Impfwillige in der baden-württembergischen Kleinstadt Nürtingen nutzen die Möglichkeit sich im Impfbus des Landkreises Esslingen und der Malteser impfen zu lassen. Doch hierfür war Zeit notwenig, denn die Impf-Aktion wurde vom Andrang regelrecht überrannt, (Foto: imago images, IMAGO / 7aktuell)

Bundesland schließt im Bundesvergleich schlecht ab

Verschärfungen der Corona-Maßnahmen: Steigt in BW jetzt auch die Impfbereitschaft?

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Impfen, impfen, impfen: Nicht nur Ministerpräsident Kretschmann bezeichnet das Impfen als Ausweg aus der Pandemie. Aber steigt, angesichts verschärfter Maßnahmen speziell für Ungeimpfte, der Wille zur Impfung?

Die Verschärfungen der Corona-Maßnahmen speziell für ungeimpfte Personen haben in Baden-Württemberg einen spürbaren Effekt auf die Impfbereitschaft. Deutlich mehr Menschen, die bislang noch nicht gegen das Coronavirus geimpft waren, haben sich impfen lassen. Dies geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, die auch das Landesgesundheitsamt in den täglichen Lageberichten anführt.

Demnach wurden für den 24. November 14.665 Menschen registriert, die sich zum ersten Mal haben impfen lassen. Berücksichtigt sind hierbei Daten, die von Krankenhäusern, Impfzentren, Mobilen Impfteams oder niedergelassenen Ärzten und Privatärzten übermittelt werden. Zum Vergleich: Für den 17. November wurden 9.511 Erstimpfungen registriert. Für den 27. Oktober (alle drei untersuchten Tage waren ein Mittwoch) waren es lediglich 6.907 Impfungen.

Auch bei den Werten der vollständig geimpften Personen ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen: So waren es für den 24. November 10.388 registrierte Zweitimpfungen, während es für den 17. November nur 9.802 und für den 27. Oktober 11.205 waren.

Die absolute Zahl der Booster-Impfungen steigt ebenfalls an: Waren es am 17.11. noch 43.721 Auffrischungsimpfungen, übermittelten die Verantwortlichen dem RKI für den 24. November 68.897 Booster-Impfungen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte im Laufe der vergangenen Woche mehrfach die Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sowie die Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht unter anderem mit der nicht ausreichend hohen Impfquote der Menschen im Land begründet und im Landtag zugegeben, die Impfbereitschaft der Bevölkerung falsch eingeschätzt zu haben.

Wie einfach ist es, eine Boosterimpfung zu bekommen? Unser Reporter machte den Selbstversuch:

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Nur vier Bundesländer mit schlechterer Impfquote

Trotz steigender Impfzahlen: Im deutschlandweiten Vergleich hinkt Baden-Württemberg noch immer hinterher. Laut aktuellen Daten des RKI (Stand: 25. November, 9 Uhr) beträgt die Quote vollständig gegen das Coronavirus geimpften Personen in Baden-Württemberg 66,3 Prozent.

Lediglich vier Bundesländer, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Sachsen, weisen einen schlechteren Wert auf. Spitzenreiter Bremen kommt auf eine Quote von nahezu 80 Prozent. Für die Bundesrepublik wird der Wert mit 68,2 Prozent angegeben - mindestens 56,7 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger sind vollständig geimpft.

Auch bei der Quote der mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpften Personen liegt Baden-Württemberg (68,1 Prozent) hinter den meisten anderen Bundesländern.

Regionale Unterschiede bei Impfquoten in Baden-Württemberg

Doch nicht nur im Vergleich der Bundesländer zeigen sich mitunter deutliche Unterschiede: Auch innerhalb Baden-Württembergs kristallisieren sich Landkreise heraus, die beim Impfen weiter sind als andere. Laut Daten des Landessozialministeriums (Stand: 21.11.) ist der Anteil der vollständig Geimpften nirgendwo so hoch wie im Stadtkreis Baden-Baden (74,0 Prozent). Auch der Stadtkreis Freiburg (70,4 Prozent) und der Stadtkreis Ulm (70,3 Prozent) überspringen die 70-Prozent-Hürde.

Schlusslicht in dieser Statistik ist der Stadtkreis Pforzheim - hier sind nur 56,4 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Covid-19 geimpft. Es folgen der Kreis Heidenheim (58,4 Prozent) und der Kreis Tuttlingen (58,9 Prozent).

Deutschlandweit steigt die Impfbereitschaft

Der Trend zu einer deutlich höheren Impfbereitschaft ist auch bundesweit erkennbar. Erstmals seit Mitte September ist die Zahl der Erstimpfungen auf mehr als 100.000 pro Tag gestiegen. Nach Angaben des RKI wurden allein am Mittwoch 795.386 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Das ist der höchste Tageswert seit dem 14. Juli. Insgesamt bekamen 626.535 Personen eine Auffrischungsimpfung.

Angesichts der nach wie vor dramatischen Lage in den Krankenhäusern und Intensivstationen in Baden-Württemberg hatte der Landtag am Mittwoch der Regierung grünes Licht gegeben, noch deutlich schärfere Maßnahmen zu ergreifen.

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Im Verlaufe der Debatte hatte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) die Impfpolitik verteidigt. Er räumte ein, dass es mitunter lange Schlangen bei Impfbussen und sonstigen Angeboten gebe. Aber: Die Schlangen würden in Kauf genommen, die Leute gingen hin, das sei ein gutes Zeichen. Keiner werde weggeschickt, so Lucha.

Viele wollen, aber nicht alle können: Die Menschen, die sich in Baden-Württemberg ihre Erst-, Zweit- oder Booster-Impfung gegen Corona abholen möchten, bekommen oft keinen Impftermin. In vielen Regionen werden eigene Angebote auf die Beine gestellt, wie diese Auswahl zeigt:

Bis Jahresende plant der Grünen-Politiker mit 3,5 Millionen Impfungen mithilfe von mobilen Impfteams, niedergelassenen Ärzten, Betriebsärzten und lokalen Impfzentren. Seit Mitte September gebe es Auffrischungsimpfungen in Alten- und Pflegeheimen, jede stationäre Einrichtung habe ein Angebot erhalten.

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