Bisher wurden Schülerinnen und Schüler zwei Mal pro Woche auf Corona getestet. Ab 8.11.21 endet diese Phase, dann werden sie nur noch einmal die Woche getestet. Trotz wieder deutlich steigender Infektionszahlen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schulbeginn nach den Weihnachtsferien

Ferienende in Baden-Württemberg: Diese Corona-Regeln gelten an Schulen und Kitas

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An Schulen und Kitas in BW ging es am Montag wieder los - zugleich breitet sich die Omikron-Variante aus. Welche Regeln müssen Kinder, Eltern und Lehrkräfte jetzt beachten?

In Baden-Württemberg haben am Montag die Schulen und Kitas wieder ihre Pforten geöffnet - gleichzeitig breitet sich im Land die Omikron-Variante des Coronavirus immer weiter aus. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht mit Sorge auf die Entwicklung der Corona-Infektionen und erwartet eine hohe Zahl an Infizierten in den kommenden Wochen. Politik und Elternvertreterinnen und -vertreter halten trotzdem am Präsenzunterricht fest. "Es gibt momentan gar keinen Grund, warum das Land anders entscheiden sollte", sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Michael Mittelstaedt, der Deutschen Presse-Agentur Mitte der Woche. Und auch die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat Unterricht in Präsenz angekündigt. Um das möglich zu machen, sollen nach den Ferien aber strengere Regeln gelten:

Mehr Corona-Tests nach den Ferien - Ausnahmen für Geboosterte

So soll laut Kultusministerium in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien vermehrt getestet werden. Genauer gesagt: täglich. Denn: Viele Kinder waren in den Ferien unterwegs, etwa im Ski-Urlaub oder zu Besuch bei Verwandten. Mit der erweiterten Testpflicht sollen Ansteckungen an infizierten Reiserückkehrerinnen und -rückkehrern vermieden werden. Ausnahmen gelten für Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte, die bereits eine Auffrischungsimpfung, den sogenannten "Booster" erhalten haben. Sie müssen sich nicht testen lassen. Ebenfalls ausgenommen sind von Covid-19 Genesene, die mindestens einmal geimpft sind.

Für alle anderen bedeutet das, dass sie sich jeden Tag mit einem Antigenschnelltest testen lassen müssen. Sofern diese von der jeweiligen Schule oder Kita angeboten werden. In Einrichtungen, in denen mit PCR-Pooltests getestet wird, empfiehlt das Kultusministerium, darüber hinaus zusätzliche Antigenschnelltests anzubieten. Ist das nicht möglich, sollen drei PCR-Pooltests pro Woche durchgeführt werden.

Erweiterte Testpflicht bis zu den Faschingsferien

Ab der zweiten Woche nach dem Ende der Weihnachtsferien bis zu den Faschingsferien Ende Februar sind pro Woche dann noch drei Antigenschnelltests oder zwei PCR-Tests für die Kinder und Jugendlichen verpflichtend. Auch hier gilt: Wer geboostert ist oder genesen und mindestens eine Impfung erhalten hat, ist von der Testpflicht ausgenommen. Das Personal muss sich ab der zweiten Woche an jedem Präsenztag testen. Geboosterte und Genesene mit mindestens einer Impfung sind auch hiervon ausgenommen. Für die zusätzlichen Tests stellt das Land 26 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Entscheidung, Geboosterte und mindestens einmal geimpfte Genesene von der Testpflicht zu befreien, begründeten Schopper und der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) so:

"Nach aktuellen Erkenntnissen wissen wir, dass die Auffrischungsimpfung einen erheblichen Beitrag zum Gesundheitsschutz liefert."

Schopper und Lucha haben sich zudem dafür ausgesprochen, sich schon vor dem ersten Schul- oder Kita-Tag testen zu lassen, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. "Das Verhalten jeder und jedes Einzelnen ist mit Omikron noch bedeutender geworden."

So sollen Konferenzen und Besprechungen der Lehrkräfte möglichst digital stattfinden, um Kontakte zu reduzieren und das Infektionsrisiko zu senken.

Maskenpflicht an Schulen

In den Schulen gilt auch nach den Weihnachtsferien eine Maskenpflicht. In den Kitas müssen die Angestellten eine Maske tragen. Dabei sind sowohl medizinische Masken als auch FFP2-Masken erlaubt. Das Land hat dem Personal an Schulen und in Kitas für die Zeit nach den Ferien noch einmal 2,6 Millionen FFP2-Masken zur Verfügung gestellt.

