Ein Vogelschwarm vor einer Windkraftanlage. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

NABU fordert Artenhilfsprogramm für Fledermäuse und Vögel

Energiewende und Naturschutz: BW braucht 1.000 neue Windräder - aber nicht auf Kosten der Tierwelt

STAND

Biologische Vielfalt erhalten und zugleich Windkraft ausbauen: ein Dilemma, sagen Tierschützer. Sie fordern ein Artenhilfsprogramm für windenergiesensible Fledermäuse und Vögel.

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) fordert ein Artenhilfsprogramm für Fledermäuse und Vögel. Es sei klar, dass wegen des Ukraine-Krieges die Energiewende schneller kommen müsse und damit auch die 1.000 Windräder im Staatswald. Allerdings dürften darunter nicht die gefährdeten Fledermausarten leiden.

Es sei ein Grün-Grün-Dilemma - biologische Vielfalt erhalten und gleichzeitig Windkraft ausbauen - um die Klimaziele zu erreichen, so der NABU. Demnach gehören in Baden-Württemberg 18 der 23 heimischen Fledermausarten zu den sogenannten windenergiesensiblen Arten, deren Bestände größtenteils stark gefährdet sind.

Eine Breitflügelfledermaus hängt an einem Stoff.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nach NABU-Angaben gehören in Baden-Württemberg 18 der 23 heimischen Fledermausarten zu den sogenannten windenergiesensiblen Arten, deren Bestände größtenteils stark gefährdet sind. Auch die Breitflügelfledermaus ist schlaggefährdet. Picture Alliance

Fledermäuse können Rotoren kaum orten

Fledermäuse besäßen zwar eine hochsensible Echoortung. Sie könnten aber die Rotoren kaum orten und kollidierten mit den Windrädern, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF), Ingrid Kaipf, die mit dem NABU am Montag ein "Schutzkonzept für Fledermäuse in Baden-Württemberg" vorgelegt hat.

Karten zeigen Orte mit hohem Konfliktpotenzial

Vom Freiburger Institut für angewandte Tierökologie (FrInaT) erarbeitet, basiert das Konzept auf Modellberechnungen und Artnachweisen. Karten zeigen, an welchen Standorten aus Sicht der Naturschützer mit einem besonders hohen Konfliktpotenzial zu rechnen ist. Erneut forderten AGF und NABU auch, Sommer- und Winterquartiere etwa in Dachstühlen, Kirchtürmen und Brücken zu sichern. Außerdem müssten Windräder abgeschaltet werden, wenn Fledermäuse überdurchschnittlich aktiv seien.

Windrad (Foto: IMAGO, Imago)
Windräder können zur Gefahr für Fledermäuse und Vögel werden. Imago

23.000 Hektar Waldfläche nötig

Deshalb brauche man ein Artenhilfsprogramm, um Fledermausquartiere in Dachstühlen oder unter Brücken zu schützen. 23.000 Hektar Waldfläche müssten sich urwaldähnlich entwickeln können, Blühflächen angelegt und auch mehr Streuobstwiesen gefördert werden.

Kostenfaktor: 30 Millionen Euro

Es koste Jahr für Jahr rund 30 Millionen Euro, um Artenhilfsprogramme für windenergiesensible Vögel und Fledermäuse umzusetzen, schätzte der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle am Montag in Stuttgart. Jeder zweite Euro sollte nach seinen Vorstellungen aus Bundesmitteln stammen, die andere Hälfte aus dem Landeshaushalt.

Die Kosten für Personal, Artenhilfsprogramme und ein Artenmonitoring - eine Art Bestandserfassung - hatten NABU und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Anfang des Jahres noch auf 15 bis 20 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Mehr zum Thema

Schramberg

Strom für 10.000 Haushalte Windpark Falkenhöhe im Schwarzwald eröffnet

Die baden-württembergische Umweltministerin Walker hat den neuen Windpark Falkenhöhe im Schwarzwald eingeweiht. Die drei Windräder sollen 10.000 Haushalte mit Strom versorgen.  mehr...

Bad Dürkheim

Auszeichnung vom NABU Schutz für Fledermäuse - Preis für die Hardenburg in Bad Dürkheim

Die Hardenburg bei Bad Dürkheim ist vom Naturschutzbund Rheinland-Pfalz (NABU) für seinen Fledermausschutz ausgezeichnet worden. In der Burg leben 13 Fledermausarten.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR