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Nach dem Stopp der Astrazeneca-Impfungen sind viele Fragen offen: Was passiert mit meinem Termin? Wer ist jetzt dran? Was ist mit den anderen Impfstoffen? Hier finden Sie Antworten.

Welche Termine werden abgesagt?

In Baden-Württemberg fallen wegen der gestoppten Astrazeneca-Impfungen sehr große Mengen an Impfstoff weg. Zuletzt hatte das Land täglich rund 15.000 Impfungen mit Astrazeneca durchgeführt, entsprechend viele Termine müssen nun abgesagt werden. Folgende Regelungen hat das Gesundheitsministerium getroffen: Die Terminabsagen gelten zunächst bis einschließlich Montag, 22. März, und umfassen Erstimpfungen. Spätere Termine bleiben zunächst bestehen. Menschen, deren Ersttermin abgesagt wurde, werden gebeten, die Informationen zum Zweittermin aufzubewahren. Bislang haben in Baden-Württemberg noch keine Zweitimpfungen mit Astrazeneca stattgefunden.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) geht fest davon aus, dass der Stopp für den Impfstoff Astrazeneca wieder aufgehoben wird. "Ich habe auch großes Vertrauen in diesen Impfstoff", sagte Lucha im Stuttgarter Landtag. Man müsse akzeptieren, wenn die Wissenschaft sage, sie wolle die Nebenwirkungen nochmal überprüfen. "Wir planen um", sagte Lucha. Er hoffe, dass es bis Donnerstag wieder grünes Licht für den Impfstoff gebe, dann könne man zu Beginn der der kommenden Woche wieder loslegen.

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Welche Menschen werden jetzt zuerst geimpft?

"Wir werden die stark verminderten Impfstoffmengen jetzt dazu nutzen, die besonders vulnerablen Menschen aus der ersten Priorität vorrangig zu impfen", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag. Die Abarbeitung der Warteliste mit Menschen über 80 und über 65 aus Berufsgruppen aus der ersten Priorität habe absoluten Vorrang. Man wolle jetzt möglichst viele Termine durch direkte Umbuchungen auf die beiden anderen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sicherstellen und so "zeitnahe" Impfungen ermöglichen.

Was passiert, wenn mein Impftermin abgesagt wurde?

Für die Abarbeitung der Warteliste wird das Terminbuchungssystem zunächst bis Montag, 22. März, geschlossen. Für diese Zeit können weder telefonisch noch online Termine in den Impfzentren gebucht werden. Die Menschen auf der Warteliste werden direkt durch das Callcenter informiert, wenn ein Termin für sie verfügbar ist. Wer am Dienstag (16. März) eine Absage für einen mit Astrazeneca gebuchten Termin erhalten hat, wird hinter den Menschen aus der ersten Priorität auf die Warteliste genommen. Sobald die Warteliste der über 80-Jährigen abgearbeitet ist, kommen jene zum Zug, die bereits einen Termin mit Astrazeneca gebucht hatten und deren Termin nicht auf einen anderen Impfstoff umgebucht werden konnte.

Was ist mit den Terminen mit anderen Impfstoffen?

Alle bereits gebuchten Termine mit Biontech/Pfizer oder Moderna bleiben bestehen. Das gilt für alle Menschen aus der ersten und der zweiten Priorität, egal welchen Alters. Sofern auf der Terminbestätigung der Impfstoff nicht vermerkt ist, lässt sich anhand des Abstands zwischen Erst- und Zweittermin feststellen, um welchen Impfstoff es sich handelt. Bei einem Abstand von neun Wochen und mehr handelt es sich um einen Termin mit Astrazeneca. Kürzere Abstände bedeuten, dass die Termine auf Biontech oder Moderna gebucht sind. Termine mit diesen beiden Impfstoffen finden unverändert statt.

Können die Impfzentren nicht einfach auf Biontech umsteigen?

