Zahlreiche Menschen nehmen an der Polit-Parade des Christopher Street Days (CSD) teil und feiern in der Stuttgarter Innenstadt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Sexismus-Debatte auf Twitter

DJ spielt "Layla" beim CSD in Stuttgart: Heftige Kritik an der SPD

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Auf dem Wagen der SPD war beim CSD in Stuttgart der als sexistisch geltende Schlagersong "Layla" zu hören. Daraufhin hagelte es Kritik aus den eigenen Reihen.

Nach dem Christopher-Street-Day in Stuttgart gibt es heftige Kritik an der SPD Baden-Württemberg. Im Umzugswagen der Partei soll am Samstag der als frauenverachtend kritisierte Schlager "Layla" angespielt worden sein.

"Stellt euch vor, es ist CSD und irgendwelche alten Männer der SPDqueer machen erstmal ein unfassbar frauenverachtendes Lied an", kritisierte SPD-Juso-Mitglied Jan Knes-Wiersma auf Twitter. Der Videoclip, den er von der Szene postete, wurde bereits mehr als 50.000 Mal angeschaut.

Für die Aktion gab es auf Twitter heftige Kritik - aus den eigenen Reihen:

"Layla" auf dem CSD: Auch Fraktionschef Stoch dabei

Im Video ist auch der baden-württembergische SPD-Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch zu sehen, wie er auf dem Umzugswagen zu dem Lied mit dem Kopf wippt. Er habe das Lied nicht so im Blut, dass er es bereits nach drei Takten erkenne, erklärte Stoch auf Nachfrage. Er habe kurz mitgewippt, aber zehn Sekunden nach der ersten Textzeile sei das Lied ausgemacht worden.

"Wir haben uns umgehend mit den Genossinnen und Genossen in Stuttgart in Verbindung gesetzt, um den Vorfall aufzuarbeiten", twitterte SPDqueer, die Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung, als Antwort auf Knes-Wiersmas Post. Man distanziere sich ausdrücklich vom Abspielen dieses Songs auf einem CSD-Wagen der SPDqueer. "Das geht gar nicht, dass sie so ein sexistisches Lied spielen", sagte Christian Gaus, der Vorsitzende von SPDqueer Baden-Württemberg. Wie es dazu gekommen sei, wisse er nicht.

So reagierte SPDqueer auf Twitter auf die Vorwürfe:

Warum gilt "Layla" als sexistisch?

Der Partysong "Layla" sorgt seit Wochen für Schlagzeilen und starke Kritik. Wegen Sexismusvorwürfen haben die Städte Würzburg und Düsseldorf den Partyhit "Layla" auf ihren Volksfesten verboten - und damit eine Sexismusdebatte ausgelöst. In dem Schlager von DJ Robin (26) und Schürze (31) aus Baden-Württemberg heißt es beispielsweise: "Ich hab' 'n Puff, und meine Puffmama heißt Layla, sie ist schöner, jünger, geiler".

So hat der SWR in seinem Format "Muss das so?" auf Instagram über "Layla" berichtet.

Der Produzent Ikke Hüftgold sieht in der Diskussion um den Hit die Gefahr von Zensur. Aber der Boykott von Liedern sei nicht neu, erklärt die Ethnologin Catherine Whittaker von der Goethe-Universität Frankfurt im SWR. In Deutschland hätte zum Beispiel das Lied "Skandal im Sperrbezirk" für Aufregung gesorgt. Radiosender aus Bayern haben 1981 das Lied boykottiert, in der ZDF-Hitparade wurde es nicht gespielt.

Den Erfolg von "Layla" erklärt sich die Ethnologin unter anderem damit, dass "eine gewisse Sehnsucht nach traditionellen, vermeintlich unkomplizierten Geschlechterverhältnissen hochgekommen ist" - so Whittaker. Trotz der Debatte steht der Song nun schon seit mehreren Wochen an der Spitze der Single-Charts.

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