Kommt bald Verweilverbot auf dem Schlossplatz in Stuttgart? (Foto: Imago, IMAGO / Arnulf Hettrich)

Auseinandersetzungen mit Polizei am Wochenende

Nach Randale in Stuttgart, Heidelberg und Tübingen: Gastronomie-Öffnungen und Verweilverbote gefordert

STAND

In Baden-Württemberg kam es am Wochenende zu Ausschreitungen. Nun fordern mehrere Oberbürgermeister, die Gastronomie länger zu öffnen. Und auch andere Konsequenzen werden verlangt.

Video herunterladen (6 MB | MP4)

Ob in Stuttgart, Tübingen, oder Heidelberg - in vielen Städten Baden-Württembergs sind am Wochenende nach zunächst friedlichen Feiern Jugendliche und Polizisten und Polizistinnen aneinandergeraten. Als mögliche Konsequenz haben die Oberbürgermeister von Stuttgart, Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis), Tübingen und Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) vorgeschlagen, die Corona-Sperrstunde aufzuheben.

@Freiheit muss man verantworten

https://www.gea.de/neckar-alb/kreis-tuebingen_artikel,-nach-corona-verstößenboris-palmer-für-aufhebungder-corona-sperrstunde-_arid,6445354.htmlPosted by Boris Palmer on Monday, May 31, 2021

Es sei kontraproduktiv, wenn die Gastronomie um 21 Uhr oder 22 Uhr schließen müsse, heißt es in einem Appell der Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU/Schwäbisch Gmünd), Boris Palmer (Grüne/Tübingen), Frank Nopper (CDU/Stuttgart) und Matthias Klopfer (SPD/Schorndorf) an die Landesregierung.

"Die Schließung der Gastronomie reduziert die soziale Kontrolle und fördert aggressive Zusammenballungen."

Spätere Sperrstunde und Alkoholverbote sollen Lage beruhigen

An die Landesregierung appellieren die Oberbürgermeister, bis zum kommenden langen Wochenende Vorkehrungen gegen eine Wiederholung des Nachtstresses für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Hauseigentümer und -eigentümerinnen in den Innenstädten zu treffen: "Die Polizei muss in den Städten bei Nacht Präsenz zeigen und die Corona-Sperrstunde für die Gastronomie sollte in einem ersten Schritt auf 23 Uhr verschoben werden. Wo es notwendig ist, können lokale Alkoholkonsumverbote hinzukommen, dann bekommen wir die Lage wieder unter Kontrolle", heißt es in dem Appell der vier Oberbürgermeister.

Nach dpa-Informationen gibt es in der Landesregierung bereits Überlegungen, die derzeit geltende Sperrstunde "der Lebensrealität" anzupassen. Mit der anstehenden nächsten Änderung der Corona-Verordnung könnte sie demnach auf 24 Uhr nach hinten verlegt werden.

Mehrere verletzte Polizistinnen und Polizisten in Stuttgart

Auf dem Schlossplatz in Stuttgart hatten sich am Samstagabend laut Polizei zwischen 500 und 600 Menschen versammelt. Die Stimmung sei gekippt, als Polizisten Feiernde wegen des geltenden Alkoholverbots und der Corona-Regeln ansprachen. Flaschen flogen, es wurde beleidigt, gestoßen, gespuckt. Es kam zu Auseinandersetzungen. Fünf Polizistinnen und Polizisten seien verletzt worden, hieß es. Die Treppe auf dem Schlossplatz war bereits am Abend zuvor geräumt worden. Jetzt wird über ein Verweilverbot in Stuttgart nachgedacht.

Stuttgart

Auseinandersetzungen in Stuttgart, Heidelberg und Tübingen Polizisten verletzt: Bald Verweilverbot in Stuttgart?

In Baden-Württemberg gab es am Wochenende wieder Auseinandersetzungen von jungen Menschen mit der Polizei. Dabei flogen Flaschen und Steine, mehrere Polizisten wurden verletzt.  mehr...


In Tübingen geraten Polizei und Feiernde aneinander

In Tübingen waren die Spuren nach den Auseinandersetzungen vom Wochenende teils noch zu sehen: Scherben, Flaschen und Müll lagen auf den Straßen in der Innenstadt. Oberbürgermeister Boris Palmer teilte ein entsprechendes Posting auf Facebook.

https://www.facebook.com/photo?fbid=4436294776410020&set=a.305185579520981

Hunderte Menschen hatten sich in der Altstadt versammelt. Am Samstag- und Sonntagfrüh gegen 3 Uhr schickte die Polizei dann große Gruppen nach Hause. Laut Polizei wurden dabei Einsatzkräfte zum Teil beschimpft und angegriffen. Auch Feiernde gerieten aneinander. Die Polizei ermittelt jetzt gegen mehrere Personen.

Randale in Heidelberg - sind es bestimmte Gruppen?

