zu Ausgrenzung und Demütigung von Kindern geführt habe, deren Eltern die Unterschrift oder das Formular vergessen hatten, so die FidK. "Kinder mussten die Klasse wieder verlassen und alleine im Pausenhof mit Mund-Nasen-Bedeckung und Ranzen auf ihre Eltern warten", so Ekaterina Bondarenko, Gründungsmitglied der Landesgruppe Baden-Württemberg. Andere hätten bereichtet, dass diese Kinder nur mit Mund-Nasen-Bedeckung im Klassenzimmer bleiben durften, wiederum andere Schulen hätten die Schüler nach Hause geschickt. "Kinder, die mit Freude gestartet hatten, wurden für ein Fehlverhalten bestraft, für das sie nicht verantwortlich sind."

Corona-Pandemie Schulstart in Baden-Württemberg: Es fehlt eine einheitliche Strategie

Als bundesweit letztes Bundesland hat in Baden-Württemberg jetzt wieder der Regelbetrieb in Schulen begonnen. Doch sind die Schulen dafür wirklich gerüstet? Ein Kommentar von Anja Braun.  mehr...

Auch die vorab viel diskutierte Maskenpflicht und ihre Ausnahmen waren ständiges Gesprächsthema an den Schulen. Als problematisch stellte sich das Thema vor allem an verbundenen Schulen mit Grundschule und Sekundarstufe heraus. Der Rektor der Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg), Jörg Fröscher, ging pragmatisch vor. An seiner Schule habe man beschlossen, dass ein Großteil der Regeln für die Schüler ab der 5. Klasse auch bei den Grundschulkindern umgesetzt werde. So gelte die Maskenpflicht im Gebäude und auf dem Pausenhof auch für die Grundschüler, solange sie in der Pause seien. "Wir haben mit den Eltern gesprochen und diese waren damit einverstanden", sagte er im SWR-Interview. "An diesem Beispiel merkt man, wie schwierig es ist, mit den verschiedensten Verordnungen den Laden am Laufen zu halten."

Für Irritationen sorgten an manchen Schulen Vorschriften über den Umgang mit Masken in Lehrerzimmern. Während diese in Lehrerzimmern an weiterführenden Schulen verpflichtend seien, gelte dies an der Grundschule nicht, beklagte die GEW.

Eine zu Wochenbeginn durch das Landesgesundheitsamt losgetretene Diskussion über eine Maskenpflicht auch im Unterricht hatte das Kultusministerium als "hochgradig unseriös" bezeichnet. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sprach sich gegen Masken im Unterricht aus. Der Philologenverband Baden-Württemberg dagegen positionierte sich deutlich. Der Vorsitzende Ralf Scholl machte im SWR-Gespräch deutlich, warum aus seiner Sicht Masken auch im Unterricht sinnvoll sind.

Maskenpflicht: Die Schüler halten sich daran

Abfragen an mehreren Schulen im ganzen Land zeigten, dass die Mehrheit der Schulen ein positives Fazit ziehen. Demnach würden sich die Schüler an die Maskenpflicht halten, wo sie gelte. Auch die vorab ausgearbeiteten Konzepte der Schulen seien in den allermeisten Fällen von den Schülern gut angenommen und umgesetzt worden. Die Schulen wüssten, was zu tun sei. Das Gelingen hänge von der Akzeptanz in der Schulgemeinschaft ab - und diese würde die Regeln an seiner Schule durchweg akzeptieren, so der Leiter der Gemeinschaftsschule Wiestor in Überlingen (Bodenseekreis), Jürgen Mattmann.

Ähnliche Rückmeldungen habe auch das Kultusministerium erhalten, so ein Sprecher. Dennoch sei die Maskenpflicht auf dem Schulgelände oft nur schwer nachvollziehbar, skizzierte beispielsweise die Backnanger Schulleiterin Karin Moll.

Mundschutz im Freien mache nicht wirklich Sinn

In den Klassenzimmern würden die Schüler ohne Maske gemeinsam lernen dürfen, im Freien sollen sie eine Maske tragen. Dies ergebe keinen Sinn. Ähnlich sieht dies auch die FidK-Initiative. "Im Freien ist die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung deutlich reduziert. Ausgerechnet dort Masken zu verlangen und erst recht wenn die einzelnen Klassen auch noch räumlich oder zeitlich getrennt werden, erschwert Kindern den Schulalltag ohne Nutzen für den Infektionsschutz", so Pressesprecherin Zarah Abendschön-Sawall.

Eine weitere Beobachtung vieler Schulen: Nachdem die Schüler das Schulgelände verlassen, würden viele ihre Masken absetzen und sich umarmen. Auch eine Durchmischung der noch auf dem Schulgelände strikt getrennten Schulgruppen sei zu beobachten.

