Stadt Heidelberg kämpft gegen Schotter-Gärten (Foto: dpa Bildfunk, Carmen Jaspersen)

Insektenfeindliche Steinflächen

Schottergärten in BW: Besitzer trennen sich kaum

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Wer will seinen Schottergarten zurückbauen? Fast niemand, so der Eindruck in Baden-Württemberg. Das Interesse an Förderprogrammen für den Rückbau geht gegen null.

Gartenbesitzerinnen und -besitzer trennen sich offenbar ungern von Schottergärten: Obwohl manche Kommunen in Baden-Württemberg den Rückbau der Steinwüsten sogar finanziell unterstützen, ist das Interesse gering. So verzeichnete beispielsweise die Stadt Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) bisher keine einzige Anfrage, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Bis zu 1.300 Euro zahlt die Stadt demjenigen, der die insektenfeindlichen Schotterflächen aus seinem Garten entfernt und stattdessen dauerhaft begrünt. "Bisher wurde noch kein Antrag gestellt", sagte der Sprecher.

Kaum Resonanz auf Fördergelder

Auch Pforzheim will Interessierte mit bis zu 500 Euro unterstützen, wenn sie Schottersteine gegen Grünflächen, Blumen oder Stauden tauschen wollen. Bisher sei allerdings erst ein Antrag eingegangen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Karlsruhe hatte Ende 2021 für sechs Wochen ein zusätzliches Förderbudget für den Rückbau der Steinwüsten aufgelegt. Auch hier gab es wenig Resonanz: Aus fünf Beratungen seien letztlich drei bewilligte Förderungen geworden, sagte ein Sprecher.

Schottergarten (Foto: IMAGO, imago images / Manfred Ruckszio)
Schottergärten bieten keinen Raum für Tiere und Insekten. imago images / Manfred Ruckszio

Naturschützer stellen "erschreckende Gleichgültigkeit" fest

Wie viele solcher Gärten es in Baden-Württemberg gibt, ist unklar. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau hat keine Zahlen dazu, ebenso wenig wie der Landesnaturschutzverband (LNV) Baden-Württemberg. Auch Walldorf, Pforzheim und Karlsruhe haben dazu keine Informationen jeweils für ihre Stadt. Neuanlagen solcher insektenfeindlicher Gärten sind seit der Änderung des Naturschutzgesetzes im Juli 2020 in Baden-Württemberg ohnehin verboten. Insgesamt sei die Haltung von Gartenbesitzern und auch Kommunen "erschreckend gleichgültig", erläutert eine Sprecherin des Landesnaturschutzverbandes. Wenn Privatleute Schottergärten trotz des Verbots anlegten und das den zuständigen Baurechtsbehörden gemeldet werde, komme von dort oft keine Reaktion "oder stattdessen die Antwort, keine Kapazität zu haben, dem nachzugehen".

Abbau eines Schottergarten (Foto: SWR)
Nur selten lassen Besitzerinnen und Besitzer ihren Schottergarten abbauen.

"Die Schotterliebhaber sind sehr überzeugt von ihrem Garten"

Immerhin ist die Nachfrage bei Gartenbetrieben nach neuen Schottergärten praktisch tot, sagt ein Sprecher des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. "Kein redlicher Betrieb würde einen solchen Auftrag noch annehmen", erläutert er. Gartenbau-Betriebe berichten ebenfalls von wenig Nachfrage am Rückbau. "Die Schotterliebhaber sind in der Regel sehr überzeugt von ihrem 'Garten'", berichtet Thomas Westenfelder von der Firma Westenfelder Garten- und Landschaftsbau in Eggenstein-Leopoldshafen (Kreis Karlsruhe). Auch die Firma Mohr Garten- und Landschaftsbau in Gondelsheim (Kreis Karlsruhe) trifft bei ihrer Kundschaft auf null Interesse, was Aufträge für den Rückbau betrifft. "So gut wie niemand kommt auf uns zu", sagt Inhaber Markus Mohr. Er hat jetzt 2.000 Stauden gekauft und bietet sie ab Mai auf seiner Website an für einen Euro pro Stück - "für jeden, der einen Quadratmeter seines Schottergartens zurückbaut und dort eine dieser Stauden setzt".

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