Ein Wattestäbchen eines Corona Abstriches wird in einem Labor bearbeitet. Symbolbild (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa; Oliver Berg)

Vierte Corona-Welle

PCR-Tests: Labore in Baden-Württemberg am Limit

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Labore in Deutschland sind wegen der steigenden Corona-Zahlen alarmiert. Die PCR-Testkapazitäten sind fast ausgereizt. In Baden-Württemberg ist die Auslastung besonders hoch.

Der PCR-Test gilt als Goldstandard unter den Corona-Testungen. Aber: Die PCR-Testkapazitäten der Labore in Baden-Württemberg sind ausgereizt. Laut aktuellen Daten des Verbandes der akkreditierten Labore der Medizin (ALM) lag die Auslastung in der Woche vom 15. bis zum 21. November bei rund 115 Prozent. Nur im Saarland und in Sachsen sind die Werte mit rund 155 Prozent und 140 Prozent im bundesdeutschen Vergleich höher. Für Gesamtdeutschland weist der Verband eine Auslastung der Testkapazitäten von 86 Prozent aus. Die Daten basieren auf Angaben von bundesweit 180 Laboren.

Längere Wartezeiten für PCR-Ergebnis

Wenn Labore überlastet sind, leistet das Personal Überstunden und es wird mehr Testmaterial gebraucht als geplant war. Eine weitere Folge: Patientinnen und Patienten müssen länger auf die Ergebnisse von PCR-Tests warten. Diese gelten als zuverlässigstes Mittel, um eine Infektion abzuklären, wenn akuter Verdacht besteht.

Die Belastung der Labore geht auch auf die verschärften Corona-Regeln zurück. In der aktuell geltenden "Alarmstufe II" benötigen Ungeimpfte in Baden-Württemberg in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens PCR-Tests, etwa, wenn sie zum Friseur wollen.

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Befundlaufzeiten werden nicht eingehalten

"Bei uns liegt die Auslastung bei 125 Prozent", sagte Rüdiger Braun, Geschäftsführer im MVZ-Labor in Ludwigsburg, im Gespräch mit dem SWR. In solch einer Situation dürfe kein Gerät ausfallen oder Personal krank werden. "Dann wird die Situation dramatisch", so Braun. Jedoch hielten sich Krankheitsausfälle in Grenzen.

Und: "Unser Personal ist nach wie vor hochmotiviert", so Braun. Die normalen Befundlaufzeiten könne man jedoch nicht immer einhalten. 80 Prozent der PCR-Testungen klappten momentan im normalen Zeitrahmen zwischen acht und 24 Stunden. Bei 20 Prozent dauerten sie länger, so Braun. Man komme um eine Analyse-Triage nicht herum: PCR-Tests etwa von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen müssten vorgezogen werden. "Tests von Urlauberinnen und Urlauber müssen warten", sagte Braun.

"Unsere Mitarbeitenden arbeiten teilweise bis nachts um 2 Uhr"

Auch vom Ravensburger Labor Dr. Gärtner heißt es, die Kapazität sei ausgeschöpft. "Und dies, obwohl wir die Testkapazitäten im Vergleich zum letzten Winter nahezu verdoppeln konnten", teilte das Labor auf SWR-Anfrage mit. Verzögerungen um bis zu 24 Stunden beim Bearbeiten der Tests könnten im Einzelfall nicht vermieden werden. Das hänge vom täglichen Probenaufkommen ab. Bereits seit Ende August stellt das Labor einen kontinuierlichen Anstieg der Probenmengen fest.

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Auch im Labor Gärtner würden Testungen nach Dringlichkeit priorisiert. Laut Labor erhöht sich der Druck auf die Mitarbeitenden nicht nur durch steigende Probenmengen. Auch Krankheitsausfälle belasteten den Betrieb, teilte das Labor mit.

Fast jeder fünfte PCR-Corona-Test positiv

Nach Angaben des ALM ist der Anteil der positiven PCR-Tests an allen Proben deutschlandweit gestiegen. In der Woche vom 15. bis zum 21. November waren es 19,9 Prozent, fast jeder fünfte Test war damit positiv. In der Woche zuvor waren es 17, 3 Prozent. Auch die Zahl der durchgeführten Tests insgesamt sei erneut gestiegen, um 14 Prozent auf nun mehr als 1,7 Millionen PCR-Tests pro Woche.

Zahlen des ALM für die Woche vom 15. bis 21.11

Im Ravensburger Labor Dr. Gärtner liege der Anteil der positiven Testungen bei 30 Prozent. Im MVZ-Labor in Ludwigsburg sind es laut Geschäftsführer Braun mehr als 30 Prozent. Dabei gelte es aber zu bedenken, so Braun, dass Testzentren und Praxen Patientinnen und Patienten vorselektierten. Nur die Menschen würden PCR-getestet, bei denen klare Symptome mit einem positiven Antigen-Test vorlägen. "Damit ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass ein PCR-Test positiv ausfällt", sagte Braun. Wichtig sei, dass Antigentests verwendet würden, die zuverlässige Ergebnisse lieferten. Gerade bei der Delta-Variante sei das bei manchen Tests nicht der Fall.

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Verband: Weiterhin Kontakte einschränken

Angesichts der Auslastung drängen Labore darauf, Kontakte einzuschränken, die Hygieneregeln einzuhalten und die Impfungen voranzubringen. Darüber hinaus sei die Nutzung der Corona-Warn-App ein wichtiger Baustein zur Bewältigung der Pandemie, so Jan Kramer, stellvertretender Vorsitzender des ALM in einer Mitteilung. Diese könne nun häufiger ein erhöhtes Risiko anzeigen. Bei Krankheitszeichen bleibe der PCR-Test dann das Mittel der Wahl zur Diagnosefindung, denn Antigen-Tests können auch falsch negativ sein.

"Insbesondere, wenn bei Personen mit Symptomen der Sars-CoV-2-Antigentest eingesetzt wird und negativ ist, sollte in Betracht gezogen werden, dass dieser die gegebenenfalls bestehende Sars-CoV-2-Infektion noch nicht erkannt hat", so Kramer. Das könne zu einer unbemerkten Infektionskette führen.

Kein Engpass bei Corona-Testmaterialien erwartet

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Engpässe bei der Bestellung von Testkits gegeben. Nun scheint die Versorgung jedoch gesichert. Die Labore hätten am Anfang des Herbstes vorgesorgt und Tests in großen Mengen bestellt, sagte Braun vom MVZ Ludwigsburg dem SWR. "Im Moment zeichnet sich kein Engpass ab", so Braun.

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