Die Sonne geht hinter einem Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Benz-Werk auf. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Standortsicherung für deutsche Mercedes-Werke

Mercedes-Benz macht Rastatt und Sindelfingen zu Kompetenzzentren für E-Mobilität mit Stern

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In Rastatt und Sindelfingen werden bald vollelektrische Mercedes-Modelle gebaut. Das ist Teil des Plans, den der Stuttgarter Autobauer mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt hat.

Wochenlang hatten Arbeitnehmervertreter und Mercedes-Benz miteinander verhandelt. Es ging um die Umstellung der Produktion auf E-Autos, um die Zukunft der A- und B-Klasse und die Sicherheit für Standorte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Mittwoch teilte der Autobauer mit: Es gibt einen Plan, wie es weitergeht.

Mercedes setzt alles auf "E"

Das gesamte Unternehmen wird auf E-Mobilität ausgerichtet. Auch die Werke in Sindelfingen (Kreis Böblingen) und Rastatt bauen künftig E-Autos. Rastatt avanciert zum Kompetenzzentrum: Ab 2024 sollen hier vollelektrische Kleinwagen produziert werden, auf der Basis einer neuen Elektroplattform. Die soll auch im ungarischen Kecskemét zum Einsatz kommen.

Im Werk Rastatt der Daimler AG wird an einer A-Klasse der Mercedesstern angebracht. Ende September sollen 600 Leiharbeiter entlassen werden.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)
Noch werden die Sterne in Rastatt an der A-Klasse angebracht. picture alliance/dpa | Uli Deck

Bisher laufen in Rastatt die A- und die B-Klasse vom Band, allein im Jahr 2021 rund 323.000 Stück. Was mit diesen Modellen passiert, bleibt weiter unklar. Immer wieder wird über ein Aus spekuliert, aber Mercedes äußert sich bisher nicht dazu, sondern spricht lediglich von "neu positionierten Modellen", die künftig in Rastatt gebaut werden sollen. In einem Strategiepapier, das im Mai vorgestellt wurde, ist die Rede davon, dass es künftig statt sieben nur noch vier Karosserievarianten am unteren Ende des Portfolios geben soll.

Premium-Modelle kommen weiter aus Sindelfingen

Sindelfingen bleibt das Kompetenzzentrum für Topfahrzeuge. Hier rollt bisher die Luxuslimousine S-Klasse vom Band, auch künftig werden die höherpreisigen Autos mit dem Stern hier gebaut, ab 2025 überwiegend mit Batterie unter der Haube.

Laut dem jetzt vereinbarten Plan werden die Mittelklasse-Modelle in Bremen und Kecskemét gefertigt. Eigene Elektroauto-Werke sind demnach nicht geplant. Vielmehr sollen in nächster Zeit in allen Werken parallel elektrische und konventionelle Fahrzeuge auf flexiblen Linien gebaut werden. Laut Produktionschef Jörg Burzer könnten aber um 2025 herum in den ersten Werken fast ausschließlich E-Autos produziert werden.

In alle europäischen Standorte soll kräftig investiert werden. Das Unternehmen steckt zwischen 2022 und 2026 nach eigenen Angaben mehr als zwei Milliarden Euro in die Werke, um sie fit zu machen für die hundertprozentige E-Autoproduktion. Diese neue "europäische Produktionsordnung" sei mit dem Betriebsrat vereinbart worden. Dabei seien auch Maßnahmen zu einer noch flexibleren und effizienten Produktion ausgehandelt worden.

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"Sicherheit und Perspektive für die Mitarbeiter"

Betriebsratschef Ergun Lümali ist zufrieden mit dem Zukunftsplan des Unternehmens. Er bedeute Sicherheit und Perspektive für die Mitarbeiter, sagte er. Der Einzug neuer Technologien an den Standorten in Deutschland sei der Schlüssel zur Zukunftssicherung und damit zur Sicherung von Beschäftigung. Dafür mussten die Arbeitnehmervertreter auch Zugeständnisse machen bei den Arbeitszeiten: Besprochen ist jetzt, dass auch eine Produktion von Autos rund um die Uhr möglich sein soll. Seine nächste Aufgabe sieht Lümali jetzt darin, dieselbe Beschäftigungssicherheit wie in den Fahrzeugwerken auch in den Powertrain-oder Antriebswerken zu erreichen.

Dort werden die Komponenten, Motoren und Getriebe gefertigt. Weil allerdings ein E-Auto, gleich welcher Größe, aus weniger Teilen zusammengesetzt wird als ein herkömmlicher Verbrenner, müssen sich diese Standorte stärker verändern, um fit zu werden für die E-Mobilität. Laut Mercedeschef Ola Källenius könnte die Umstellung dieser Werke zehn Jahre oder länger dauern.

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