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Am Montag wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) den Zwischenbericht zur Endlagerung von Atommüll vorlegen. Noch ist nicht klar, wo in Deutschland der geeignetste Ort wäre - auch Regionen in Baden-Württemberg würden die Kriterien erfüllen.

Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll stehen Vorentscheidungen an. Am Montag will die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) dazu einen ersten Zwischenbericht veröffentlichen. Darin wird sie vorschlagen, welche Gebiete in Deutschland aufgrund der geologischen Bedingungen weiter untersucht werden sollten. Auch Gebiete in Baden-Württemberg stehen zur Wahl.

Ergebnisse im Bericht noch nicht verbindlich

Der sogenannte Zwischenbericht Teilgebiete wird eine Zahl im hohen zweistelligen Bereich an Regionen oder Standorten ausweisen, die weiter geprüft werden. Sie können in ganz Deutschland liegen. Voraussetzung für einen möglichen Standort ist, dass es dort Salzstöcke, Tonschichten oder Granitschichten gibt, die das unterirdische Endlager einschließen können. Die Nennung im Bericht bedeutet jedoch noch keine verbindliche Festlegung.

Grafik zeigt Gesteinsformen in Baden-Württemberg (Foto: SWR)

Passende Gesteinsarten bei Ulm und in der Bodenseeregion

In Baden-Württemberg gibt es in der Nähe des Bodensees und entlang der Donau Tongestein, das geeignet sein könnte, um darin atomaren Müll zu lagern. Aber auch die Schwäbische Alb im Alb-Donau-Kreis und Gebiete bei Heidenheim bieten unter Umständen Wirtsgesteine.

Wo das Endlager letztlich entstehen wird, ist abhängig von der Region und ihren Gegebenheiten. Das sagt auch die Chefin des Umweltausschusses in Berlin, Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), aus Karlsruhe:

"Wo das Endlager ist, entscheidet nicht die höchste Akzeptanz oder der größte Widerstand, sondern ausschließlich die wissenschaftlich basierten Kriterien." 

Sylvia Kotting-Uhl, Chefin des Umweltausschusses

Atommüll-Endlager: Gibt es ausreichend Akzeptanz in der Bevölkerung?

Vor der Bekanntgabe des ersten Zwischenberichts hat die baden-württembergische FDP unterdessen das bisherige Verfahren als intransparent bezeichnet. "Das ist eine Überraschungstüte", sagte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden." Ein Endlager könne aber nur durchgesetzt werden, wenn in dem Bundesland und auch in der Region, in der es gebaut werden solle, die Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung vorhanden seien.

Dagegen zeigt sich Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) zufrieden mit dem bisherigen Auswahlverfahren. "Die BGE hat das gut gemacht, sie hat stets über den Prozess informiert und sich streng an das gehalten, was ihr das Gesetz vorgibt", so Untersteller. Von Montag an werde es wichtig sein, rasch die Daten öffentlich zugänglich zu machen, damit der Weg der Suche nachvollziehbar werde. "Davon hängen Akzeptanz und Vertrauen entscheidend ab", sagte Untersteller.

Kretschmann federführend bei Gesprächen

Die Suche nach einem Endlager war 2017 neu gestartet worden - nach vielen Jahren des Streits um das Endlager Gorleben, initiert durch Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Damals haben laut Kretschmann im Bundestag alle Parteien außer die Linken zugestimmt, im Bundesrat sei es sogar einstimmig gewesen. "Man sieht, der nationale Konsens hat nicht nur beim Atomausstieg stattgefunden, sondern auch bei dem noch schwierigerem Thema: Wo wird dieser gefährliche Müll gelagert?", sagte Kretschmann im SWR.

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Politisch gesehen könnte die Entscheidung über das Endlager im Landtagswahlkampf auch unangenehm werden. Kretschmanns Amtskollege aus Bayern, Marcus Söder (CSU), hat in seinem Koalitionsvertrag schon ausgeschlossen, dass Bayern ein geeigneter Standort für ein atomares Endlager sein könnte. "Da steht jeder in einer sehr, sehr großen Verantwortung, besonders eigentlich die, die früher für Atomkraft waren", sagte Kretschmann dazu. Es sei paradox, dass ausgerechnet die Grünen auf diesen Prozess bestehen, obwohl sie immer gegen Atomkraft gewesen seien, betonte der Ministerpräsident im SWR.

Im Jahr 2031 wird der Deutsche Bundestag die letzte Standortentscheidung treffen. Die Einlagerung der 1.900 Castoren mit extrem radioaktivem Müll soll dann 2050 beginnen.

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