Ein kompletter Umstieg auf Biontech für alle vereinbarten Termine ist nicht möglich. Das ist schlicht dem Mangel an Impfstoff generell geschuldet. "Es gibt dafür einfach zu wenig", sagt ein Sprecher des Kreisimpfzentrums Bühl (Kreis Rastatt). Vereinzelte Impfzentren stellen allerdings auf andere Impfstoffe um: Im Kreisimpfzentrum Göppingen erhielten die Menschen, die am Dienstag Astrazeneca hätten bekommen sollen, stattdessen eine Impfung mit Biontech. Das sei aber nur deswegen möglich gewesen, weil es eine kleine Reserve des Vakzins gegeben habe, hieß es. Im Hohenlohekreis sollen die vergebenen Termine bis Montag nicht storniert, sondern stattdessen der Biontech-Impfstoff verwendet werden. Dieser war eigentlich für Termine kommende Woche geplant, die bald online verfügbar gemacht werden sollten. Diese werden nun erst einmal nicht stattfinden können, teilte das Landratsamt mit. Im Tübinger Impfzentrum bleiben alle bis zum 22. März geplanten Astrazeneca-Impftermine bestehen - "die Betroffenen erhalten bis auf weiteres als Ersatz eine Impfung mit dem Biontech-Impfstoff", hieß es. Auch Karlsruhe impft nun bei rund 4.000 schon geplanten Terminen mit anderen Impfstoffen statt dem ursprünglich geplanten Astrazeneca. Das Mannheimer Impfzentrum teilte mit, dass am Mittwoch für Astrazeneca-Termine ein anderer Impfstoff zum Einsatz komme.

Reduzieren die Impfzentren jetzt ihren Betrieb?

In den beiden Impfzentren im Landkreis Karlsruhe sind nur noch 24 statt 60 Menschen je Schicht im Einsatz, sagte der Leiter der zwei Impfzentren im Kreis, Dieter Hassler. In den beiden Zentren waren täglich je 300 Astrazeneca-Dosen verimpft worden. Im Impfzentrum Calw wurde komplett auf Einschichtbetrieb umgestellt, nachdem zuvor an zwei Tagen pro Woche zwei Schichten im Einsatz waren. Statt 3.000 würden hier nur noch 570 Impfungen pro Woche verabreicht, sagte eine Sprecherin.

Kann die geplante Impfung durch Hausärzte ab April trotzdem starten?

Man weiß es nicht. Es sei ja bisher nicht absehbar, bis wann die Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland ausgesetzt bleiben werden und wie es weitergeht, erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums. "Ob und welche Auswirkungen dies auf die geplante breitere Beteiligung der Praxen haben wird, lässt sich daher noch nicht abschätzen."

Schwindet durch den Impfstopp das Vertrauen in den Impfstoff noch weiter?

Der Leiter des Stuttgarter Klinikums, Jan Steffen Jürgensen, rechnet mit einem schwierigen Neustart für das Vakzin. "Natürlich könnte es sein, dass der Ruf des Impfstoffes weiter leidet. Psychologisch und kommunikativ wurde und wird Astrazeneca weiter in die falsche Ecke gestellt." Daten aus Großbritannien von vielen Millionen Geimpften zeigten eine sehr gute Verträglichkeit und vor allem einen sehr hohen Schutz vor schweren Verläufen, auch bei Älteren und schon früh nach der ersten Impfung. "Das gilt es abzuwägen gegen die Bedrohung durch Covid-19. Schwerere Covid-19-Verläufe gehen in etwa jedem vierten Fall mit Thrombosen und Embolien einher."

Auch der medizinische Leiter des Kreisimpfzentrums Heilbronn-Horkheim, Martin Uellner, nannte den Stopp für Astrazeneca sehr bedauerlich. "Zum einen ist es schade, weil solange noch weniger Impfstoff zur Verfügung stehen wird als sowieso schon. Zum anderen wird die Impfbereitschaft nachlassen, weil sicher mehr Menschen nun Astrazeneca nicht nehmen werden wollen."

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