"Es liegt in der Corona-Pandemie an jedem Einzelnen dafür zu sorgen, Infektionen möglichst zu verhindern und im Falle einer Infektion alles dafür zu tun, dass Infektionen eingedämmt werden können. Dazu gehört, dass die Maskenpflicht beachtet wird und dass Unterricht in festen Kohorten stattfindet, damit bei einem Infektionsfall an einer Schule nicht die gesamte Schule geschlossen werden muss."

Susanne Eisenmann im Rahmen einer Pressekonferenz in Stuttgart (Foto: Imago, imago images / Lichtgut)
Eisenmann hatte sich gegen eine Maskenpflicht im Unterricht ausgeprochen. Imago imago images / Lichtgut

Generell sehen viele Verantwortliche die Einhaltung festgelegter Gruppen als großen organisatorischen Aufwand an, beispielsweise in den Pausen oder beim Essen in der Mensa. Die Landesregierung hatte bereits im Juli das Prinzip der Gruppen- und Kohortenbildung angekündigt. So könne die eventuelle Ausbreitung des Coronavirus eingegrenzt werden, so Eisenmann unter der Woche.

Coronavirus-Maßnahmen bedeuten mehr Personalaufwand

Die Kehrseite der Medaille: Der Personalaufwand ist in der Praxis deutlich größer. So seien an seiner Schule beispielsweise einzelne Bereiche für die unterschiedlichen Schülergruppen auf dem Pausenhof eingerichtet worden, um eine Durchmischung zu vermeiden, so Jörg Fröscher. Auch bei der Essensausgabe würden sich die Corona-Regeln massiv auswirken, das Essen müsse beispielsweise zum Tisch gebracht werden und darf nicht von den Schülern abgeholt werden.

Die eingeplante Zeit von etwa 20 Minuten pro Gruppe bei einer geringen Personaldecke sei kaum machbar. "So wie es in den letzten zwei, drei Tagen gelaufen ist, können wir das nicht weiterführen", sagte Fröscher. Einen neuen Pausenplan hat auch die Schulleitung am Karl-Maybach-Gymnasium in Friedrichshafen (Bodenseekreis) entwickelt, damit sich in den engen Schulfluren weniger Schüler begegnen. Am Mannheimer Moll-Gymnasium wurde gar ein Hygieneteam gebildet. "Viel wurde vorher getan, vieles wird sich erst in der Praxis des Schulalltags ergeben", sagte vorab Musiklehrer Jürgen Karl.

Schulstart unter Corona-Bedingungen am Moll-Gymnasium (Foto: SWR)
Über den Eingangstüren des Moll-Gymnasiums in Mannheim hängen große Plakate. Das Betreten des Schulgebäudes ohne Maske ist untersagt.

Lehrkräftemangel während Pandemie noch deutlicher spürbar

Gerade in Pandemie-Zeiten wirkt sich an einigen Schulen der Mangel an Lehrkräften umso stärker aus. Landesweit waren zum Schulstart rund 650 Stellen nicht besetzt, davon fast die Hälfte an Grundschulen. Die Konsequenzen seien gravierend, heißt es dazu beispielsweise aus der Heinrich-Hansjakob-Schule in Waldshut-Tiengen. Der Fokus liege darauf, die Kernfächer wie Deutsch, Mathematik und Sachunterricht unterrichten zu können, so Schulleiterin Michaela Ebi. Andere Schwerpunkte wie das Künstlerische oder Musische falle erst einmal weg.

Video herunterladen (4,8 MB | MP4)

Für den Lehrermangel hatte Kultusministerin Eisenmann vorab Planungsfehler in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Sie beklagte zuletzt aber auch eine mangelnde Bereitschaft von Junglehrern, in Regionen zu ziehen, die nicht zu ihren Wunschzielen gehörten. Man habe die Ausbildungskapazitäten für Grundschullehrer zuletzt deutlich erhöht, so Eisenmann im SWR. "Wir stehen besser da als in den letzten Jahren. Aber wir haben natürlich bei den knapp 2.500 Grundschulen in Baden-Württemberg immer noch einen Bedarf", sagte die CDU-Politikerin.

Solange es aber keine weiteren Ausfälle auch im Hinblick auf das Coronavirus gebe, sollte es in den ersten Schulwochen trotz fehlender Lehrkräfte klappen, teilte dagegen der Leiter des Staatlichen Schulamts in Albstadt (Zollernalbkreis), Gernot Schultheiß, mit. Auch in anderen Regionen fehlt es in manchen Orten an Lehrern, obwohl teilweise sogar Pensionäre aus dem Ruhestand zurückgekehrt sind, wie etwa im Kreis Konstanz.

