Blick in das Sprechzimmer einer Hausarztpraxis (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Monika Skolimowska)

Corona-Lage in Baden-Württemberg

Trotz sinkender Corona-Zahlen: Hausarztpraxen arbeiten an Belastungsgrenze

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Die Hausarztpraxen in Baden-Württemberg hätten die Hauptlast der Corona-Pandemie zu tragen, meint der Hausärzteverband im Land - und übt scharfe Kritik an der Politik.

Obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg kontinuierlich zurückgeht, arbeiten die Hausarztpraxen im Land weiterhin an ihrer Belastungsgrenze. Die Auslastung sei nach wie vor sehr groß, teilt der Hausärzteverband Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage mit. "Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung liegt die Hauptlast der Corona-Versorgung in den Praxen, die 90 Prozent der Covid-Erkrankten behandelt haben", sagt Verbandssprecher Felix Bareiß.

"Die Praxen sind damit der Schutzwall des deutschen Gesundheitssystems."

Denn trotz der sinkenden Infektionszahlen gebe es weiterhin viele Neuinfektionen, die in den Praxen im Land behandelt werden müssten, erklärt Bareiß. Auch die telefonische Beratung von Patientinnen und Patienten sowie die Testungen nehme weiterhin viel Zeit in Anspruch. "Die Praxisteams arbeiten am Rande ihrer Belastungsgrenzen und nicht selten auch auf Kosten ihrer Gesundheit", macht Bareiß deutlich.

Ganz so klar sieht das die Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), die für alle niedergelassenen zugelassenen Ärzte und Psychotherapeuten zuständig ist, nicht. Man nehme an, dass sich die Lage derzeit wieder etwas beruhigt habe, sagt Pressesprecherin Eva Frien auf SWR-Anfrage. Jedoch seien die Ärztinnen und Ärzte nicht verpflichtet, der KVBW mitzuteilen, wie die aktuelle Situation sei.

Behandlung von Ukraine-Flüchtlingen kommt hinzu

Zwar sei die Nachfrage nach Impfungen stark zurückgegangen. Allerdings: "Arztpraxen, die uns anrufen, berichten auch, dass sie trotzdem noch einen erheblichen Aufwand im Umgang mit Coronapatienten und -patientinnen in der Infektsprechstunde haben", sagt Frien. Hinzu komme der größere Hygieneaufwand und der erhöhte Bedarf durch die Behandlung der Flüchtlinge aus der Ukraine.

Auch im vergangenen Herbst arbeiteten viele Hausarztpraxen bereits an ihrer Belastungsgrenze, wie dieser Beitrag zeigt:

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Osterferien verschärfen Situation in manchen Regionen

Verschärft wird die Situation in diesen Tagen noch durch die Osterferien. Da einige Praxen geschlossen haben, steigt das Pensum bei deren Vertretungen noch einmal an. Jedoch lasse sich das nicht pauschal sagen, die Situation variiere je nach Region, erklärt die Vorsitzende des baden-württembergischen Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth gegenüber dem SWR.

Darüber hinaus haben manche Praxen selbst mit Ausfällen ihrer Mitarbeitenden zu kämpfen, wenn diese sich mit Corona infiziert haben. Auch sei die Versorgung der Covid-Patienten mit viel Bürokratie verbunden, die es abzubauen gelte, erklärt Buhlinger-Göpfarth. Viele Praxisteams seien am Ende ihrer Kräfte. Die Versorgung der Patientinnen und Patienten sei aber seit Beginn der Pandemie sichergestellt.

Viele Hausarztpraxen sehen Arbeit nicht wertgeschätzt

Umso größer scheint die Enttäuschung bei vielen Hausärztinnen und Hausärzten. Sie fühlen sich von der Politik alleinegelassen, ihre Arbeit und ihren Einsatz nicht angemessen honoriert. "Dies war der Politik bisher keine messbare Wertschätzung wert, beispielsweise durch eine Bonuszahlung an unsere Medizinischen Fachangestellten", klagt Bareiß vom Hausärzteverband.

"Balkonapplaus ist leider keine gültige Währung. Viele Praxisteams sind enttäuscht von der Politik und den Kassen."

Auch der Wegfall der Maskenpflicht in Innenräumen ist für die Verbände nur schwer nachzuvollziehen. Es sei nachgewiesen, dass Masken zu den wirksamsten Instrumenten beim Schutz vor vielen Krankheitserregern gehören, sagt Bareiß. Daher würden die immer noch hohen Infektionszahlen nun eben langsamer sinken.

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Das sieht man bei der KVBW ähnlich. "Wir würden es auch begrüßen, wenn die Maskenpflicht in Innenräumen beibehalten werden würde, denn die so geschützten Menschen kämen dann erst recht nicht als Corona-Patienten in die Arztpraxen“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johannes Fechner.

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