Autobahn A8 bei Stuttgart in Zeiten von Corona. Es sind nur wenige Fahrzeuge unterwegs.  (Foto: IMAGO, imago images / Arnulf Hettrich)

Krieg in Ukraine treibt Energiekosten in die Höhe

Gibt es wegen der hohen Spritkosten bald wieder autofreie Sonntage in BW?

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Die baden-württembergische Umweltministerin Walker kann sich autofreie Sonntage als Sparmaßnahme vorstellen. Die hohen Energiekosten waren auch Thema im Landtag.

In der Ölkrise 1973 gab es sie schon einmal: die autofreien Sonntage, an denen die Menschen in Deutschland ihr Auto stehen lassen mussten, weil das Öl knapp war. An vier Sonntagen gehörten die Autobahnen Spaziergängern und Radfahrern. Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) kann sich in der aktuellen Situation autofreie Tage wieder vorstellen. Ihrer Auffassung nach könnten solche Aktionen den Spritverbrauch hierzulande drosseln und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten verringern.

Walker: Energiesparen wegen Ukraine-Krieg wichtig

Die Grünen-Politikerin sagte in Stuttgart, ein wichtiger Beitrag sei aber auch das Energiesparen. Und natürlich könne jede und jeder Einzelne einen eigenen Beitrag dazu leisten: zum Beispiel durch die Verwendung einer Wäscheleine statt eines Trockners oder durch die Nutzung von Bus und Bahn statt des Autos - die Palette an Möglichkeiten sei groß.

"Warum keine Tempolimits oder autofreie Sonntage wie in den 70er-Jahren? Ein Erfolg - damals wurde der Ölverbrauch stark reduziert."

Walker betonte aber auch, für Menschen, die auf das Auto dringend angewiesen seien, könne es wie damals Sonderregelungen geben. "Nicht zu vergessen, dass ein Verzicht aufs Autofahren die Umwelt schont, vor allem aber auch ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine wäre."

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Energie-Experte: "Manche müssen zur Arbeit fahren"

Amadeus Bach von der Universität Mannheim sagte im SWR-Interview über den Vorschlag Walkers: "Ich denke, dass es gesellschaftlich schwer sein wird, das durchzubringen." Auch das Verbot von Sonntagsfahrten hält er für schwierig: "Manche müssen zur Arbeit fahren. Es wäre besser, die Menschen zu informieren, wie sie ihren Verbrauch senken können und entsprechende Anreize für Nahverkehr und Elektromobilität zu setzen", so Bach.

Hermann: Maßnahmen zur Senkung der Ölimporte sind wichtig

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unterstützt die Forderung von Walker. Hermann sagte, jeder und jede könne etwas tun: "Statt im eigenen Auto mehr mit Bussen und Bahnen fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder öfter das Auto mal stehen lassen."

Zugleich müsse auf politischer Ebene ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um die Ölimporte zu senken. "Dazu zählen unter anderem autofreie Sonntage und Tempolimits", so Hermann.

Autofreie Sonntage bei Ölkrise in den Siebzigern

Angesichts der Ölkrise 1973 hatte die Bundesregierung vier autofreie Sonntage und ein vorübergehendes Tempolimit verordnet - 100 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen.

Umweltministerin Walker sagte, die Bundesregierung unternehme aktuell alle nötigen Anstrengungen, die Energieversorgung auf ein breiteres Fundament zu stellen, um möglichst schnell unabhängig von Gas, Öl und Kohle aus Russland zu werden. Dazu zählten das Anlegen von Reserven, die Suche nach neuen Lieferwegen sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien, den sie vorantreibe.

Hohe Energiepreise Thema im BW-Landtag

Auch der Landtag von Baden-Württemberg befasste sich am Donnerstag auf Antrag der AfD mit der Energieversorgung und den steigenden Preisen. Die Inflation verbunden mit steigenden Energiekosten machten Pläne von Häuslebauern zunichte, so die AfD.

Die Partei kündigte darüber hinaus an, bei der Debatte eine Verlängerung der Laufzeiten der letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland zu fordern. Allerdings haben das zahlreiche Experten bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Auch für die baden-württembergische Landesregierung sowie den Energiekonzern EnBW ist dies keine Option.

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Verkehrsminister Hermann: steigende Preise bei ÖPNV vermeiden

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat ein baldiges Treffen mit Unternehmensverbänden und kommunalen Verkehrsträgern im Land angekündigt. Er nehme die Sorgen der Verkehrsunternehmen ernst, die gebeutelt von der Pandemie jetzt auch durch die Energie- und Spritpreise unter Druck gerieten.

Man müsse nun dringend sprechen, denn es gehe jetzt darum, die steigenden Energiekosten nicht auf die Tickets im Öffentlichen Personennahverkehr weiterzugeben. "Die Unternehmen sind ein wichtiges Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Für die Verkehrswende brauchen wir gesunde Unternehmen im schienengebundenen und öffentlichen Personennahverkehr", so der Verkehrsminister.

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Der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg sprach von einer "dramatischen Entwicklung" seit dem Wochenende. Die Spediteure würden, je nach Größe des Betriebs, durch die kurzfristig gestiegenen Dieselpreise mit mehreren 100.000 Euro belastet.

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