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Baden-Württemberg fühlt sich bei den Lieferungen für die Corona-Impfstoffe vom Bund benachteiligt. Es würden weniger Impfdosen ankommen, als dem Land eigentlich zustehen.

Baden-Württemberg hat sich beim Bund über die Verteilung des Corona-Impfstoffes auf die Bundesländer beschwert. Man habe bis einschließlich vergangener Woche rund 95.000 Dosen Impfstoff weniger bekommen, als dem Land gemäß Bevölkerungsschlüssel zustünden, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums am Donnerstag mit. Dies gehe aus einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts hervor.

Problem: nicht abgerufene Impf-Dosen

Weil Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg weniger Impf-Dosen abrufen würden, lande nun weniger Impfstoff im Land. Sollten sie Impfstoff nicht abrufen, müsse dieser an die Impfzentren des Landes gehen und nicht an die Ärzteschaft in anderen Bundesländern. Der Sprecher nannte etwa Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland liege rund 130.000 Dosen im Plus.

Ärzte bekommen weniger, als sie bestellen

Dass die Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg weniger Impfstoff abgerufen hätten, könne er so nicht bestätigen, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) am Donnerstag. Die Lage sei sehr unterschiedlich. Es gebe durchaus auch Ärztinnen und Ärzte, die weniger Impfstoff erhalten hätten als bestellt.

Geringe Akzeptanz für den Impfstoff von Astrazeneca

Doch in vielen Praxen im Land zeigten Patientinnen und Patienten eine geringe Akzeptanz für den Impfstoff von Astrazeneca, was dazu führe, dass diese Praxen künftig weniger impften. Zudem sei der Aufwand für die Organisation der Impfungen mit Astrazeneca für manche Praxen mittlerweile zu groß. Als einen weiteren Grund für einen möglichen Rückgang der Bestellungen nannte der Sprecher die Pfingstferien. "Wenn Praxen geschlossen sind, wird auch kein Impfstoff abgerufen."

Impfzentren nicht voll ausgelastet

Zugleich seien die Impfzentren in Baden-Württemberg derzeit nur zu rund 60 Prozent ausgelastet. Es gebe also durchaus Kapazitäten, den Impfstoff schnell und effizient zu impfen, sagte der Sprecher des Sozialministeriums weiter. Manfred Lucha (Grüne), Baden-Württembergs Sozialminister, habe sich in dieser Sache bereits an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt.

Auch andere Bundesländer kritisieren Verteilung des Corona-Impfstoffes

Zuvor hatten bereits Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (beide SPD) die Impfstoff-Verteilung auf die Bundesländer kritisiert. Sie beklagten ebenfalls, dass ihre Länder weniger Impfstoff bekämen, als ihnen entsprechend ihres Bevölkerungsanteils zustünde.

Impfgipfel soll Klarheit bringen

Bei einem Impfgipfel an diesem Donnerstag wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten über den Fortgang der Corona-Impfkampagne beraten. Baden-Württemberg will noch vor den Sommerferien mit den Corona-Impfungen bei Schülerinnen und Schülern beginnen.

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