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Insgesamt sind in Baden-Württemberg rund 9.500 Azubistellen offen. Die IHK Region Stuttgart ruft deshalb den "Sommer der Berufsausbildung" aus.

"Lost" trifft auf viel gerade zu, erzählt Thomas Weise von der IHK Region Stuttgart. Das Jugendwort, das so viel heißt wie "unentschlossen" und "ahnungslos", fasse den Zustand der Jugendlichen in der Corona-Pandemie gut zusammen. Der Leiter der Abteilung Beruf und Qualifikation der IHK in der Landeshauptstadt beobachtet, dass Schulabgängerinnen-und Schulabgänger im Moment wie gelähmt sind. "Manche sind nur zuhause, wissen nicht, wie man mit der Suche nach einem Beruf überhaupt anfangen kann."

Ein Ausbildungsmeister erklärt einem Auszubildenden in Schwanau (BW) das Feilen an einem Metallteil (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Patrick Seeger/dpa | Patrick Seeger)
Die duale Ausbildung in Deutschland gilt international als Erfolgsmodell. picture alliance / Patrick Seeger/dpa | Patrick Seeger

Jugendliche raus aus der Corona-Lähmung holen

"Hintern hoch und los"- Thomas Weise will die Jugendlichen aus der Lethargie holen. Helfen soll ein Angebot der IHK Region Stuttgart, das am 5. Juli startet. Die Online-Ausbildungswochen bieten Videokonferenzen mit Ausbildungsbotschaftern an. Das Angebot steht allen offen. Auch ganze Schulklassen werden teilnehmen. Ausbildungsbotschafter sind Azubis, die über ihren Alltag im Betrieb und in der Berufsschule berichten.

"Wir haben sehr gute Erfahrung mit den Ausbildungsbotschaftern gemacht. So erfährt ein Jugendlicher aus erster Hand von einem Berufsanfänger, was er genau macht. Die Ausbildungsbotschafter können auch zum Vorbild bei der Berufssuche werden."

Ausschnitt Webseite IHK Region Stuttgart: Angebot Ausbildungsbotschafter  (Foto: https://www.stuttgart.ihk24.de/fuer-azubis/informationen-fuer-lehrstellensuchende/digit-4832752)
Die IHK Region Stuttgart bietet im Juli 2021 die Online-Ausbildungsbotschafter-Wochen an. https://www.stuttgart.ihk24.de/fuer-azubis/informationen-fuer-lehrstellensuchende/digit-4832752

Insgesamt gibt es über 5.000 Ausbildungsbotschafter in Baden-Würtemberg. Im Moment informieren sie noch digital, aber Thomas Weise hofft, dass sie bald auch wieder in Schulen gehen können. Weise ist sich bewusst, dass die Schülerinnen und Schüler in Corona-Zeiten auf viel verzichten mussten. Auch die Berufspraktika wurden immer wieder verschoben. In der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule in Magstadt (Kreis Böblingen) mussten die Neuntklässler ihr Praktikum wegen Corona gleich drei Mal verschieben. "Irgendwie frustrierend. Mir war schon fast peinlich wieder bei meinem Betrieb nachzufragen, ob ich das Praktikum verschieben kann," erzählt ein 15-Jähriger. Auch Ausbildungsmessen fanden wegen Corona ausschließlich digital statt.

Folge der Corona-Krise "Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist alarmierend"

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Speed-Dating für den Ausbildungsmarkt

Die Handwerkskammern und einige Industrie-und Handelskammern in Baden-Württemberg haben zur Berufsorierientierung im Frühjahr ein Speed-Dating für Ausbildung angeboten. Dabei kommen Betriebe online mit potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern zusammen. "Man kann sich gegenseitig beschnuppern", sagt Thomas Weise. Bei der IHK Region Stuttgart nahmen beim Speed-Dating siebzig Betriebe teil, zum Beispiel das Aramis Tagungshotel aus Gäufelden bei Herrenberg oder die Alfred Giesser Messerfabrik aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis). 369 Jugendliche meldeten sich zum Speed-Dating an.

Tausende Ausbildungsstellen noch zu haben

Zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1.September sind in Industrie und Handel in Baden-Württemberg noch über 5.500 Ausbildungsstellen zu haben. Nach Angaben der Arbeitsagentur in Baden-Württemberg kommen rein rechnerisch auf einen Jugendlichen etwa eineinhalb Ausbildungsstellen. Im Herbst stehen also die Chancen noch sehr gut, eine Ausbildungsstelle zu bekommen, meint auch der Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart Johannes Schmalzl. Vor allem in kaufmännischen Berufen wie dem Industriekaufmann oder Bankkaufmann sind noch viele Stellen frei.

"Ich würde sofort einen Antrag stellen, die duale Ausbildung zum Weltkulturerbe zu erklären."

Schmalzl ist überzeugt von der dualen Ausbildung in Deutschland. "Das ist ein Erfolgsmodell, um das uns viele im Ausland beneiden."

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