Rund 140 Medizinstudierende sind der Anfrage des Universitätsklinikums Ulm nach helfenden Kräften gefolgt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Marburger Bund stellt Umfrage vor

Überstunden und befristete Verträge: Ärzte in BW kritisieren Situation in Krankenhäusern

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60 Wochenstunden sind bei Ärztinnen und Ärzten in Baden-Württemberg keine Seltenheit. Außerdem ist jeder zweite Arzt nur befristet angestellt. Das zeigt eine Umfrage des Marburger Bunds.

Knapp zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte an Krankenhäusern in Baden-Württemberg arbeiten mindestens 51 Stunden wöchentlich. Das geht aus einer Umfrage des Landesverbands des Marburger Bunds hervor, die am Donnerstag in Stuttgart vorgestellt wurde. Ein Fünftel der Befragten kommt auf mehr als 60 Stunden. Mehr als zweieinhalbtausend Mitglieder des Landesverbands beteiligten sich an der Umfrage über die Arbeitssituation der Ärztinnen und Ärzte im Land.

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Situation an Universitätskliniken besonders angespannt

Etwa 55 Prozent der Ärztinnen und Ärzte haben demnach nur befristete Arbeitsverträge. An den Universitätskliniken ist die Situation nach Angaben des Verbands noch dramatisch. Dort haben demnach über 80 Prozent der Ärztinnen und Ärzte im Land, die beim Marburger Bund organisiert sind, befristete Verträge. Die Gewerkschaft forderte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) auf, die Zahl der unbefristeten Stellen auf 40 Prozent zu verdoppeln. Das sei dann allerdings immer noch weniger als in privatwirtschaftlich geführten Krankenhäusern. Dort würden schon jetzt mehr als die Hälfte der Belegschaft im ärztlichen Dienst unbefristet angestellt sein.

Die Befristung führe laut Marburger Bund dazu, dass arbeitsrechtliche Fragen wie der Abbau von Überstunden oder fehlende Pausen nicht angesprochen werden könnten. Die Klinikleitung nehme dadurch offenbar in Kauf, dass dadurch unter anderem die Patientensicherheit gefährdet werde. Zudem habe die Pandemie die Lage für die befristet Angestellten Ärzte noch mal verschlechtert.

Jeder Zehnte denkt über Jobwechsel nach

Die Landesvorsitzende des Verbands, Sylvia Ottmüller, warnte, dass Befristungen den Ärztemangel im Land verschärfen könnten. Denn: Jeder zehnte Befragte habe schon überlegt, wegen der Befristungen den Job in der Uniklinik an den Nagel zu hängen und den Beruf aufzugeben. Ottmüller geht davon aus, dass durch die Belastungen durch die Corona-Pandemie noch mehr Medizinerinnen und Mediziner ans Aufhören denken.

Mehr als 50.000 Ärztinnen und Ärzte gibt es in Baden-Württemberg - zu wenige, sagt die Kassenärztliche Vereinigung. Das betrifft auch Hausärzte. Das SWR Fernsehen berichtete vor gut einer Woche, wie in Aichtal (Kreis Esslingen) um neues Fachpersonal geworben wird.

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Der Marburger Bund ist der Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands, sein baden-württembergischer Landesverband sitzt in Kirchheim unter Teck. Der Verband setzt sich für die beruflichen und sozialen Interessen der Ärzte ein, beispielsweise bei Tarifverhandlungen.

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