Alte Prüfungsaufgaben des Stark-Verlags

Mehr Bildungsgerechtigkeit

Abitur in BW: Kultusministerium will alte Prüfungsaufgaben kostenlos online stellen

Stand
Autor/in
Iris Volk
Anja Braun
Anja Braun, Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell.

Wer sich aufs Abitur vorbereitet, soll es leichter haben. Denn die Altklausuren sollen künftig online für alle zugänglich sein.

Schülerinnen und Schüler, die sich auf ihr Abitur vorbereiten, können künftig online auf alte Prüfungsaufgaben zugreifen. Das teilte ein Sprecher des Kultusministeriums Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage mit. Bislang mussten die Aufgaben im Buchhandel gekauft werden. Denn aus urheberrechtlichen Gründen hätte das Ministerium bislang die Prüfungen nicht selbst online stellen können.

Alte Prüfungsaufgaben in BW künftig online abrufbar

Die Prüfungsaufgaben sollen zukünftig kostenlos auf der Website des Institus für Bildungsanalysen Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt werden, so das Ministerium weiter. Urheberrechtlich schwierige Passagen, beispielsweise Literaturtexte, sollen geschwärzt und mit entsprechenden Quellenverweisen ergänzt werden.

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Land hat von Verkauf der Altprüfungen profitiert

Wie viele andere Bundesländer hat auch Baden-Württemberg die alten Prüfungsaufgaben an Verlage weitergegeben. Doch während die anderen Länder ihre Aufgaben für einen eher symbolischen Preis von durchschnittlich 200 Euro oder gar kostenlos weitergeben, ist Baden-Württemberg an den Verkäufen direkt beteiligt. Zehn Prozent soll das Land pro verkauftem Buch bekommen. Ein entsprechendes Buch des Stark-Verlags beispielsweise kostet aktuell rund 18 Euro.

Für Max Kronmüller von der Initative FragDenStaat ist das bisherige Vorgehen nicht nachvollziehbar: "Da müssen die Schülerinnen und Schüler noch Geld dafür bezahlen, dass sie sich mit den Aufgaben vorbereiten können." Dies fördere nicht die Bildungsgerechtigkeit.

Es kann nicht sein, dass hier für schmales Geld die Aufgaben an einen privaten Verlag verscherbelt werden, der dann wiederum mit Schülerinnen und Schülern Millionen verdient.

Alte Prüfungsaufgaben: Initiativen starten Petition

Gemeinsam mit Wikimedia Deutschland hatte FragDenStaat kürzlich eine Petition gestartet, um Prüfungsaufgaben in allen Bundesländern frei zugänglich zu machen. Denn ob Schülerinnen und Schüler überhaupt wissen, wo sie die Altaufgaben herbekommen, hänge oft davon ab, ob die einzelne Lehrkraft oder die Schule die Aufgaben bereitstellten, sagt Franziska Kelch von Wikimedia Deutschland. Würden die Kultusministerien die Prüfungen für alle zugänglich machen, könnten sich Schülerinnen und Schüler selbstständig vorbereiten und seien nicht abhängig von Lehrkräften, so Kelch weiter. Bislang haben lediglich Niedersachen und Schleswig-Holstein zentrale Plattformen, auf denen Prüfungsaufgaben für unterschiedliche Schulformen gespeichert sind.

Die Petition war laut dem BW-Kultusministerium allerdings nicht der Anlass für das Umdenken. Dass die Prüfungsaufgaben online gestellt werden sollen, sei schon länger in Arbeit gewesen. Wann die ersten Aufgaben abrufbar sind, ist laut dem Sprecher des Kultusministeriums allerdings noch nicht klar. Geplant sei aber, dass das aktuelle Material künftig jeweils im Oktober bereitgestellt werden soll. Außerdem soll das Angebot auch auf weitere Schulformen ausgeweitet werden.

SPD: Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben längst überfällig

SPD-Bildungspolitiker Stefan Fulst-Blei begrüßte die Entscheidung des Kultusministeriums. "Schön, dass die Regierung es jetzt auch anders sieht", sagte er. Erst im Herbst hatte das Ministerium auf seine Anfrage die urheberrechtlichen Probleme als Grund für die Nicht-Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben genannt. "Es ist nötig und überfällig, dass sich künftig alle Abiturientinnen und Abiturienten kostenlos mit alten Prüfungsaufgaben vorbereiten können. Bildungsgerechtigkeit darf nicht nur ein Motto sein", so Fulst-Blei weiter.

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