Das reguläre Einstellungsverfahren laufe noch bis Ende September, sodass noch weitere Besetzungen erfolgen werden, heißt es aus dem Kultusministerium. Auch danach würden noch Lehrer eingestellt. "Trotz Corona-Pandemie haben wir in diesem Jahr eine fast reguläre Lehrereinstellung", bilanzierte Eisenmann.

Plan B für den Herbst?

Als Glücksfall könnte sich zum Start des Schuljahrs in vielen Regionen das spätsommerliche Wetter mit Sonnenschein und hohen Temperaturen auswirken. Noch sei es warm genug, um die Klassenzimmer ausreichend zu lüften, machte der Schulleiter des Margarete-Steiff-Gymnasiums Markus Kuhn deutlich. Die Corona-Verordnung sieht vor, dass alle 45 Minuten die Luft in den Klassenzimmern ausgetauscht werden soll. Dies hatte an einigen Schulen die Tüftler auf den Plan gerufen, um für die künftigen Wochen und Monate vorzubeugen.

Über einem Fenster im Klassenzimmer ist eine lange Reihe von PC-Lüftern eingebaut, die die Luft zirkulieren sollen. (Foto: SWR, Heiner Vaut)
PC-Lüfter im Fenster sorgen dafür, dass die Luft im Raum regelmäßig ausgetauscht wird. So soll an der Umlachtalschule in Ummendorf die Luft gereinigt werden. Heiner Vaut

So setzt man an der Umlachtalschule in Ummendorf (Kreis Biberach) auf PC-Lüfter, die die Luft in den Klassenzimmern umwälzen. Die kleinen Ventilatoren sind auf ein Holzbrett geschraubt, welches anstelle einer Fensterscheibe eingesetzt wurde. Gegenüber dem SWR äußerten Lehrer ihre Erleichterung. Da sie die offizielle Vorgabe, im Winter regelmäßig zu lüften, für nicht praktikabel halten, waren sie besorgt über das höhere Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Jetzt werde man in den kommenden Monaten sehen, wie sich das System bewähre. Zwar hätten einzelne Schulen Luftgütemesser beschafft oder sich mit individuellen Lösungen vorbereitet, dennoch finde Unterricht in vielen Klassenräumen statt, "deren Fenster keinen Luftaustausch ermöglichen", so Moritz gegenüber dem SWR. "Es gibt keinen Plan B für den Herbst."

Einschulung unter Pandemie-Bedingungen

Für mehr als 100.000 Kinder in Baden-Württemberg hat in diesen Tagen mit ihrer Einschulung ein neues Kapitel begonnen. Doch das Coronavirus hat auch hier vieles durcheinandergewirbelt. Als Schulleiter musste Jörg Fröscher an seiner Schule in Ditzingen die Einschulungsfeier gleich viermal hintereinander abhalten. Zudem durften nur zwei Personen mitkommen. Ein Hygienekonzept musste auch die Ameisenbergschule in Stuttgart für den Einschulungstag entwickeln. "Wir müssen an ganz viel denken und immer wenn ich denke, ich habe alles eingeplant, ploppt was Neues auf", so die Schulleiterin Katja Conzelmann. Anstatt miteinander, wurden die drei neuen ersten Klassen nacheinander eingeschult.

Video herunterladen (5 MB | MP4)

Skepsis über Schulstart unter Coronavirus-Bedingungen

Auf all die Schauplätze abseits der regulären, üblichen Schuljahresvorbereitung seien die Schulen gut vorbereitet gewesen, bilanziert die GEW die erste Schulwoche rückblickend. "Die Freude über den Präsenzunterricht ist bei allen Beteiligten groß", so die Landesvorsitzende Doro Moritz. Doch wie geht es weiter? Im Gespräch mit dem SWR berichtet sie von Gesprächen mit Lehrern, die ein mulmiges Gefühl hätten. Auch gelinge es nicht, den Bildungsanspruch und den Gesundheitsschutz unter einen Hut zu bringen.

Einige Verantwortliche an den Schulen äußerten zudem Kritik an den oft nicht ausreichend formulierten Hygienevorschriften, beispielsweise im Sportunterricht. "Wir hoffen, dass wir den Betrieb auf dem gegenwärtigen Niveau möglichst lange weiterführen können", bilanziert Markus Kuhn die Situation für sein Gymnasium in Giengen. Ob das derzeitige Vorgehen eine dauerhafte Lösung darstellt, ist für viele Verantwortliche aber noch unklar. Das Kultusministerium müsse jetzt dringend die praktischen Erfahrungen der ersten Schultage systematisch aufarbeiten und daraus pragmatische Handlungsanweisungen für Schulen und, wo nötig, Verbesserungen in der Corona-Verordnung ableiten, heißt es in einem Fazit der Initiative "Familien in der Krise".

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Hospitalisierungsinzidenz steigt minimal

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN