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Das Abitur bedeutet für die allermeisten Abiturientinnen und Abiturienten schon Stress genug. Dieses Jahr kommen durch die Corona-Pandemie noch ein paar Herausforderungen dazu.

Am Dienstagmorgen haben in Baden-Württemberg für rund 46.000 Schülerinnen und Schüler die Abiturprüfungen begonnen - und das zum zweiten Mal unter Corona-Bedingungen. Knapp 30.000 Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufen und rund 16.400 an den beruflichen Gymnasien nehmen an den Abiturprüfungen teil. Berichte über Probleme gab es zum Auftakt laut Kultusministerium nicht. Auch die Einhaltung der strengen Hygienemaßnahmen habe reibungslos funktioniert, so ein Sprecher.

Das Fach Deutsch war traditionell zuerst an der Reihe. Anschließend sind die anderen Fächer dran - beispielsweise Physik, Englisch oder Mathematik. Bei dem Prüfungsmarathon vom 4. Mai bis zum 20. Mai beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) steht der Infektionsschutz an erster Stelle.

Von Sicherheit könne man in Zeiten der Pandemie laut dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, nicht sprechen - aber natürlich habe man mehr Routine und es gebe auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. "Wenn man etwa an die Möglichkeit der Testungen denkt", so gäben diese doch ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit, so Meidinger. Auch wenn diese bei den Prüfungen nicht vorgeschrieben seien, würden diese "doch vielfach wahrgenommen".

Räumliche Trennung von Getesteten und Ungetesteten

Stress bedeutete für viele Abiturientinnen und Abiturienten bereits eine Extra-Aufgabe vor den Leistungstests: Sie mussten sich entscheiden, ob sie getestet oder ungetestet in die Prüfungen starten wollten. Wer sich nicht testen lassen will, muss in einem anderen Prüfungsraum schreiben als die Getesteten. Das ist einer Mitteilung des Kultusministeriums zu entnehmen.

Wer sich zweimal in der Woche testen lässt und negativ ist, darf in die Gruppe der Getesteten - "unabhängig davon, an welchen Wochentagen der jeweiligen Prüfungswoche die Prüfungen stattfinden", so das Ministerium. Wer positiv getestet wird, darf an den Abschlussprüfungen nicht teilnehmen. Für diesen Fall gibt es einen Ersatztermin.

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Mindestabstand und Maskenpflicht

Unabhängig davon gilt in allen Prüfungsräumen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Prüflingen und Maskenpflicht. Die medizinische Maske darf nur zum Essen und Trinken abgesetzt werden. Zudem sollen aber auch "Tragepausen" im Freien oder in dafür vorgesehenen Räumen ermöglicht werden.

Entgegenkommen für schlechte Voraussetzungen

Weil die diesjährigen Abschlussklassen schon seit Monaten unter erschwerten Bedingungen für das Abitur lernten, gibt es jedoch auch gewisse Erleichterungen. So wurden die Bildungsinhalte in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert. Die Abschlussprüfungen wurden zudem um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben, damit die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit für Wiederholung hatten.

Laut Lehrerverbands-Präsident Meidinger ist in den Fächern der sogenannte "unwesentliche Stoff" etwas reduziert worden. "Das war notwendig. Wir hatten ja auch schwierige Bedingungen", erklärt er. "Der Distanzunterricht hat ja das Schuljahr geprägt. Deshalb wäre es auch falsch gewesen auf Punkt und Komma auf alle Stoffteile zu bestehen." Vereinfacht habe das die Klausuren allerdings nicht: "Das Anspruchsniveau der Prüfung, glaube ich, ist gewahrt worden. Es wird also keine Prüfung sein, die sozusagen den 'Prüflingen' nachgeworfen wird."

Vor den Prüfungen hatten die Prüfungsklassen Präsenzunterricht. Zum Abitur konnten die Schüler zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin - ab dem 8. Juni - wählen. Zudem wurden die schriftlichen Prüfungen um 30 Minuten verlängert. Zusätzlich haben die Lehrer in der schriftlichen Prüfung weitere Aufgaben zur Vorauswahl. So können sie jeweils diejenigen Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler auswählen, die am besten zum erteilten Unterricht passen.

Corona-Bedingungen bei Bewertung berücksichtigen

Lehrerinnen und Lehrer sollen außerdem bei der Bewertung die besonderen Umstände berücksichtigen. "Wie schon im Jahr 2020 sind die Lehrkräfte aufgefordert, bei der Korrektur der Abschlussprüfungen auch in diesem Jahr die mit Corona einhergehende Sondersituation pädagogisch angemessen zu bedenken", erklärte das Kultusministerium.

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Erster Corona-Jahrgang knapp besser ab als Vorjahres-Jahrgang

Im ersten Corona-Jahr 2020 haben in Baden-Württemberg gut 44.800 Absolventinnen und Absolventen ein allgemeinbildendes oder berufliches Gymnasium mit der allgemeinen Hochschulreife verlassen. Die Durchschnittsnote bei den Allgemeinbildenden Gymnasien lag bei 2,31 und damit nur unwesentlich über der des Vorjahrs mit 2,36. An den beruflichen Gymnasien war das Abitur 2020 ebenfalls mit 2,48 knapp besser als die 2,5 im Vorjahr.

Kritiker sprechen schon von einem so genannten "Corona-Stempel" der Abiturjahrgänge während der Pandemie. Die "Warnung", dass der Abiturjahrgang einen dauerhaften Negativ-Stempel als Corona-Jahrgang abbekomme, habe sich darauf bezogen, dass es einmal Überlegungen gab, das Abitur, also die Abiturprüfungen, komplett ausfallen zu lassen und durch eine sogenannte Durchschnittsnote zu ersetzen, so Meidinger. "Also durch eine Note, die man zuvor durch die Klausuren erzielt hat". Meidinger weiter: "Ich glaube, das wäre tatsächlich ein negativer Corona-Stempel geworden. Ein prüfungsfreies Abitur - das wäre auch ganz schwer vergleichbar gewesen".

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