Betriebsärzte unter Druck (Foto: dpa Bildfunk, Swen Pförtner)

Kritik der Metallarbeitgeber

Manche Betriebsärzte gehen bei der Impfstoffverteilung in Baden-Württemberg leer aus

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Je näher der bundesweite Impfstart für Betriebsärzte am 7. Juni rückt, desto klarer wird: Nicht alle, die wollen, können dann auch los legen. Auch in Baden-Württemberg nicht.

Die baden-württembergischen Metallarbeitgeber sind unzufrieden mit den Vorbereitungen für den bundesweiten Impfstart der Betriebsärzte. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Südwestmetall, Peer-Michael Dick, sagte dem SWR, es gebe Unternehmen, die den Impfstoff zwar fristgerecht bis vergangenen Freitag bei der Apotheke bestellt hätten. Die bereits zugesagten Impfdosen bekämen sie aber nur teilweise oder gar nicht. Das sei eine maximale Enttäuschung.

Einige Unternehmen sind schon wieder abgesprungen

Betriebe hätten sich intensiv vorbereitet - unter anderem mit Impfstraßen und Ruheräumen. Sie könnten ihre Impfstrukturen nicht wochenlang aufrechterhalten, so Dick. Er bezweifelt deshalb, ob weiterhin so viele Unternehmen dabei bleiben. Einige hätten auch bereits schon wieder abgesagt.

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Außerdem, so der Vorwurf an die Landesregierung, seien immer noch Fragen offen etwa beim Thema der Haftung. Andere wichtige Bereiche wie die Kostenübernahme beispielsweise oder die Datenübertragung von geimpften Mitarbeitenden seien teilweise erst seit letzter Woche geklärt.

"Der Impfstart zum 7. Juni ist definitiv nicht bei allen Betriebsärzten machbar."

Dick kritisierte erneut die Impfstrategie in Deutschland und Europa. Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden. Es hätte mehr sein können, davon sei er überzeugt.

In der ersten Impfwoche ab dem 7. Juni ist die Menge laut Bundesgesundheitsministerium auf 804 Dosen pro Betriebsarzt begrenzt. Verimpft wird anfangs nur das Vakzin von Biontech/Pfizer. Ab Mitte Juni kommen auch Impfstoffe anderer Hersteller hinzu.

Landesgesundheitsminister Lucha zeigt sich verwundert

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) reagierte erstaunt auf die Kritik der Metallarbeitgeber. Lucha sagte dem SWR, er wisse nicht, was die Arbeitgeber dazu bewogen habe. Man habe zusammen mit der Industrie- und Handelskammer exemplarisch die Infrastruktur für Betriebsimpfungen aufgebaut. Diese vertrete ja auch Betriebe, die bei Südwestmetall organisiert seien.

Manfred Lucha (Bündnis 90Die Grünen). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
picture alliance/dpa | Marijan Murat

Natürlich sei am Anfang noch wenig Impfstoff da, er kenne aber viele Betriebe, die darauf warteten, sagte Lucha in Heilbronn. Dort war er am Mittwoch bei der Marbach-Gruppe zu Gast.

Modell-Betriebe bekommen Impfstoff vom Land, alle anderen vom Bund

Der Heilbronner Verpackungshersteller für medizinische Produkte zählt zu den landesweit zwölf Unternehmen aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur, die bereits Corona-Impfungen durch Betriebsärzte anbieten. Den Impfstoff - rund 1.200 Dosen Moderna - hat das Land geliefert.

Alle anderen Unternehmen sind dagegen ab Juni auf den Bund angewiesen und müssen dort ihren Bedarf anmelden. Der Impfstoff wird dann über den Arzneimittelgroßhandel und die Apotheken an die Betriebsärzte geliefert. Die erste Runde der Bestellungen ist bereits beendet.

Lucha bislang zufrieden mit der Impf-Infrastruktur

Lucha sagte in Heilbronn, das Impfen in den Modell-Betrieben, die er bislang besucht habe, funktioniere im Prinzip überall. Die Unternehmen machten stellvertretend für alle anderen Erfahrungen mit dem Impfen. Den Hinweis von Verantwortlichen der Marbach-Gruppe, wonach die Informationen zur Durchführung hätten intensiver sein sollen, nehme man aber mit, so Lucha.

Wie viele Betriebsärzte im Land im Einsatz sind, ist unklar

Wie viele Betriebe sich insgesamt in Baden-Württemberg angemeldet haben, ist nicht klar. Das Bundesministerium verwies in einer SWR-Anfrage auf die Zuständigkeit der Landesregierung. Diese verwies wiederum auf den Bund.

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