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Mit einem speziellen Beratungsangebot will die Evangelische Landeskirche in Württemberg Menschen helfen, deren Angehörige anfällig für Verschwörungsmythen sind. So soll ein Kontaktabbruch verhindert werden.

Menschen fühlen sich oftmals allein gelassen, wenn sie sehen, dass Angehörige in Verschwörungswelten abdriften und auf Gegenargumente nicht mehr eingehen. Ihnen wird jetzt unter anderem von Philipp Kohler in der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart geholfen. Er beschäftigt sich bei der Evangelischen Kirche mit verschiedenen religiösen Gruppen und Sekten.

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Mehr Anfragen seit Corona-Krise

Seit der Corona-Pandemie melden sich bein ihm verstärkt Menschen, die nicht mehr weiter wissen, weil Angehörige den Dialog nicht mehr zulassen: "Jemand hat seit Jahren Kontakt vielleicht mit einem Angehörigen, der Verschwörungstheorien oder Verschwörungsglauben teilt oder selbst davon betroffen ist. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr miteinander sprechen kann, dass man keine gemeinsame Basis hat, und dann kann es schon zu einem Kontaktabbruch kommen."

Kontaktabbruch von Angehörigen

Solche Geschichten von Angehörigen, die irgendwann nicht mehr zu erreichen sind, werden derzeit bei Twitter geteilt. Eine Nutzerin beschreibt, wie sie nach jahrelangen Bemühungen doch den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat: "Gestern war der Tag, an dem ich meiner Mutter gesagt habe, dass ich keine Schwurbel-Esoterik-Verschwörungsvideos mehr geschickt haben möchte." Und weiter: "Meine Mutter war über 30 Jahre im Öffentlichen Dienst angestellt, war engagierte Sozialdemokratin und geschichtlich interessiert. Jetzt denkt sie, die Regierung will uns mit Chemtrails vergiften."

Nicht aufgeben als Devise

Philipp Kohler von der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen kennt diese typischen Verschwörungsmuster aus der Beratung. Selbst bei den verrücktesten Geschichten gebe es noch Möglichkeiten für einen Dialog mit Fragen wie: "Was hat Dich dazu gebracht, dass Dich gerade das überzeugt?"

Endzeitdaten als typisches Muster

In Chatgruppen der Demonstrationen gegen die Maßnahmen in der Pandemie wird behauptet, bald käme ein großer Lockdown. Der Organisator der Stuttgarter Demonstrationen will sich dazu nicht äußern. Auch in Mails an den SWR wird vor kriegsähnlichen Zuständen gewarnt. Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, sieht darin ein typisches Muster. Dabei würden immer wieder vermeintliche Endzeitdaten herausgegeben, um die eigene Anhängerschaft in Panik zu versetzen und zu mobilisieren. Wenn das dann nicht eintrete, dann werde einfach die nächste Endzeit-Verschwörung angekündigt, so Blume. Dem nur mit Fakten zu begegnen, bringe nichts. Das zeigt sich auch in der Beratung von Philip Kohler. Stattdessen fragt er nach und geht dem Grund für die Überzeugung nach. So könnten Menschen den Kontakt mit den Angehörigen halten, heißt es in den Beratungsangeboten der Evangelischen Kirche Württemberg.

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