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Eine Studie empfiehlt die Schließung vieler Krankenhäuser in Deutschland. Der baden-württembergische Sozialminister sieht seine Politik bestätigt - Krankenhausvertreter sind alarmiert.

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sieht sich durch die Bertelsmann-Studie zur Kliniklandschaft in Deutschland in seiner Politik bestätigt. Der Studie zufolge müsste für eine bessere medizinische Versorgung mehr als jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden. Krankenhäuser müssten sowohl die notwendige Spezialisierung als auch die gebotene Breite des medizinischen Spektrums mit ausreichendem Personal abbilden können, so Lucha. "Das sind nun einmal vor allem größere und besonders leistungsfähige Krankenhäuser", sagte er am Montag.

Krankenhäuser weichen Zentralkliniken

Die Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg sei in einem gewaltigen Umbruch. Viele kleinere Krankenhäuser seien bereits geschlossen worden. Zum Beispiel in Südbaden: In Lörrach entstehe ein Zentralklinikum, das vier bisherige Krankenhäuser ersetze. Im Ortenaukreis werde man aus neun Krankenhäusern vier große und leistungsfähige Kliniken machen. Auch im Kreis Böblingen bündele man die stationären Kapazitäten im neuen Flugfeldklinikum. Im Landkreis Waldshut solle ein Zentralklinikum entstehen - ebenso wie Zollernalbkreis. Dort ist zwischen Albstadt und Balingen ein Neubau geplant:

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Lucha verweist auf Fördermittel in Rekordhöhe

Die Bedürfnisse jeder einzelnen Region müssten gesondert betrachtet werden und die flächendeckende Versorgung sichergestellt sein, so Lucha. Ambulante und stationäre Versorgung müssten mit Pflege und anderen Gesundheitsdienstleistern verzahnt werden. Chaotisch verlaufende Krankenhausschließungen, die Versorgungslücken hinterließen, seien völlig inakzeptabel.

Lucha wies darauf hin, dass mit über 570 Millionen Euro so viel Fördermittel für Krankenhausinvestitionen in Baden-Württemberg zur Verfügung stünden, wie nie zuvor. Dazu trägt laut Ministerium auch der Strukturfonds des Bundes bei. Weil die Investitionen der Landesregierung selbst für den Krankenhausbau 2019 jedoch leicht zurück gingen, war Lucha im vergangenen Dezember von der Opposition kritisiert worden.

Krankenhausgesellschaft: Studie behandelt Mitarbeiter wie Spielfiguren

Empörung löste die Bertelsmann-Studie bei der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) aus. Sie fordere letztlich eine Zerschlagung der bisherigen Versorgungsstrukturen und schüre Ängste in der Bevölkerung. Dabei stünden "zweifelhafte Annahmen im Vordergrund und nicht die tatsächliche Versorgungsrealität", kritisierte der BWKG-Vorstandsvorsitzende, Detlef Piepenburg, in Stuttgart. Die Studie sehe die Mitarbeitenden als Verfügungsmasse, die wie Spielfiguren beliebig versetzt werden könnten. Außerdem blende sie die Bedürfnisse der Menschen aus.

Zentralisierung soll Qualität schaffen

Die Bertelsmann Stiftung hatte in einer am Montag veröffentlichter Studie vorgeschlagen, mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland zu schließen. Das entspricht einer Verringerung von 1.400 auf 600 Krankenhäuser. Das Argument: Eine Bündelung von Ärzten, Pflegepersonal und medizinischen Geräten an weniger Kliniken könnte die Qualität der Versorgung verbessern.

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