Schulen und Kitas sollen mehr Handlungsspielraum bekommen

Während Kultusministerin Schopper sich einerseits für Präsenzunterricht ausgesprochen hat, will sie es andererseits auch den jeweiligen Einrichtungen überlassen, wie im Notfall vorgegangen wird. Dadurch soll der Handlungsspielraum von Schulen und Kitas erweitert werden. Schul- und Kitaleitungen sollen zukünftig also weitestgehend selbst entscheiden können, ob einzelne Klassen oder ganze Klassenstufen vorübergehend zum Fernunterricht zurückkehren oder ob Hybridunterricht angeboten werden soll. Ganz uneingeschränkt handeln können sie aber nicht: In solchen Fällen muss die Schulaufsichtsbehörde in die Entscheidung miteingebunden werden. Damit kommt das Land den Forderungen des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) entgegen. "Niemand weiß besser als die Schulen, was vor Ort hinsichtlich der Infektionslage und Personalsituation möglich ist", sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand.

Diese Regel gilt aber nicht für alle Klassenstufen: Vor allem die Abschlussklassen, also Schülerinnen und Schüler der letzten beiden Schuljahre, sollen "grundsätzlich" in Präsenz unterrichtet werden, so das Kultusministerium, aber auch Kinder und Jugendliche an Sonderpädagogischen Bildungszentren.

Wer kann die Notbetreuung in Anspruch nehmen?

Auch wenn das Land am Präsenzunterricht festhalten will: Wie sich die Corona-Lage entwickelt, kann niemand vorhersagen. Sollte der Präsenzunterricht ausfallen, soll daher für diesen Zeitraum wieder eine Notbetreuung eingerichtet werden. Diese richtet sich in erster Linie an Kinder in Schulkindergärten, Grundschulkinder, Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 7 der weiterführenden Schulen und Kinder und Jugendliche an Sonderpädagogischen Bildungszentren. Um die Notbetreuung in Anspruch nehmen zu können, müssen beide Eltern nachweisen, dass sie bei ihrer Arbeit unabkömmlich sind. Bei Alleinerziehenden reicht ein Nachweis über ihre berufliche Tätigkeit.

Ausflüge und Klassenfahrten

Bei Ausflügen und Klassenfahrten ändert sich erst einmal nichts. Das Kultusministerium hatte vor den Ferien bereits angekündigt, dass "mehrtägige außerunterrichtliche Veranstaltungen" noch mindestens bis zum 31. März verboten bleiben.

Landesschülerbereit freut sich über Schulstart in Präsenz

Zum Thema Präsenzunterricht gibt es verschiedene Ansichten: Während Politik und Elternvertreterinnen und -vertreter daran festhalten wollen, haben andere Angst davor, dass sich die Kinder und Jugendlichen in der Kita oder in der Schule mit Corona infizieren könnten. So beispielsweise diese Twitter-Nutzerin:

"Kinder sind unsere Zukunft" oder wie man in Deutschland sagt "#Praesenzunterricht ist wichtiger als Kindergesundheit und #Kinderkrankenpflege ist halt leider zu teuer" #KinderdurchseuchungStoppen

Der Gymnasiast und stellvertretende Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Noah Bernhard aus Grünkraut (Kreis Ravensburg), freut sich dagegen auf den Schulstart in Präsenz. Denn der Leitsatz "Schulschließungen als letztes Mittel" ist nach Ansicht des Landesschülerbeirats in der Vergangenheit nicht immer beherzigt worden.

"Jetzt sind wir froh, dass wir nach den Ferien endlich wieder [in Präsenz] starten."

An eine Vorhersage, ob der Präsenzunterricht von Dauer sein werde, traut Bernhard sich aber nicht. Man könne nicht einschätzen, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickeln würde, so der Gymnasiast. Fakt sei aber: Der Präsenzunterricht sei wichtig für die Schülerinnen und Schüler.

Gewerkschaft GEW befürchtet viele Infektionen

Mit Blick auf die schnelle Ausbreitung der Omikron-Variante in Baden-Württemberg fürchtet die Bildungsgewerkschaft GEW in den kommenden Wochen hohe Infektionszahlen und weitere Schul- oder Kita-Schließungen. "Angesichts der Gefahr durch Omikron bleibt unsicher, wie viele Kitas und Schulen schließen müssen und wie groß die Zahl der Kinder und der Beschäftigten sein wird, die wegen Erkrankungen oder Quarantäne zu Hause bleiben müssen", sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Monika Stein, am Sonntag laut Mitteilung. Sie rechne damit, dass der geplante Präsenzunterricht nicht überall aufrechterhalten werden könne.

Gewerkschaft will auch mehr Tests an Schulen

Die GEW hält auch die geplante Ausweitung der Tests an den Schulen nicht für ausreichend. In den kommenden beiden Wochen müsse mindestens täglich getestet werden. Außerdem müsse bei einer Impfquote von zuletzt etwa 50 Prozent bei den Jugendlichen ab zwölf Jahren besser und niederschwelliger über Nutzen und Risiko einer Impfung informiert werden. GEW-Landeschefin Stein forderte darüber hinaus, mobile Impfteams an weiterführenden und beruflichen Schulen einzusetzen.

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