Corona-Test bei einer Frau (Foto: SWR, Anita Westrup)

Das Geschäft mit den Corona-Tests

PCR-Test vor dem Urlaub: Vorsicht bei der Wahl des Testanbieters

STAND
AUTOR/IN

Reisen ist wieder möglich - viele Urlaubsländer verlangen aber bei der Einreise einen negativen PCR-Coronatest. Daraus ist ein - teils fragwürdiges - Geschäftsmodell entstanden.

Endlich Ferien! Und vor allem: Endlich kann man wieder verreisen, zumindest in europäische Nachbarländer. Voraussetzung zum Beispiel für Frankreich oder Italien ist aber ein aktueller, negativer PCR-Test auf das Coronavirus. Und daraus schlagen findige Unternehmen gerade jetzt in der Urlaubszeit Kapital.


Anbieter in Stuttgart wirbt mit PCR-Tests für unter 50 Euro

Es liest sich vielversprechend: Test im Internet buchen, vorab bezahlen, Wartezeit online abrufen (unter 20 Minuten) und in der Stuttgarter Innenstadt zum Testen gehen. Kosten: 49,99 Euro. Beim Hausarzt kostet ein PCR-Test mindestens 120 Euro, andere Testzentren verlangen 79 Euro. Der Anbieter erklärt den Preis auf seiner Internetseite mit "angepassten Prozessen": "Wir sparen Zeit, da wir Prozesse verbessert, neu gedacht und vermehrt digitalisiert haben. Und wer Zeit spart, spart auch Geld", heißt es da.

Angegebene Wartezeit wurde um ein Vielfaches überschritten

Am Donnerstag vor den Pfingstferien war der Andrang der Testwilligen in Stuttgart groß. Wer vorab gebucht hatte, könne sich - so die Homepage des Anbieters in der vergangenen Woche - in eine "Fast Lane" stellen, komme also schneller dran als Menschen ohne Termin. Acht Minuten Wartezeit wies die Website aus. Tatsächlich standen geschätzt 100 Menschen in der Schlange vor dem Testzentrum, eine Extra-Abfertigung für Vorbuchungen gab es entgegen der Ankündigung nicht. Getestete berichteten beim Weggehen, sie hätten zwei Stunden gewartet.

Warteschlange vor einem Testzentrum in Stuttgart (Foto: SWR)
Bis zu zwei Stunden Wartezeit auf einen Corona-Test mussten die Menschen in Stuttgart vor Pfingsten in Kauf nehmen, viele warteten vergeblich.

Ansteckungsgefahr in der Warteschlange?

Bei solchen Wartezeiten könnte ein Entgegenkommen des Anbieters zum Problem werden: "Bei uns kann jeder Kunde mit oder ohne Krankheitssymptome einen Test absolvieren", schreibt der Anbieter auf seiner Internetseite. Anders als in vielen Einrichtungen, in denen Personen mit Covid-Symptomen ausdrücklich keinen Zutritt haben, werden diese Patienten hier nur gebeten, "ganz besonders auf die nötigen Mindestabstände und AHA-Regeln zu achten, um Ihre Mitmenschen und unsere Mitarbeiter zu schützen."

Außerdem sollen sie "am Einlass" ihre Symptome erwähnen, "damit unsere Mitarbeiter gegebenenfalls weitere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen können." Einen Einlass gibt es aber zumindest in Stuttgart nicht. Das Gebäude ist offen, jeder kann sich ohne Kontrolle in die Schlange stellen.

Wartende wurden weggeschickt oder sollten aufzahlen

Am Nachmittag des Donnerstags vor Pfingsten wurden die Wartenden vom Anbieter schließlich informiert, es gebe keine Testkits für PCR-Tests mehr. Sie hätten nun die Wahl: Entweder, unverrichteter Dinge zu gehen, dann werde der bezahlte Preis erstattet. Oder sie nähmen stattdessen einen Schnell-PCR-Test. Dieser koste allerdings 70 Euro mehr. Dafür liege das Ergebnis statt nach 24 bis 48 Stunden bereits nach 30 Minuten vor. In einer Stellungnahme des Testanbieters heißt es dazu: "Über Pfingsten war der Ansturm an Personen, die sich testen lassen wollten deutlich größer als erwartet". Und: Bei der falschen Angabe der Wartezeit gehe man von einem Systemfehler aus. Die Frage nach der nicht vorhandenen "Fast Lane" wurde nicht beantwortet - der Hinweis darauf ist inzwischen von der Internetseite verschwunden.

Verbraucherzentrale vermutet Lockpreis hinter dem Angebot

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt auf SWR-Anfrage, dies sei nicht der erste Bericht über fragwürdiges Vorgehen von Teststationen. Eigentlich bekomme man zum Preis von 50 Euro keinen PCR-Test. Man gehe davon aus, dass es sich um einen Lockpreis handle, um den Testwilligen teurere Tests anbieten zu können. Man wolle die Beschwerden nun prüfen, so die Verbraucherschützer weiter.

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) können niedergelassene Ärzte und Ärztinnen 15 Euro abrechnen, wenn der Test nach Testverordnung vorgenommen wird. Die Labore bekommen demnach bei Kassenpatienten 43,56 Euro. Schnell-PCR-Tests seien im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung gar nicht zugelassen, erklärt die KVBW gegenüber dem SWR.

Baden-Württemberg

Urlaubs-Regelungen, Kostenlose Mehrfachtests, Verlässlichkeit Negativer Corona-Test als Türöffner für Freizeitspaß: Das muss man aktuell wissen

Schnelltests auf das Coronavirus sind derzeit in aller Munde, sind sie doch der Schlüssel für viele Aktivitäten. Allerdings scheint bei näherer Betrachtung nicht alles so einfach wie gedacht.  mehr...

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Bundesweite Inzidenz erstmals seit Mai über 100

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Schwimmbäder in Baden-Württemberg Corona: Diese Regeln müssen Freibadbesucher beachten

Immer mehr Freibäder und Badeseen in Baden-Württemberg haben wieder geöffnet - aber unter Auflagen. Die Regeln für Badegäste im Überblick.  mehr...

STAND
AUTOR/IN