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Das baden-württembergische Kultusministerium hat Sonderregeln für die Abschlussprüfungen an Schulen veröffentlicht. Die Spielräume für Erleichterungen sind unterschiedlich groß.

Auch nach einem Corona-Schuljahr werden den Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen keine Noten geschenkt - aber: Die Politik will ihnen und den Lehrkräften nach bald einem Jahr Unterricht unter Pandemie-Bedingungen wie angekündigt entgegenkommen.

Bis zu 30 Minuten mehr Zeit für die Aufgaben

So sollen die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit und Auswahl bei ihren Prüfungen bekommen und sich länger darauf vorbereiten dürfen, teilte eine Sprecherin des Kultusministeriums in Stuttgart am Freitag mit.

Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Max-Planck-Schule sitzen in großem Abstand zueinander in einem Prüfungsraum zu Beginn einer Abiturprüfung. Foto: Frank Molterdpa +++ dpa-Bildfunk +++ (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank Molter/dpa)
Nicht nur mehr Abstand, sondern auch mehr Zeit: Neue Regeln für die diesjährigen Abschlussprüfungen. picture alliance/Frank Molter/dpa

An allen weiterführenden und beruflichen Schulen soll die Bearbeitungszeit demnach um 30 Minuten verlängert werden, wenn die gesamte Prüfung bisher für drei Stunden oder länger angesetzt war. Bei kürzeren Prüfungen soll es eine Verlängerung um 15 Minuten geben.

Lehrkräfte können Prüfungen stärker auswählen

Zudem sollen Lehrerinnen und Lehrern bei allen schriftlichen Prüfungen mehr Aufgaben zur Vorauswahl angeboten werden. Das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg wurde beauftragt, die bereits erstellten Prüfungsaufgaben "angesichts der pandemiebedingten Sondersituation" kritisch auf Umfang und Schwierigkeit zu prüfen, hieß es.

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Prüfungstermine um zwei bis drei Wochen verschieben

Durch eine Verschiebung der Prüfungstermine sollen Schülerinnen und Schüler zusätzlich je nach Schulart zwei bis drei Wochen mehr Zeit zur Vorbereitung bekommen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ließ über eine Sprecherin mitteilen: Man nutze alle Möglichkeiten für faire Prüfungsbedingungen und erweitere im Interesse der angehenden Absolventinnen und Absolventen alle möglichen Spielräume.

Bildungsgewerkschaft sieht Landesregierung auf Prüfstand

Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt die Hinweise des Kultusministeriums zu den Abschlussprüfungen einen richtigen Schritt und verlangt für die verbleibenden 20 Schulwochen in diesem Schuljahr eine Konzentration auf die wichtigsten Themen.

"Schülerinnen und Schüler sollten in diesem Schuljahr so viel wie möglich lernen und so wenig wie möglich geprüft werden".

Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

Mit Blick auf die weiteren Kita- und Schulöffnungen sieht die GEW die Landesregierungen in den nächsten Wochen auf dem Prüfstand. Ab Montag müsse sich zeigen, ob die versprochenen Voraussetzungen für die Öffnung in die Tat umgesetzt wurden, so Stein. Die GEW-Chefin erwartet von den Schulträgern außerdem mehr Investitionen, zum Beispiel in Luftreinigungssysteme.

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