picture alliancedpa | Christoph Soeder (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Anstehende Corona-Welle

Corona-Variante Omikron: Vorerst keine Überlastung der Kliniken in BW erwartet

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Omikron wird die Kliniken in BW wohl nicht so hart treffen wie frühere Corona-Varianten, glaubt der zuständige Intensivkoordinator. Er fordert jedoch, Quarantäneregeln anzupassen.

Omikron führt wahrscheinlich zu milderen Krankheitsverläufen. Trotzdem ist die Sorge vor der anstehenden Welle groß: Die neue Corona-Variante ist deutlich ansteckender und könnte die Kliniken in Deutschland und Baden-Württemberg erneut stark belasten - auch, weil infiziertes Klinikpersonal durch lange Quarantänefristen auszufallen droht. Götz Geldner, Koordinator für intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg, fordert im SWR-Gespräch, die Quarantäneregeln insbesondere für Mitarbeitende ohne Symptome anzupassen. Mit einer Überlastung der Kliniken durch Omikron rechnet er aktuell nicht, wenn man es schafft, die Welle abzuflachen.

Corona-Variante Delta flaut ab

Momentan sei die weniger krankmachende Omikron-Variante noch nicht in den Intensivstationen im Land angekommen, sagte Geldner dem SWR. "Omikron ist im Moment kein Problem für Baden-Württemberg im stationären Bereich." Die Delta-Variante ist laut dem Mediziner abflauend. "Wir erwarten nun auch keine deutliche Zunahme von Delta-Patienten mehr", sagte Geldner. Im Schnitt seien die Intensivstationen im Land zu etwa 22 Prozent ausgelastet - dieser Wert habe sich im Vergleich zu Spitzenzeiten halbiert.

Wie sich die Auslastung der Intensivstationen im Land entwickelt:

Immer mehr gemeldete Omikron-Fälle

Am Dienstag meldete das Landesgesundheitsamt für Baden-Württemberg 7.817 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages und damit mehr als doppelt so viele Fälle wie am Vortag (2.909). Die Zahl der übermittelten Omikron-Fälle stieg binnen eines Tages von 4.280 auf 5.283.

Der Verlauf der Corona-Neuinfektionen im Überblick:

Das Landesgesundheitsamt rechnet damit, dass Omikron in ein bis zwei Wochen die vorherrschende Variante des Coronavirus in Baden-Württemberg sein wird:

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Mehr Corona-Patientinnen und -Patienten in ambulanter Versorgung erwartet

Die Omikron-Welle werde in den Kliniken in drei Stufen zu spüren sein, prognostiziert Geldner: "Es wird anfangen im ambulanten Bereich, dann in den stationären Bereich rüberschwappen und dann mit einem gewissen Versatz auf die Intensivstationen." Aber: "Der Krankheitsverlauf ist so leicht, dass ich deutlich mehr Patienten im ambulanten Bereich erwarte", so Geldner. Mit einem Anstieg der Erkrankungen rechnet Geldner von der dritten Januarwoche an bis in den Februar. "Ende Februar dürften wir in einem deutlichen Abschwung sein".

Prof.Dr.Götz Geldner, Intensivmediziner am RKH-Klinikum Ludwigsburg (Foto: SWR)
Der Covid-19-Intensivkoordinator in Baden-Württemberg, Götz Geldner, geht aktuell nicht davon aus, dass Omikron die Kliniken überlasten wird.

Das Problem sei die schnelle Verbreitung der Variante. "Wenn Sie mit einem Infizierten im Zimmer sitzen und keine Maske aufhaben, werden Sie Omikron bekommen", so Geldner. Das werde zu einem deutlich größeren Anstieg der Zahlen führen.

Beschluss zu kürzere Corona-Quarantänefristen?

Bund und Länder zeigen sich deshalb besorgt. Insbesondere die kritische Infrastruktur - etwa Kliniken, der öffentliche Nahverkehr oder der Sicherheitsbereich - könnte zusammenbrechen, wenn sich zu viele Beschäftigte gleichzeitig isolieren müssten, warnen die Regierungen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat für die Bund-Länder-Runde am Freitag neue Beschlüsse angekündigt, insbesondere was Quarantänefristen angeht. Eine Bewertung des Robert Koch-Instituts dazu wird noch für diese Woche erwartet.

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Arbeitsquarantäne für asymptomatische Mitarbeitende

"Je mehr Menschen wir in Quarantäne bringen, desto weniger wahrscheinlich ist die Verbreitung", sagte Geldner. Deshalb seien Quarantänefristen grundsätzlich sinnvoll. Aber: "Ab einem gewissen Punkt ist das nicht mehr möglich, weil zu viele Menschen infiziert sind." Omikron sei etwas kürzer infektiös als andere Varianten. Das müsse man sich zunutze machen. "Wenn man die Infrastruktur nicht mehr aufrechterhalten kann, ist eine Verkürzung sinnvoll", so Geldner. Angepasst werden müssten vor allem Quarantäneregeln für die Mitarbeitenden, die lediglich Kontakt zu Infizierten hatten, selbst jedoch keine Symptome aufweisen. Er plädiert für eine Arbeitsquarantäne in solchen Fällen. Das bedeutet, dass Menschen weiterhin am Arbeitsplatz erscheinen und ihrer Tätigkeit nachgehen können. Betroffene Mitarbeitende könnten dann regelmäßig getestet werden. Sinnvoll sei dies in sämtlichen Bereichen der kritischen Infrastruktur. Insbesondere den Gesundheitsbereich, in dem die Personalreserven knapp seien, könne man so entlasten.

Corona-Medikamente für Risikopatientinnen und -patienten

Eine Entlastung verspricht sich Intensivkoordinator Geldner auch vom Corona-Medikament Paxlovid. Gesundheitsminister Lauterbach hofft auf eine deutsche Zulassung im Januar. Der Bund hat sich bereits eine Million Einheiten des Medikaments gesichert. Paxlovid hemmt ein Sars-CoV-2-Protein, und soll so die Vermehrung des Virus stoppen. 

Man könne es insbesondere im ambulanten Bereich einsetzen, um Risikopatientinnen und -patienten - Ungeimpfte und Vorerkrankte - vor Krankenhausaufenthalten zu schützen, so Geldner: "Es hilft uns sicherlich, die Risikopatienten aus den Krankenhäusern rauszuhalten."

Größerer Abstand und Maske

Zentral sei es nun, die Omikron-Welle möglichst flach und damit die Belastungen in den Kliniken gering zu halten. Was die Maßnahmen angehe, müsse man das Rad nicht neu erfinden: "Einen hohen Abstand halten und FFP2-Masken tragen, die haben sich bewährt", so Geldner. "Wenn es uns gelingt, die Welle abzuflachen, rechne ich Stand heute nicht mit deutlichen Überlastungen auf den Intensivstationen", prognostiziert Geldner.

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