Auch in Heidelberg musste die Polizei nach den Ausschreitungen an der Neckarwiese an Pfingsten an diesem Wochenende wieder eingreifen. Die Stadt sei am späten Samstagabend an einigen Stellen so voll gewesen, dass es kaum möglich gewesen sei, durch die Straßen zu kommen, teilte die Polizei mit. Es seien speziell geschulte Kommunikationsbeamte eingesetzt worden. Zwischen 80 und 100 Jugendliche und junge Erwachsene seien dennoch aggressiv und provokant aufgetreten. Gegen mehrere Menschen werde nach Auseinandersetzungen wegen Körperverletzung ermittelt. Ein Polizeisprecher sagte, es seien immer die Gleichen, die randalierten. Der Großteil der Jugendlichen sei friedlich.

Heidelberg

Erster Fahndungserfolg Nach Pfingst-Randale in Heidelberg: Drei Verdächtige identifiziert

Nach den Ausschreitungen auf der Heidelberger Neckarwiese am Pfingstwochenende hat die Polizei drei Verdächtige identifiziert. Sie kommen aus Mannheim und dem Kreis Karlsruhe.  mehr...

GdP: Respekt und Rücksicht auf Polizisten wird weniger

Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zeigt einerseits Verständnis für junge Menschen, die nach Monaten der Corona-Pandemie wieder feiern und Freunde treffen wollten. Andererseits beklagt er im SWR-Interview einen zunehmend rücksichtslosen Umgang der Menschen mit Polizisten. Es gebe bundesweit immer mehr Übergriffe, zum Beispiel bei Masken-Kontrollen. Das fange bei der Sprache an und werde dann schnell auch körperlich, bis zu "handfesten körperlichen Auseinandersetzungen".

Video herunterladen (7,6 MB | MP4)

Strobl verurteilt Gewaltausbrüche und lobt Polizei

Innenminister Thomas Strobl (CDU) verurteilte die Ausschreitungen am Wochenende mit Gewalt gegen Polizisten aufs Schärfste. Gleichzeitig bescheinigte er der Polizei, die Lage schnell zur Ruhe gebracht zu haben. Das Land stelle den Kommunen gesetzlich die Werkzeuge zur Verfügung, um Gewaltausbrüchen vorzubeugen, erklärte Strobl. Außer Verweilverboten könnten auch Alkoholverbote in bestimmten Gegenden verhängt werden. Eine verstärkte Videoüberwachung sei auch möglich. Zudem werde die Polizeipräsenz verstärkt, wenn kritische Situationen befürchtet würden.

Mobile Jugendarbeit hofft auf Normalität in den Städten

Die Mobile Jugendarbeit in Stuttgart sieht den Schlüssel für ein Ende der angespannten Lage in einer Rückkehr zur Normalität. Jutta Jung von der Mobilen Jugendarbeit sagte im SWR, junge Menschen hätten es seit über einem Jahr sehr schwer ihre Freizeit zu gestalten, Sport zu treiben, Freunde zu treffen. So lange das nicht gehe, würden sie Orte aufsuchen, an denen sie ihre Sehnsüchte befriedigen könnten, wie etwa den Schlossplatz in Stuttgart. Wenn sich die Lage normalisiere, "werden sich junge Menschen vornehmlich dort aufhalten, wo sie wohnen, wo sie leben. Es wird wieder sehr viel mehr Angebote für sie geben."

Von noch mehr Regelungen und Verboten hält Jutta Jung wenig. Junge Leute würden verantwortlich mit der Corona-Situation umgehen.

"Unsere Erfahrung in den letzten Wochen hat gezeigt: Je mehr Regeln und je mehr Intransparenz, desto mehr [entsteht] Auseinandersetzung oder das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Was wir brauchen ist mehr Normalität in unserer Stadt."

FDP wirft Landesregierung Versäumnisse vor

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke wiederum sieht ein Verweilverbot als "ein denkbares Mittel". Es müsse aber jeder Einzelfall geprüft werden. Stadt und Land warf er Versäumnisse hinsichtlich der Ausschreitungen am Wochenende vor. Es sei deutlich, dass sie trotz steigender Temperaturen und sinkender Inzidenzen nicht vorbereitet gewesen seien. "Auf Zusammenrottungen hätte man besser vorbereitet sein können", sagte Rülke.

Mehr zum Thema

Stuttgart

Auseinandersetzungen in Stuttgart, Heidelberg und Tübingen Polizisten verletzt: Bald Verweilverbot in Stuttgart?

In Baden-Württemberg gab es am Wochenende wieder Auseinandersetzungen von jungen Menschen mit der Polizei. Dabei flogen Flaschen und Steine, mehrere Polizisten wurden verletzt.  mehr...

Baden-Württemberg

Öffnungsschritte im Überblick Wo die Corona-Maßnahmen in BW gelockert werden

In vielen Regionen im Land geben sinkende Inzidenzen Aussicht auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Wie ist der Stand in Ihrem Kreis? Welche Lockerungen stehen an und wo? Ein Überblick.  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Hospitalisierungsinzidenz sinkt unter 2

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN