Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock soll als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl. Hier spricht sie an einem Pult über ihre Nomineirung. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Erstmals in der Geschichte der Partei eine Frau

Baerbock als Kanzlerkandidatin nominiert: Grüne in Baden-Württemberg begrüßen Entscheidung

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Die Grünen ziehen mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Bei den Parteifreunden in Baden-Württemberg stößt diese Entscheidung auf große Freude.

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Erstmals in der Geschichte hat der Bundesvorstand der Grünen eine Kandidatin für das Kanzleramt nominiert. Robert Habeck hat also seiner Parteikollegin Annalena Baerbock den Vortritt gelassen. Es brauche Mut, Dinge anders zu machen, betonte die 40-Jährige am Montag. Es gehe aber darum, Dinge zu verändern und nicht nur zu versprechen:

"Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin. Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere."

BW-Grüne loben Signal der Solidarität

Die Grünen in Baden-Württemberg haben die Nominierung von Baerbock zur Kanzlerkandidatin und das Verfahren begrüßt. "Annalena Baerbock und Robert Habeck sind zwei starke Bundesvorsitzende. Sie haben diese wichtige und zukunftsweisende Entscheidung in Solidarität getroffen - ein wichtiges Signal, vor allem in Krisenzeiten", teilten die Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand am Montag mit. "Mit Annalena Baerbock an der Spitze und Robert Habeck an ihrer Seite im Spitzenduo sind wir hervorragend für den Bundestagswahlkampf im Herbst aufgestellt."

So reagieren die BW-Grünen auf Twitter

Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

Kretschmann lobt Baerbock: Sie wäre "Kanzlerin für das ganze Land"

Baerbock hat nach Ansicht von Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten, Winfried Kretschmann, das Zeug dazu, eine "wirkliche Kanzlerin für das ganze Land" zu werden. "Sie ist eine Frau aus dem Westen, die aber im Osten seit vielen Jahren Politik gestaltet", so Kretschmann. "Sie ist gewissermaßen die personifizierte Überwindung des Ost-West-Konfliktes." Kretschmann lobte Baerbock als "sehr willensstarke, selbstbewusste und durchsetzungsstarke Frau". Dass ihr Regierungserfahrung fehle, falle nicht ins Gewicht. "Die hatte ich auch nicht, als ich 2011 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Und ich glaube, ich mache es nicht ganz so schlecht", sagte der 72-Jährige.

In den vergangenen Monaten hatte sich der einzige grüne Länder-Regierungschef nicht mehr dazu geäußert, ob er Baerbock oder ihren Co-Chef Robert Habeck für besser geeignet hält, die Grünen in den Bundestagswahlkampf im Herbst zu führen. Ende 2019 hatte er allerdings erklärt, er sei für Habeck.

Grüne in Baden-Württemberg gratulieren Baerbock

Die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras gratulierte Baerbock am Montag. Auf Twitter schreibt Sie: "Mit Annalena Baerbock haben wir eine herausragende Kanzlerkandidatin. Gemeinsam mit Robert Habeck das beste Team." Mit dieser Entscheidung zeigen die Grünen laut Aras "Teamgeist". Sie freue sich auf den Wahlkampf.

Muhterem Aras zur Wahl von Baerbock

"Es wird nicht immer leicht sein", sagte Annalena Baerbock zu ihrer Kanzlerkandidatur für die Grünen. Der Wahlkampf werde die Partei gehörig fordern. Die Partei werde sich aber untereinander helfen, die größte Kraft entstehe immer aus gemeinsamem Handeln. Sie sagte, Co-Parteichef Robert Habeck und sie würden beide führende Rollen in der nächsten Regierung spielen, sollten die Grünen daran beteiligt sein. Am liebsten würden die Grünen die nächste Regierung anführen, aber es sei kein Wunschkonzert. Habeck werde vor allem seine Regierungserfahrung in Schleswig-Holstein einbringen. "Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit", so Baerbock. Dies werde der Maßstab für eine neue Regierung werden.

Andreas Schwarz: Baerbock ist "bärenstark"

Baden-Württemberg Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte: "Sie ist eine bärenstarke und vor allem eine sehr durchsetzungsstarke Politikerin." Er glaube, dass seine Partei mit dieser Entscheidung den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland ein sehr gutes Angebot für das Bundeskanzleramt mache.

Auch für die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Franziska Brantner (Wahlkreis Heidelberg), ist die Nominierung Baerbocks eine "super Entscheidung". "Zusammen werden wir um die Führung dieses Landes kämpfen. Wir stehen für einen neuen Politikstil, wollen Klima schützen, Innovation freisetzen, Europa stärken", twitterte sie.

Das schreibt Franziska Brantner auf Twitter dazu

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Wahlkreis Stuttgart) schreibt, mit Baerbock "haben wir eine hammerstarke Kanzlerkandidatin". "Und direkt hinter ihr einen hammerstarken Habeck", so Özdemir auf Twitter. "Das Beste: Im Gegensatz zur Union wissen wir sowohl, wer unsere Kandidatin ist, als auch, wofür Annalena Baerbock inhaltlich steht." Dem SWR sagte er: "Das ist das, worum uns viele gerade beneiden: zwei starke Kandidaten zu haben. Die sowohl als Persönlichkeit als auch inhaltlich stark sind". Hinter Baerbock stehe "insgesamt ein tolles Team mit Robert Habeck und vielen Leuten in den Ländern", betonte Özdemir im Interview.

Bei der Union bisher keine Entscheidung

Den Chefs von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, ist es nicht gelungen, wie geplant bis Sonntag zu klären, wer für die Union die Rolle des Kanzlerkandidaten übernehmen soll. Baerbock spricht von einer "Schlammschlacht der Union". Ihr bereite es große Sorge, dass das Vertrauen in die Demokratie insgesamt schwinde. "Vertrauen ist dafür eine wichtige Währung." Politik müsse anders gestaltet werden, mit mehr Transparenz und Menschlichkeit.

Der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg, ruft Söder zu einem sofortigen Rückzug auf. "Ich erwarte, dass Markus Söder heute zurückzieht. Die CDU Deutschlands hat einen klaren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur", sagte er der "Rheinischen Post". "Die Entscheidung muss jetzt binnen weniger Stunden geklärt werden, weil der Schaden für die Union insgesamt sonst immer größer wird." CDU-Chef Laschet hatte sich zwischenzeitlich für Gespräche ins Konrad-Adenauer-Haus begeben. CSU-Chef Söder sagte nach Gesprächen mit seiner Partei: Die Klärung des festgefahrenen Machtkampfs über die Kanzlerkandidatur der Union obliege jetzt alleine der CDU. "Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung", so Söder am Montag nach der kurzfristig einberufenen Sitzung des CSU-Präsidiums in München. Die Zeit für die Entscheidung sei da, wo und wie entschieden werde, entscheide die CDU alleine.

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