Eine strategische russische Atomrakete vom Typ Topol-M fährt bei der Militärparade zum Tag des Sieges über den Roten Platz.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Yuri Kochetkov)

Angst vor Einsatz von nuklearen Waffen

Konflikt in der Ukraine: "Atomkrieg würde zu einer weltweiten Hungerkatastrophe führen"

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Helmut Lohrer vom Verein "Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges" warnt angesichts des Ukraine-Kriegs vor dem Einsatz von Atomwaffen. Die Folgen wären verheerend.

Russland hat angesichts des Ukraine-Krieges und der Sanktionen, die der Westen verhängt hat, seine Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzt - dazu gehören auch die Atomwaffen. Zwar sind sich Expertinnen und Experten weitgehend einig, dass der Einsatz solcher Waffen derzeit sehr unwahrscheinlich ist - sollte es jedoch zu einem solchen Einsatz kommen, wären die Folgen verheerend, sagt Helmut Lohrer im SWR. Der Arzt aus Villingen-Schwenningen ist International Councilor der deutschen Sektion von "Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW).

Atombomben würden das Klima verändern

Vor acht Jahren habe die Vereinigung bereits eine Studie über die Auswirkungen eines möglichen Atomkrieges im Konflikt zwischen Indien und Pakistan veröffentlicht, so Lohrer. "Da ging es nur - in Anführungsstrichen - um 100 Atomwaffen in der Größenordnung der Hiroshima-Bombe, heute wären das 'Mini-Nukes'. Die Folge eines so begrenzten atomaren Einsatzes wäre doch eine signifikante Klimaänderung, die zu einer weltweiten Hungerkatastrophe führen würde - mit bis zu zwei Milliarden Menschen, die dem Hunger ausgesetzt wären."

Lohrer sieht allerdings die Gefahr, dass sich im Fall des Ukraine-Kriegs der Einsatz atomarer Waffen auf größere Gebiete erstrecken könnte.

"Dann gibt es am Ende eines Atomkrieges keine Gewinner mehr."

Atomare Auseinandersetzung unbedingt vermeiden

Nach Ansicht Lohrers darf ein Atomkrieg keinesfalls riskiert werden. "Das muss man auch klar machen. Ich glaube, dass das viele Leute heute nicht mehr wissen."

Im Fall eines solchen Krieges gäbe es Millionen von unmittelbaren Opfern, "und das wären die Glücklichen. Entschuldigung, dass ich das so deutlich sage: Dann werden die Lebenden die Toten beneiden."

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