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Eine neue Konjunkturumfrage zeichnet ein düsteres Bild der Stimmungslage in der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Von einer Rückkehr zum Alltag kann trotz der Corona-Lockerungen in vielen Branchen keine Rede sein.

Große Teile der Wirtschaft in Baden-Württemberg bleiben trotz Hilfsprogrammen und Lockerung der Corona-Beschränkungen in Alarmstimmung. Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) vermeldete am Freitag für fast alle seine Branchen rückläufige Auftragseingänge, massive Umsatzeinbrüche und überwiegend düstere Aussichten. "Man spürt die große Verunsicherung unserer Unternehmen", sagte die Präsidentin der IHK Region Stuttgart, Marjoke Breuning.

"Die Unternehmen sehen mit großer Sorge, dass ihre Geschäfte nicht schnell wieder in Gang kommen, obwohl der Shutdown in Deutschland und anderen Partnerländern gelockert worden ist."

Marjoke Breuning, Präsidentin der IHK Region Stuttgart

In der regelmäßigen Konjunkturumfrage des BWIHK bezeichnen den Angaben zufolge mittlerweile 41 Prozent der Betriebe ihre Lage als schlecht, das seien viermal so viele wie zu Anfang des Jahres, als die Stimmung auch ohne Corona schon nicht allzu gut war. Bei nur noch jedem fünften Unternehmen läuft es aktuell gut. Die Unzufriedenheit zieht sich durch nahezu alle Branchen, lediglich die Bauwirtschaft zeigt sich nach wie vor positiv gestimmt - wenngleich der Anteil der Betriebe in guter Lage um 20 Prozentpunkte zurückgegangen ist.

Chemie und Pharma machen mehr Umsatz als sonst

Zwei Drittel der befragten Betriebe beklagen gesunkene Umsätze. In der Gastronomie sind sogar sämtliche Betriebe betroffen. Im Einzelhandel müssen laut Umfrage drei Viertel der Unternehmen mit weniger Einnahmen auskommen.

Es gibt allerdings auch Branchen, in denen Betriebe derzeit mehr Umsatz machen als sonst, darunter Chemie und Pharma, Beratung oder Gesundheitswirtschaft.

Maschinenbau blickt skeptisch in die Zukunft

Im Maschinebau hat etwa die Hälfte der Unternehmen mit rückläufigen Auftragseingängen zu kämpfen. "Die Situation bleibt erst einmal sehr angespannt", sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Baden-Württemberg, Dietrich Birk, am Freitag.

Die Branche, eine Schlüsselindustrie in Baden-Württemberg, liege bei den Bestellungen im Zeitraum Januar bis Mai um 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau und sei entsprechend skeptisch, was die Aussichten für die kommenden Monate angeht.

BWIHK: Liquidätshilfen müssen "höchste Priorität haben"

Auch in den IHK-Branchen insgesamt herrscht eher Sorge. Zwar rechnet mehr als jeder fünfte Betrieb mit einer Besserung in den kommenden zwölf Monaten. Doppelt so viele gehen aber davon aus, dass es eher noch schlimmer wird.

Die Weichen für Erholung und Aufschwung müssten nun richtig gestellt werden, forderte der BWIHK. "Weitere Liquiditätshilfen und Entlastungen insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen müssen daher höchste Priorität haben", sagte die Präsidentin der IHK Region Stuttgart, Marjoke Breuning. Die Konjunkturprogramme müssten schneller umgesetzt, die Steuerbelastung gesenkt und Investitionen in Zukunftsprojekte erleichtert werden.

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